In Ewigkeit: Star Wars…

In Ewigkeit: Star Wars…

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SLEAZE + Star Wars Ewigkeit

SLEAZE + Star Wars Ewigkeit
Martialisch wie immer!

Manche Filme werden einfach für die Ewigkeit gemacht. Gerade in so breit gefächerten Genres wie der Science-Fiction gibt es ja wirklich dutzende Filme, die durch ihre einzigartige Wirkung auf der großen Leinwand auch noch nach Jahrzenten einen Platz im allgemeinen Bewusstsein des Kinogängers haben.

Sei es durch ihre technische Umsetzung, eine interessante / visionäre Story oder einfach wegen einer überzeugenden Atmosphäre und Authentizität, der man sich schlichtweg nicht entziehen kann.

Meistens bestehen diese Filme für die Ewigkeit aber aus einer gesunden Mischung aus all diesen Faktoren. Wie Dune, Blade Runner oder 2001: Odyssee im Weltall zum Beispiel. Der kann schon seit 1968 aufgrund seiner optischen Effekte, einer revolutionären Tricktechnik und seinem kulturphilosophischen Ansatz die Zuschauer beeindrucken. Am Einprägsamsten war aber dennoch knapp zehn Jahre später ein Film, der eigentlich keine weitere Erklärung für seinen Erfolg braucht: Star Wars.

Nun gibt es einen weiteren Film, der sich einen Platz auf dieser Liste verdienen könnt. Er läuft sogar unter demselben Banner wie der Kultkracher von 1977. Die Rede ist selbstverständlich vom heiß erwarteten Star Wars: The Last Jedi. Die mittlerweile achte Installation in der Weltraumsaga kommt nun, zwei Jahre nach dem siebten Teil, in die Kinos unseres blauen Planeten.

Dieser siebte Teil stellte damals den Beginn einer neuen Trilogie und generell einen Neuanfang dar, denn Disney, die 2013 Lucasfilm und damit die Rechte an Star Wars aufkauften, hatte ab jetzt die Zügel in der Hand. Aber trotz Bedenken schaffte es Regisseur J.J. Abrams, einen nahezu perfekten Spagat zwischen neuer Geschichte und Fanservice hinzulegen. Und vor allem schaffte er es, sich von der von eben diesen Fans verhassten Prequel-Trilogie, in der Animationsoverkill vor der Handlung und Lichtschwertkämpfe vor Emotionen standen.SLEAZE + Star Wars Ewigkeit

Für die Fortführung der Handlung machte es sich nun Rian Johnson, der auch schon den ausgezeichneten Looper zu verzeichnen hat, auf dem Regiestuhl bequem. Der gute alte J.J. ruht sich „nur“ als Executive Producer aus, bevor er dann wieder das Grande Finale, Episode 9, als Regisseur übernimmt.

Wo geht’s diesmal hin?

Aber zurück zur Handlung: Die setzt genau da ein, wo der Vorgänger aufgehört hat. Rey (Daisy Ridley) ist auf einer einsamen Insel am Arsch des Universums, auf der sich auch der in die Jahre gekommene Luke versteckt – als mittlerweile gescheiterter Jedi-Lehrer und letzte Hoffnung der Rebellen. Dieser ist wohl zudem nicht ganz unschuldig an der Verwandlung seines Neffen Ben Solo (Adam Driver) in den fiesen Vader-Wannabe Kylo Ren, der in Episode 7 für einen der traurigsten Momente der Star Wars-Geschichte sorgte.

Währenddessen befindet sich der Rest von dem, was von den Rebellen übrig ist, ist auf der Flucht vor der „First Order“. Und auch wenn es ein recht kleiner Rest ist, so umfasst dieser doch mittlerweile einen ganzen Sack voll Hauptpersonen, die alle eine unterschiedliche Geschichte haben: Der Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega), der draufgängerische Pilot Poe (Oscar Isaac) und natürlich unsere Lieblingsprinzessin Leia, deren Szenen allerdings immer – aufgrund Carrie Fishers Ableben im letzten Jahr – etwas schmerzen.

Doch trotz dieses Getümmels an Charakteren verliert man nie den Überblick. Viel mehr findet jede Figur die Zeit, um bedeutend zu werden. Es gibt sogar noch Platz, um einige neue, definitiv überzeugende Charaktere einzuführen, wie die sowieso immer grandiose Laura Dern als Vizeadmiral Holdo und Kelly Marie Tran als die toughe Ingenieurin Rose. Gut, das mit der Zeit liegt aber womöglich auch an den irrsinnigen zweieinhalb Stunden, die The Last Jedi zum bisher längsten Film der Reihe macht.SLEAZE + Star Wars Ewigkeit

Aber warum verdient der Film denn nun einen Platz auf der oben erwähnten „unsterblichen“ Liste? Durchaus auch eben wegen der Geschichte, die er erzählt. Die hat es wirklich in sich, denn wo The Force Awakens oft vorhersehbar war, fährt Episode 8 echte Überraschungen und Wendungen auf. Und das betrifft nicht nur den Verlauf der ausgetragenen Kämpfe, sondern vor allem auch die Entwicklung der zentralen Figuren. Diese sind, was durchaus an ihren Schauspielern liegt, echte fühlende Menschen und nicht nur zweidimensionale Pappaufsteller in einem Sci-Fi-Theater.

Auch die Grundstimmung wurde wieder etwas runtergetrimmt. Es fühlt sich tatsächlich wieder ein bisschen nach Das Imperium schlägt zurück an, die First Order kommt wesentlich bedrohlicher und finsterer rüber. Alles ist eine Spur düsterer. Aber dadurch auch einfach überzeugender, nicht ohne Grund gilt ja auch Episode 5 bei vielen Fans als stärkster Teil der Reihe. Überzeugen kann definitiv auch das Set-Design: Eine Symbiose aus charmantem Retro-Gedöns und modernster Technik. Man sieht dem Film wirklich Liebe zum Detail an, die vielen verschiedenen Kreaturen und Sets sind größtenteils wieder per Hand gemacht. Und wenn nicht, sieht man es ihnen eigentlich kaum an.

Was allerdings deutlich ersichtlich wird: Man hat sich wirklich Mühe gegeben, dem Zuschauer nicht wieder dieselbe Außerirdischen-Suppe, wie man sie nach Jahrzenten voller Sci-Fi-Filmen gewohnt ist, aufzutischen. Die neuen Kreaturen sind alle für sich interessant und innovativ, selbst die bereits im Trailer prominent platzierten großäugigen Porgs waren dann doch gar nicht so nervig, wie manch einer erwartet hätte.SLEAZE + Star Wars Ewigkeit

Kann man denn überhaupt ein negatives Wort über The Last Jedi verlieren? Nun, womöglich, wenn man kein großer Star Wars-Fan ist. Dann könnte man vielleicht sagen, dass der Film mit seinen 150 Minuten Laufzeit sich an manchen Stellen vielleicht doch etwas zu viel Zeit genommen hat und langatmig wirkt. Oder dass die humoristischen Szenen vielleicht ein bisschen zu albern sind. Oder aber auch, dass sich der Film vom Aufbau her ein klein wenig zu sehr an dem von Das Imperium schlägt Zurück orientiert. Aber im Grunde ist der Film einfach perfekte Unterhaltung: Gut getimte Action, ein bisschen Witz, klasse Schauspieler, tolle Bilder. Eine emotionale Achterbahnfahrt für jeden Star Wars-Nerd. Und eine Blockbuster-Empfehlung für jeden anderen.

Simon

Titel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Rian Johnson
Laufzeit: 152 Min.
: 14.12.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: Disney

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