Im Schilder-Wald

Im Schilder-Wald

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SLEAZE.geoffs-schilder3Schilder, unsere spröden, stummen Helfer im Verkehrsalltag, sind selten Schönheiten. Im Gegensatz zu menschlichen Models, die irgendwie schön sein sollen, aber trotzdem nicht mehr als Kleider(bohnen)stangen, sollen Schilder einfach nur helfen. Warum dürfen Schilder aber nicht auch optisch ansprechend sein? Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, aber: Man lernt ja auch besser, wenn man Spaß am Thema hat (was viele Lehrer und Dozenten leider bisher nicht gelernt haben).

MINI nahm sich der Schilder-Problematik an und suchte einen Ästhetik-Optimierer. Aber nicht für klassische Straßen, sondern für Skipisten. In Laax… Während der Burton European Open…

Mit Geoff (was man Jeff spricht und mein Gehirn nicht akzeptieren will) McFetridge fanden sie einen mehr als passenden Künstler. Geoff ist der malende Spike Jonze. Ein Dauer-Output-Künstler. Abstrakte Menschen, clever überlegt, naiv gezeichnet, an Keith Haring erinnernd. Das die Kurzform.
Schaut man sich seine Arbeit genauer an, wird man entweder gut unterhalten – oder erschlagen. Der Mann scheint ohne Ende Bilder zu malen und irgendwie noch Auftragsarbeiten für große Firmen sowie Sachen für Musik-Videos, Galerien und Filmklassiker wie „Where The Wild Things Are“ oder „Her“ hinzubekommen. Bei letzteren beiden war Spike Jonze der Regisseur. Auch sonst verbindet die zwei Kreativlinge seit den frühen Beastie-Boys-Videos so einiges. Zumindest von außen scheinen sie sich in ihrem kreativen Schaffen sehr ähnlich zu sein.

Was hat Geoff nun also Gutes für MINI – Achtung, Wortwitz! – im Schilde geführt? Wir fragten ihn in Laax mal ein wenig aus.

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Geoff und sein Wunderdaumen. 🙂

Hallo Geoff, schön, dass du hier bist. Stell dich doch am besten selbst kurz vor, wo wir sind und…warum du überhaupt hier bist.

Mein Name ist Geoff McFetridge und ich bin ein Künstler aus L.A. Ich habe für MINI eine Kunst-Installation umgesetzt. Ich zeichnete Skipisten-Schilder und bemalte einen MINI, und das alles wird gerade hier im Schweizer Ski-Resort Laax für die Zeit der Burton European Open auf den Pisten ausgestellt.

Was war deine Inspiration bei den Schildern?
Die Werbeagentur suchte einen Künstler, der Schilder gestalten konnte, die zur Landschaft passten. In den USA gibt es Tausende von Schildern, die dich warnen usw. Witziger weise ist das hier gar nicht so – was ich ganz gut finde. Es liegt an einem selber, nicht in die Bäume zu fahren usw. Nicht mal am Flughafen gab es viele Schilder. Es scheint mir ein durchdachterer Design-Ansatz zu sein.

Meine Schilder jedenfalls sind Zeichnungen, wie eigentlich fast alles, was ich mache. Und das ist alles Mögliche – aber jede Idee beginnt mit Zeichnen. Und über die Jahre wurde Zeichnen sowohl ein fertiges Produkt als auch ein „Durchdenken“ von verschiedenen Projekten. Und ich versuche, dass sich diese beiden Zustände so gut wie möglich einander annähern.
So auch bei den Schildern. Schilder haben eine Funktion. Unmittelbare Hinweise auf eine Skipiste oder Lebensgefahr. Ich spielte humorvoll mit der Dringlichkeit dieser Aussagen, mit dem Trivialen und Psychologischen. Ist es möglich, einen Witz zu machen zu einem vorbeifahrenden Skifahrer?

SLEAZE.geoffs-schilder5Warum zeichnest du so häufig Menschen und nicht z.B. Tiere oder Gegenstände?
Man muss die wahre Bedeutung dahinter verstehen und ich denke, dass dies am besten mit Menschen funktioniert. Die Dinge, die ich male, sind genauso wie Wörter die man einfach übersehen kann und auf die man einfach nicht richtig achtet, weil es einen wenig interessiert. Sind sie aber auf sich bezogen, wirkt es besser. Man achtet mehr darauf.

Ist Kunst für dich immer auch noch ein Hobby?
Ja, natürlich. Ich male selbst früh mit meinen Töchtern am Frühstückstisch. Ich habe zwei Töchter und manchmal, egal wie müde man morgens ist, es werden zwei Blätter mitgebracht: “Eins für mich und eins für dich.”

Würdest du deine Töchter gern in dieselbe Richtung führen?
Definitiv würde ich es wollen, aber es liegt bei ihnen. Das Ding ist, sie sehen mich immer zeichnen, und das hat einen großen Einfluss. Sie kommen in mein Studio, sehen, was ich so mache…wenn ich dann mit ihnen male, ist es aber ganz anders. Da geht es eher um die Frage: „Was wollt ihr malen?“

Hast du Snowboarding schon mal versucht?
Ja, ich habe damit angefangen, als war das noch nicht so sehr verbreitet. Ich habe mit Skifahren angefangen, da war ich gerade mal drei Jahre alt. Das ging dann über auf Skate- und schließlich auf Snowboarding. Knapp zehn Jahre während meiner Teenagerzeit.

Hast du andere Projekte, über die du reden kannst?
Ich werde eine Show in New York in der Joshua Liner Gallery haben, die im September startet. Und dann wird es noch einige sehr große Installationen in der Bahnhofshalle in Ottawa geben.

Möchtest du irgendwelche anderen Künstler empfehlen?
Nein, nur mich. 😀

Text, Interview: danilo
Übersetzung: Elli

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