Im November:‭ ‬Kinolegenden und schräges Zeug

Im November:‭ ‬Kinolegenden und schräges Zeug

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Woody Allen und Jim Jarmusch: Zwei Großmeister der Kinogeschichte, die immer noch aktiv sind, stellen im November ihre neuesten Filme vor. Jims Paterson startet sogar zuallererst bei uns in Deutschland und nicht in den USA, was ungewöhnlich ist. Sei also Konsument des ersten Kinomarktes, der diesen ruhigen Film verwertet. 😉

Daneben gibt es noch eine Reihe richtig schräger Titel, die das Herz des geneigten SLEAZE-Lesers sicher höher schlagen lassen. Wir wissen ja, dass du auf den schrägen Scheiß stehst! Zieh’s dir rein, hier kommen unsere Tipps für den November – geprüft und für gut befunden.

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Schöner Retro-Horror aus Italien: Das Haus an der Friedhofsmauer

3.11.

Das Haus an der Friedhofsmauer: Der Drop-Out Cinema-Verleih bringt diesen Klassiker von 1981 wieder ins Kino: Wie so oft zieht eine Familie in ein Haus, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht, ja sogar spukt. Eigentlich kein Wunder, wenn nebenan ein Friedhof ist. Über die Story soll hier gar nicht zu viel verraten werden.
Der Film des Giallo-Regisseurs Lucio Fulci hat eine bewegte Geschichte hinter sich: In den 80er Jahren galt er als zu krass, zu deutlich wurden hier die Körper verletzt, wie dies mittlerweile im Gore üblich ist. Daher landete er damals in vielen Ländern auf dem Index. Inzwischen ist die Welt jedoch etwas entspannter geworden und Horrorfilme generell krasser. Zeit, Das Haus an der Friedhofsmauer wiederzuentdecken. Und die 80er Jahre sind ja inzwischen eh retro-cool. Anschauen also.

Morris aus Amerika: Der Ausnahme-Komiker Craig Robinson war zwar in den Nuller Jahren Teil von Judd Apatows Truppe, hatte aber leider immer mit die kleinsten Rollen, wie in dieser genialen Szene aus Knocked Up. In Nicht-Judd-Produktionen war das ähnlich, beispielsweise in dem auch ziemlich lustigen Hot Tub Time Machine. Und auch in der zweiten Staffel von Mr. Robot überzeugte Craig vor Kurzem.
In der Netflix-Produktion Morris aus Amerika hat er nun zumindest schon mal die zweite Hauptrolle als Vater des 13-jährigen Morris. Die beiden leben in Heidelberg, Germany, da Craig dort Trainer in einer Fußball-Mannschaft ist. Außerdem stehen beide auf Hip Hop, und diese Musik ist zentral für die Story. Also magst du Hip Hop und / oder Humor vor einem deutschen Hintergrund, dann schau dir Morris… an. Tipp!

10.11.

Café Society: Woody Allens neuester Streich: Im sympathischen 30er-Jahre-Hollywood-Setting kommt Neuankömmling Jesse Eisenberg („Mark Zuckerberg“ aus The Social Network) zum ersten Mal in die Stadt und verliebt sich sogleich in Kristen Stewart (Twilight, American Ultra). Die hatte jedoch schon was mit Steve Carrell (The 40 Year Old Virgin) am Laufen, und so geht der Reigen reihum.
Die damalige Zeit gleicht in Café Society optisch fast einer Spielzeugwelt, ansonsten ist alles ein routinierter Woody: Steve belebt seine Rolle aus The Big Short wieder, auch der Rest des Ensembles kann überzeugen, die Story ist flüssig erzählt und geht voran – eine smart Comedy in bester Woody-Tradition. Und gleichzeitig ist Café Society nicht der beste Woody-Streifen der letzten zehn Jahre. Für Fans dennoch empfehlbar.

17.11.

Dirty Cops: War on Everyone: Locker einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres: Endlich kommt Dirty Cops ins Kino. In ihm sind Alexander Skarsgård (True Blood) und Michael Peña Partner bei der Polizei in New Mexico.

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Den Pantomimen überfahren und er hat keine Ton gemacht: Dirty Cops

Die beiden gehen allerdings ein wenig anders vor als deine üblichen Bullen: Wenn man als Officer beispielsweise eine große Menge Kokain sicherstellt, kann man die – zur Eigenanwendung – ja schließlich auch behalten, oder? Auch mit Kriminellen lässt sich zuweilen leichter umgehen, wenn man erst zuschlägt, dann redet.
Das Ganze ist jedoch eine Komödie und kein ernstgemeinter Aufruf zu solcher Polizeiarbeit. Schräg und unglaublich lustig, dazu zutiefst menschlich und sehr stylish – anschauen!

