Im halluzinogenen Kreis

Im halluzinogenen Kreis

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kelela.sleazeKelela, die amerikanische RnB-Künstlerin mit äthiopischen Wurzeln, hat uns nach ihrem ersten Mixtape Cut 4 Me einige Zeit warten lassen und den EP-Release dann sogar noch mal nach hinten verschoben: Detailverliebtheit und Perfektionismus gehören definitiv zu Kelelas Eigenschaften. Umso gespannter sind wir auf die am 9. Oktober erscheinende Platte Hallucinogen. Mit einer stärkeren Hip-Hop-Orientierung, die wahrscheinlich auf DJ Dahhi (Kendrick Lamar: Monday Trees) zurückzuführen ist, erzählt Kelela auf sechs Songs mit tiefen Klanglandschaften und voller Stimme von den Höhen und Tiefen des Verliebtseins und der Liebe. Trotz der relativen Kürze ihrer Veröffentlichung griffen ihr auf den verschiedenen Tracks gleich fünf verschiedene Produzenten unter die Arme und lassen die Platte dennoch rund werden. Und das ist Kelelas Anspruch und Ziel, wenn sie dich auf eine Reise schickt, deren Kreis sich am Ende auch tatsächlich wieder schließt.

Los geht es mit „A Message“, ein Song, der von der emotionalen Hölle einer frisch zerbrochenen Beziehung handelt. Die unglaublich abwechslungsreiche Ballade, die sich in tiefen Bässen verliert, puzzelt sich immer wieder selbst zusammen, wenn Kelela mehrstimmig mit sich selbst singt, bis der Song nur noch aus Stimmen zu bestehen scheint. Mit dem zweiten Song wird es rhythmisch leichter und schneller, das denkt man zumindest die ersten fünf Sekunden, bis der Bass kickt und man wieder in das dunkle Gefühlschaos zurückgeworfen wird. „You know what’s next“, singt Kelela, aber das scheint zumindest für unsere Ohren nicht zu stimmen, denn während wir am Ende der Refrains noch etwas Spannendes erwarten, klingt das Ganze in ausgedehnten Vocals aus und enttäuscht uns ein wenig. Dem Rückrat der Platte allerdings, Rewind auf der Nummer drei, traut man mit seiner Melodie Ohrwurmpotential zu, obwohl Bass und Stimme höhentechnisch weit wie Nord- und Südpol auseinander liegen. Mit den Produzenten Nugget und Kingdom versetzt Kelela uns in eine Stimmung mit Schmetterlingen im Bauch. Auf gleiche Weise intim und schüchtern wie sexy leitet sie zu Track Vier über, bei dem alles auf eine Karte gesetzt wird:
Hingabe, Beziehungs-Commitment – „All the way down“. Mit der sehr langsamen Nummer zeigt uns Produzent DJ Dahhi die verschiedenen Soundmöglichkeiten, Kelelas Stimme ganz nah und ganz fern klingen zu lassen. Ein Spiel mit Nähe und Distanz, auch textlich gesehen.
Was dann kommt, ist psychedelisch. Für den fünften Song hätte man sich keinen besseren Titel einfallen lassen können, denn es scheint zwischen den sich überlagernden Stimmen und Klängen keinen roten Faden mehr zu geben. Im halluzinogenen Soundrausch ufert die Reise langsam aus, der Trip nimmt mit „High“ ein Ende, nach dem Fliegen kommt der Fall, der uns wieder zu den Anfängen der EP katapultiert. Ein Beat wie ein Herzschlag, von dem Kelela selbst sagt: “from hedonism to heartbreak – it’s very much a continuum.” Der Kreis schließt sich, der ewige Zyklus kommt erneut in Gang und vielleicht drücken wir auch noch mal auf Repeat. Die ersten Tracks haben uns am besten gefallen.

Laurie

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