Im Tiegel der Kosmetik-Siegel

Im Tiegel der Kosmetik-Siegel

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Dein Leben fühlt sich wunderbar an – du ernährst dich vegan, verzichtest auf Lederkleidung, trägst keinen Pelz (ganz sicher?), gehst nicht in den klassischen Zirkus mit lustigen auf Bällen tanzenden Bären, bist auf vegane Kondome umgestiegen und deine Seidenfummel aus Raupenkokons liegen längst in der Altkleidersammlung?

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Dann lohnt sich ein ganz genauer Blick auf deine Kosmetik, denn wie war das noch gleich mit dem Teufel, der im Detail steckt?

Von Lush über Rossmann bis dm: Alle werben mit ihren veganen Produkten. Mittlerweile kennt auch fast jeder dieses Siegel: der „Vegan“-Schriftzug mit der hübschen Blume, die aus dem V herauswächst.

Aber was heißt das nun und wer bekommt es? Sind Produkte mit diesem Zertifikat nun besser als solche ohne? Und was besagt das Vegan-Siegel der Drogerie-Eigenmarken? Welche tierischen Bestandteile sind denn überhaupt in Kosmetika enthalten? Bei all diesen Fragen raucht dir der Kopf? Kein Wunder! Du fühlst dich zu Recht damit allein gelassen. Kein Wunder.

Wie wie-gän darfs sein?

Kosmetikprodukte, die das Vegan-Siegel mit der Blume besitzen, wurden von der Vegan Society zertifiziert. In diesen Produkten befinden sich keine Stoffe von toten oder lebenden Tieren, egal ob Wirbeltier oder nicht. Auch Tierversuche, sowohl in der Entwicklung als auch in der Herstellung, sind nicht erlaubt.

Doch auch hier gibt es den berühmten Casus knacksus: Zum einen gibt die Vegan Society keinen Stichtag an, seit wann das Tierversuchsverbot gilt und zum anderen werden tierische Inhaltsstoffe oft durch synthetische ersetzt, die schlecht für dich sein können. Außerdem erlaubt sie sogenannte GVO-Zutaten (gentechnisch veränderte Organismen).

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Dieses Logo: Gut oder wenigstens ausreichend?

Wie steht es dann mit dem Vegan-Siegel der Drogerie-Eigenmarken? Auf der dm-Homepage findest du diese Erklärung: „Produkte, die mit dem Vegan-Siegel gekennzeichnet sind, dürfen keinerlei tierische Bestandteile enthalten. Bei ihrer Herstellung und der einzelner Bestandteile dürfen keine tierischen Hilfsstoffe zum Einsatz kommen. Tierversuche sind verboten. Der Produzent darf dabei selbst weder Tierversuche durchführen noch in Auftrag geben.“

Klingt ähnlich, hilft aber auch nicht wirklich weiter. Du musst dich auf die Worte des Herstellers verlassen. Er kennzeichnet seine Produkte, die nach seinen Richtlinien vegan sind, verzichtet aber auf die Zertifizierung von außerhalb.

Ist es dir wichtig, dass deine Kosmetik ganz ohne tierische Inhaltsstoffe auskommt, dann achte auf die Veganblume und du bist fein raus aus der Sache. Möchtest Du aber auch ganz sicher auf Tierversuche verzichten und nach Möglichkeit keine synthetischen Stoffe auf und in deinen Körper lassen, dann sollten dich noch weitere Zertifizierungen interessieren.

Vegane Kosmetik ist nicht automatisch Naturkosmetik…

…da hilft auch die schicke Blume im Siegel nichts. Auch naturnahe Kosmetik oder Namenszusätze wie „Botanicals“, „frisch und handgemacht“, „Pflanzenkosmetik“ oder „natürliche Inhaltsstoffe“ bieten dir keinerlei Sicherheit in Bezug auf deren Zusammensetzung.

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Kann das Blümchen mehr?

Kennst Du das Logo „Hase mit schützender Hand“? Hast du es schon einmal auf Kosmetikprodukten gesehen? Wenn Du diese Fragen mit „Nein“ beantworten solltest, dann ist das kein Wunder. Die wenigsten Hersteller haben dieses Gütesiegel.

Es wird vom Deutschen Tierschutzbund e. V. unter Einhaltung strenger Regeln vergeben. Es dürfen zwar Rohstoffe vom lebenden Tier (Bienenwachs, Wollfett, Honig, Milch, etc.) verwendet werden, diese müssen aber mindestens der EU-Bio-Verordnung entsprechen.

Auf dem – leider sehr schlecht umgesetzten – Internetauftritt des IHTN (Internationaler Herstellerverband tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren e. V.) findet man Folgendes: „Alle Firmen, die dieses Logo tragen, produzieren seit 1979 komplett tierversuchsfrei.“ Klingt doch super!

Ist das alles?

Oder darf’s noch etwas mehr sein? Vielleicht bist du deiner Wunschkosmetik einen Schritt näher gekommen. Sie beinhaltet keine tierischen Stoffe, hat mit Tierversuchen nichts am Hut – ist es denn jetzt endlich ein gutes Produkt? Farbstoff-, mikroplastik- und mineralölfrei? Schonend hergestellt? Bio? Wie sieht es mit der Verpackung aus? Wie wird produziert?

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Wenn wenigstens das Label so wie hier immer vorne drauf wäre!

Es wäre doch viel zu einfach, wenn es so einfach wäre. Wenn Du auf all diese Faktoren Wert legst, dann schau auf den Seiten des Tierschutzbundes, von Peta, dem Bund oder der Verbraucherzentrale nochmal genauer nach.

Fazit: Weniger ist mehr

Dass man überhaupt Gütesiegel braucht, zeigt dir, dass gerade in der Kosmetikindustrie eine Menge falsch läuft. Interessiert leider die wenigsten. Daher: Nimm dir Zeit und entscheide klug. Creme lieber weniger, dafür aber natürlicher. Oder mix dir deine Sachen am besten selbst. Deine Haut, dein Körper, ja sogar deine Umwelt werden es dir danken.

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