Paterson: Paterson ist der nächste Film von Indie-Kinolegende Jim Jarmusch. Drei Jahre mussten die Fans seit dem lustigen Only Lovers Left Alive warten, doch nun ist es soweit. Und Jim kehrt zurück zu dem, was er eigentlich am besten kann (nichts gegen die Vampire aus Only Lovers…!): die Darstellung von scheinbar belanglosen Alltagssituationen. Aber ist nicht gerade das das wahre Leben, das wir alle fernab von Explosionen und Weltrettung führen? 😉
In Paterson hat Paterson, gespielt von Adam Driver (Star Wars – Das Erwachen der Macht, While We’re Young) ein ganzes nettes Leben: Zwar muss er jeden Morgen früh aufstehen, um als Busfahrer durch seine Heimatstadt (die lustigerweise heißt wie er) zu cruisen, doch dann geht’s nach Hause zu seiner liebevollen Laura. Die scheint bisweilen ein wenig sprunghaft darin, in welche Richtung ihr (Berufs-)Leben gehen soll. Paterson dagegen schreibt, wann immer er kann, Gedichte in ein kleines Notizheft.
Klingt langweilig? Ist es aber nicht, denn keiner ist wohl so sehr wie Jim ein Meister darin, im Alltäglichen das Außergewöhnliche zu entdecken. Dazu noch ein schön gefilmtes Werk, das unfassbar gut aussieht. Am Ende von Paterson haben die geneigten Zuschauenden dann einige neue Ideen darüber, was ein Leben und vielleicht sogar ein glückliches Leben eigentlich ausmacht. Tipp unserer Redaktion.

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Leben und Lieben in Paterson

24.11.                                                                       

Alipato – The Very Brief Life of an Ember: Ein sehr schicker, dreckiger Sci-Fi-Film des philippinischen Ausnahmeregisseurs Khavn: Im Jahr 2031 ist Mondomanila ein Moloch, ein Albtraum urbaner Zukunft. Eine Kinder-Straßengang, die Kostkas, begeht dann ein ganz großes Ding und überfällt die örtliche Zentralbank. Doch das geht ganz groß schief. 28 Jahre später: Der Boss kommt aus dem Knast frei, will aber den anderen Gangmitgliedern nicht verraten, wo die Beute versteckt ist. Und wer bringt eigentlich alle um?

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Schräger Shizzle von den Philippinen: Alipato

Underground-Filmemacher Khavn dreht im Guerilla-Stil auf den Straßen und in den dichtbesiedelten Gegenden seiner Heimatstadt Manila. In hypnotischen Bildern schafft er aus den bereits jetzt dort herrschenden Zuständen erschreckende und gleichzeitig faszinierende Zukunftsvisionen: Forscher gehen davon aus, dass im Jahre 2050 bis zu 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Schau dir in Alipato an, wie das auch bei uns in einigen Jahrzehnten aussehen könnte – ganz klarer Tipp!
Und hier geht’s zu unserer ausführlichen Rezension des Titels.

Arrival: Was wäre, wenn Außerirdische auf die Erde kämen? Nun, aus den meisten Filmen kennt man: Sie fangen sofort einen Krieg an. Oder aber einzelne Außerirdische stranden hier oder begeben sich auf Missionen, wie etwa in E.T. oder Species.
Mit Arrival kommt jetzt womöglich der realistischste Film aller Zeiten über eine Alien-Landung ins Kino (wenn man das so sagen kann): Zunächst mal halten sich die Schiffe nur in der Erdatmosphäre auf, ballern nicht gleich los. Dann sind die Außerirdischen selber, wie man im Trailer sehen kann, äußerst gut designt: Ähnlich uns Menschen, die wir beispielsweise Sauerstoff zum Atmen brauchen, bringen auch sie ihre Lebensumgebung an Bord des Schiffes mit. Auch ist die Evolution bei den Aliens offenbar ganz andere Wege gegangen, doch heraus kam trotzdem ein intelligentes Wesen.

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Arrival: Auf geht’s, das Alien treffen.

Das ist schlau, und auch die Reaktion der Menschen überzeugt, denn sie schicken eine Sprachwissenschaftlerin los, um mit den Besuchern eine gemeinsame Sprache und damit Kommunikation zu finden.
Verantwortlich für den Film ist Denis Villeneuve, der, wie in seinem Vorgängerfilm Sicario, mit Amy Adams (American Hustle) als Wissenschaftlerin wieder eine starke weibliche Hauptfigur besetzt hat. Sci-Fi mit Köpfchen.

Deepwater Horizon: Eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten, verantwortet von British Petroleum a.k.a. BP: Der sympathische Ölmulti verstieß 2010 grob gegen Sicherheitsbestimmungen, die titelgebende Ölplattform geriet in Brand und sank. Als Folge trat drei Monate lang fast ungehindert Öl in den Golf von Mexiko aus. Keine schöne Sache.
Im Katastrophen- und Survivalfilm Deepwater Horizon geht’s jetzt zunächst mal um die 126 Arbeiter, die zum Unglückszeitpunkt auf der Ölplattform waren. Die mussten nämlich erstmal ihre eigene Haut retten – vor der Eindämmung der eigentlichen Ölpest. Und das ist nicht einfach auf einer Tiefseeplattform, die einem komplett um die Ohren fliegt.
Besetzt ist der Film mit Mark Wahlberg (Ted), Regie führte Peter Berg (Hancock).

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