Im Club rocken und schlafen

Im Club rocken und schlafen

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Jeder ordentliche Partymensch ist schon mal im Club eingeschlafen. Und dann desorientiert und zermatscht aufgewacht mit schalem Geschmack im Mund. Ich verspreche: Bei diesem Club passiert dir das nicht.

Aber von vorn. Wir haben uns den Club Aldiana im spanischen Andalusien, genauer: in dem kleinen Örtchen Alcaidesa an der Costa del Sol, nur zehn Kilometer vor Gibraltar, angeschaut. Und ist Andalusien allein schon ein Traum, ist die Anlage ein feuchter Traum. Auf 95.000 m² wurde ein wunderschönes kleines Paradies angelegt, inklusive zwei Pools, eigenem Strandbereich und – einem eigenen Kräutergarten. Von meinem Bett aus konnte ich das Meer und den Felsen von Gibraltar sehen, und wen der Sport interessiert: Das alles liegt gefühlt inmitten eines 500-Loch-Golfplatzes. Bei näherer Betrachtung sind es aber wohl einzelne Golffelder.

Gut sortiert und komplett ohne spanische Vokabeln
Gut sortiert und komplett ohne spanische Vokabeln

Wer noch nie einen Club-Urlaub gemacht hat: Du musst absolut gar nichts tun. Natürlich kann (und sollte) man Touren buchen, das ist schließlich das traumhafte Andalusien, ABER…die Clubs sind bis auf ein paar Kleinigkeiten all-inclusive, was bedeutet, du kannst von morgens bis abends futtern und trinken. Ja, auch Cocktails wie Mai Tai oder Caipi. Allerdings schießen die Bartender in Alcaidesa überall gern Sprite dazu. Selbst die Sangria haben sie mit Sprite „optimiert“. Sehr gruselig. Außerdem werden die Drinks nicht vorn vor dem Gast gemixt, sondern versteckt hinter irgendwelchen Deko-Elementen. Nicht so vertrauenserweckend, aber naja.

Ganz anders das Essen: Ich dachte anfangs, ich wäre im Schlaraffenland. Verschiedene Themenabende, liebevoll dekoriert und eine Auswahl, dass selbst der mäkligste Esser etwas finden muss. Dazu ist nach europäischer Norm alles fein säuberlich aufgelistet für die Allergiker. Allerdings offenbar mit unserem SLEAZE-Drucker produziert. Ich konnte nichts lesen. Und da die sinnvolle Ergänzung, ob das Essen vegetarisch oder vegan ist, natürlich über die Vorstellungskraft von Euro-Politikern hinausgeht, muss das nicht ausgewiesen werden. Und damit begann das übliche Frage-Antworten-Spiel. Praktisch – wenn auch irgendwie komisch, wenn man so etwas nicht gewohnt ist –, dass fast jeder Mitarbeiter deutsch spricht. Das kenn ich zumindest aus Berlin gar nicht mehr. Nicht so praktisch, eher sogar im Gegenteil ist eine andere Sache, die leider auch in Deutschland sehr verbreitet ist: das Rauchen im Essensbereich.

Mir ist bewusst, dass Raucher nicht so gut Physik können. Sie denken, ihr Gestank geht immer kerzengerade in den Himmel, darum ist draußen rauchen beim Essen völlig ok. Aber dass man diese Logik unterstützt und den Rauchern überall auf die Essenstische Aschenbecher stellt, obwohl ausdrücklich schriftlich betont wird, dass es Raucherbereiche gibt, zeigt, wie viel Respekt den Nichtrauchern gezollt wird. Dazu kommt, dass man im Urlaub gern auch mal fieses Zeug raucht wie Zigarre, Pfeife oder Zigarillo. Fettes Ekel-Minus, liebes Aldiana.

So lässt es sich aushalten.
So lässt es sich aushalten.

Was gibt es noch zu betonen in da Club?

Ein weiteres, sehr großes Plus gibt es, wenn auch wohl eher zufällig, für die Umgebung des Clubs. Verlässt man den Club am Strand Richtung Gibraltar, erstreckt sich vor einem ein wildes Gebiet inklusive Hausruinen, toller Aussicht und kratziger Pflanzen. Man kann da genausogut wandern und erforschen wie Mountainbiken. Nur ein paar Rinder schauen einem desinteressiert zu.

Zurück in den Club. Eine sehr charmante Idee ist, dass Bands und DJs einen Barter-Deal machen können: Heißt, du gibst deine Musik und bekommst zwei Wochen Club umsonst. So leicht wird man selten irgendwo Resident. Also, wer Bock hat, es gibt eine Art Aldiana-Booker. Einfach bei Aldiana melden und sein Glück versuchen.

Als ich da war, hat Aldiana etwas Neues probiert: eine Art VIP-DJ, falls man Noah Becker (den Sohn von Tennis-Boris) so nennen kann. Und auch wenn ich über Noah vorher einiges Abfälliges gehört hatte und er auch nicht gerade kontaktfreudig rüberkam, so hat er ein anständiges und für die Zielgruppe sehr passendes Set mit einer Mischung aus Soul-Klassikern und neueren Sachen z.B. von Fat Freddy‘s Drop gespielt. Eine Dame beschwerte sich zwar, dass er so steif wirkte und „sich ja mal vorstellen könnte“, eine andere war traurig, dass er keine Helene Fischer spielte. Aber man kann es – zum Glück – nicht immer allen recht machen. Wer Noah mal live erleben will, kann für Mitte August auf der tunesischen Insel Djerba das Club-Feeling der anderen Art buchen.

Ein noch wichtigerer Faktor als Musik sind die Animateure. Mit ihnen steht und fällt der gesamte Laden. Sind sie zu aufdringlich oder haben so blöde Spiele wie ich in einem Club vor Jahren mal sah, wo ein Gast auf dem Boden robben und imaginäre Krokodile töten musste, während eine Gästin auf seinem Rücken saß, dann kann das den ganzen Urlaub beeinflussen. Und da muss man dem Alcaidesa-Animationsteam ein großes Lob machen! Auch wenn das alles nicht so meine Welt ist, setzen sie ihre Shows mit Liebe fürs Detail um und sind „nah dran am Gast“, wie es Rafael Vargas, der Chef der Anlage, im Interview formulierte (das ganze Interview bei unserem Travalot). Und das machen die Animateure echt toll, nämlich ohne aufdringlich zu wirken.

Geben alles: die Animateure
Geben alles: die Animateure

Darum ist es auch kein Wunder, dass das Aldiana Alcaidesa regelmäßig Preise von Internet-Plattformen einheimst, die mittels Gäste-Voting die Top-Hotels ermitteln. Schwer zu sagen, ob die Votings mit rechten Dingen zugehen, aber es wirkt, als würden sich die Gäste sehr wohlfühlen. Wenn du also noch nichts vorhast, dann gib dem Ganzen einen Versuch. Zum absoluten Nixtun ist so ein Club perfekt!

danilo

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