Im Farbenrausch

Im Farbenrausch

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Der DJ und Produzent Alle Farben alias Frans ist derzeit in aller Munde. Anfang September erschien die neue EP des gebürtigen Kreuzbergers mit dem Titel „Sailorman EP“. SLEAZE hat sich vorab auf eine bunte Entdeckungsreise begeben.

Dein Künstlername „Alle Farben“ stammt daher, dass du ursprünglich Maler werden wolltest – ist das korrekt und welche Rolle spielt die Malerei aktuell noch in deinem Leben?

Ja, das ist richtig. Ich bin aber abgekommen von den Großformaten, mittlerweile male ich nur noch für mich und auch nicht mehr so häufig. Zeitlich schaffe ich es einfach nicht mehr.

Wie bist du überhaupt zur elektronischen Musik und zum Auflegen gekommen?

Das hat sich letztendlich mehr oder weniger einfach so ergeben. Ich bin durch meine Eltern mit Platten groß geworden und war dadurch mit dem Medium „Vinyl“ sehr früh vertraut gewesen. Durch Zufall bin ich irgendwann im Plattenladen auf elektronische Musik gestoßen, die damals noch total neu für mich war und mich seitdem nicht loslässt.

Vinyl vs. MP3 – wofür schlägt dein Herz?

Ganz klar Vinyl. Aber den Umständen entsprechend spiele ich selber sehr viel MP3, da vieles nicht auf Vinyl erhältlich ist und beim Reisen Vinyl ein erheblicher Aufwand ist. Übergepäck und Schlepperei – daher arbeite ich viel mit Timecode-Vinyl.

Gibt es eine Message hinter deiner Musik?

Ich würde sagen: Ja. Es geht darum, Spaß zu haben und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Ganz wie mein Mix „Familiar Traveller“ ausdrückt, nehme ich Fans und Zuhörer mit auf eine Reise, da ich mir bewusst bin, dass viele meine Musik vor allen Dingen unterwegs hören.

Was ist von allen Farben deine persönliche Lieblingsfarbe und weshalb?

Das ist von Tag zu Tag, von Situation zu Situation unterschiedlich. In der Sonne ist es ein strahlendes Gelb, in der Nacht ein schimmerndes Lila. Da Farben viel mit Emotionen zu tun haben, ändert sich das oft.

Wovon lässt du dich inspirieren?

Ich lasse mich gerne von Kunst und Malerei inspirieren, aber ich glaube es ist auch oft genug das Leben selbst. Ich sitze z. B. seit drei Stunden am Flughafen und gucke auf das zugeregnete Flugfeld: Aus dieser tristen, einsamen Situation nehme ich Inspiration. Besonders war für mich auch der 1. Mai 2012 auf dem Tempelhofer Flugfeld in Berlin.

Diese unfassbare Masse an Menschen, das fantastische Gefühl, mit den Leuten zu feiern – unbeschreiblich. Gleich in der anschließenden Woche bin ich ins Studio gegangen und habe meine Inspiration für einen Track genutzt.

Bist du ein Synästhetiker und nimmst zum Beispiel Klänge auch als farbige Muster wahr?

Nein, ein Synästhetiker bin ich in diesem Sinne nicht. Ich bin mir aber durchaus über die Wirkung von Farben bewusst und spiele mit ihrer Kombination. Es ist auch bewiesen, dass bestimmte Farben heilungsfördernd und wohltuend sind. Das, übertragen auf Klänge, versuche ich bei meinen Sets mit aufzunehmen.

Auf welchen der fünf Sinne könntest du am ehesten verzichten? Sehen, hören, riechen, schmecken oder tasten?

Ich koche wahnsinnig gerne, ich esse sehr gerne und ich mache gerne Musik. Ich glaube, da bleibt mir nur der Tastsinn übrig.

Bei Facebook hast du mittlerweile über 33.000 „Likes“. Wie erklärst du dir deine stetig wachsende Beliebtheit und was macht den „Alle Farben“-Sound aus?

Ich glaube, ich treffe mit meinen Sets den Nerv der Zeit. Durch Soundcloud und soziale Netzwerke können viele Leute leicht mit meiner Musik in Kontakt kommen, was die Verbreitung natürlich erleichtert. Stark prägen mich beim Musikmachen Emotionen und ich glaube, das hört man auch. Der typische Alle-Farben-Sound ist daher im Grunde ganz verschieden – so wie das Leben.

Apropos Facebook: Du hast dich nach der Fusion für einen Flashmob zum Sonnenaufgang bedankt. Was ist da genau passiert und war das dein bisher beeindruckendster Gig?

Ich war nicht im offiziellen Lineup und stand nicht im Programmheft, sondern habe spontan auf dem Firespace ein Sonnenaufgangsset gespielt. Obwohl ich den Gig nur wenige Tage vorher auf Facebook angekündigt habe, kamen über 1000 Leute, um mit mir in den Tag zu tanzen.

Was mein beeindruckendster Gig war, kann ich gar nicht so recht sagen.

Das Body & Soul Festival 2009, die Fusion 2011, das Tempelhofer Feld 2012 – alles Auftritte, die bis heute ganz besonders für mich sind.

Was hat dich musikalisch in letzter Zeit so richtig umgehauen – sowohl positiv als auch negativ?

Sehr schön finde ich die Clique um Superflu, Andhim etc. Die machen einen ganz besonderen Sound, den sie „Superhouse“ nenne. Ich denke, das wird die Musik der nächsten Jahre. Viele der produzierenden Musiker, die ich früher sehr geschätzt habe, produzieren andererseits immer langweiliger und ideenloser. Da möchte ich jetzt nicht weiter auf bestimmte Personen eingehen, aber ich frage mich, warum diese Tracks immer noch gekauft werden.

Du legst mittlerweile auch im Ausland auf. Hast du einen Lieblingsclub oder eine Lieblingslocation und wenn ja, weshalb?

Das kommt immer auf die Leute an. Derselbe Club, der mich beim ersten Mal enttäuscht hat, kann mich beim zweiten Mal absolut begeistern. Ob 150 Leute oder 1500, das spielt dabei keine Rolle.

Wo fühlst du dich wohler – bei Festivals und Open Airs oder auf intimen Clubgigs?

Grundsätzlich bin ich lieber auf Open Airs und Festivals, ob klein oder groß. Die Stimmung dort wird nicht vom Laden bestimmt, sondern von den Leuten.

Wenn du in die Zukunft blickst – wo siehst du dich in 30 Jahren?

Wenn alles gut geht, sitze ich in 30 Jahren in einem kleinen Landhaus. Ob Berlin oder irgendwo im Warmen – so sehr ich es jetzt genieße, möchte ich irgendwann raus aus dem Trubel.

Und wenn du dich auf Zeitreise in die Vergangenheit begeben könntest – was wäre dein Wunschziel?

(Lacht) Das ist nicht so recht fassbar. Könntest du dir vorstellen, noch einmal in deine eigene Vergangenheit zu reisen? Ich nicht.

 

Katharina

www.alle-farben.com

www.soundcloud.com/allefarben

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