Illegale Drogen in Panama – das war Highfield 2017

Illegale Drogen in Panama – das war Highfield 2017

Im Vorbericht angekündigt, im Nachbericht ausformuliert – die Festivalsaison der lauten Rabautzmusik und wilden Tanzwochenenden neigt sich nach dieser Woche endgültig dem Ende zu. In den vergangenen Tagen fanden unter anderem noch das Summer Breeze Open Air und das Destruction Derby, das Chiemsee Summer, FM Frequency sowie das Green Juice Festival in Bonn statt. Oder naja, was heißt fanden statt. Der gute Mist(k)er(l) Petrus hat sich bei diesen Adressen mehrmals unschön bemerkbar gemacht und einige Kandidaten mit einer satten Portion Nass (+ teilweise Blitz und Donner) versehen. Summer Breeze, Green Juice und Destruction Derby mussten unterbrochen werden, beim Chiemsee Summer fiel aufgrund des immensen H2O-Aufkommens sogar der gesamte Sonntag ins Wasser). Na hoffentlich hatte wenigstens das Highfield die Schwimmflügel dabei...

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SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Es konnte losgehen – HIGHFIELD 2017

Ja, es gab die Tage tatsächlich einen weiteren runden Geburtstag in der deutschen Festival-Landschaft zu feiern. Das Highfield im Süden von Leipzig brachte am Wochenende seine 20. Ausgabe erfolgreich über die eigene Blue und Green Stage. Und das dann auch noch ausverkauft, wie am Samstagmittag mit breiter Brust von den Veranstaltern verkündete wurde. Gäste gab es auf dieser sächsischen Geburtstagsfeier reichlich, unter anderem Milliarden, Heisskalt, The Offspring, Milky Chance und Die Toten Hosen. Man konnte also einer Menge guter Musik von großartigen Künstlern lauschen.

Wie allerdings im restlichen Deutschland machte sich auch in Großpösna das Tief „Kolle“ mit dunkelsten Wolken bemerkbar und ließ Freitagabend einen Kubikmeter Wasser nach dem anderen auf den Störmthaler See und vor allem dessen direktes Umland nieder. Dies hatte gegen 20:00 Uhr zur Folge, dass das Festivalprogramm für über zweieinhalb Stunden unterbrochen wurde. Wäre diese Nachricht ein Youtube-Video gewesen, hätte es von Alligatoah, Billy Talent und Bosse wohl einen fetten Daumen nach unten bekommen.

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Ein Blick auf die noch zuschauerlose Green Stage.

Ihre Auftritte mussten aufgrund der be…dauerlichen Wetterlage abgesagt werden. Das hielt allerdings Clueso, dessen Konzert ebenfalls gestrichen wurde, nicht davon ab, kurzerhand seine Laute umzuschnallen und ein spontanes Akustikkonzert auf der Blue Stage zu geben. Eine glückliche Zuschauermenge dankte es ihm mit frenetischem Applaus. Danach schlossen die Beginner den ersten musikalischen Festivaltag der highfieldschen Geburstagssause souverän ab. Die Hamburger kennen sich eben mit miesem Wetter aus. Geduscht waren also alle, der Samstag konnte kommen.

Samstag = SONNtag

Die motivierte Mitte des Wochenendes versuchte daraufhin, das wettzumachen, was der feuchtfröhliche Freitag verbockt hatte. 23°C und Sonne satt waren dabei ein sehenswerter Anfang. Komplettiert wurde diese Gute-Laune-Kombo durch Auftritte von Fatoni, den Mädels von SXTN, dem Antilopengang-Ersatz Sookee, den Karl-Marxstädtern Kraftklub sowie dem Headliner Benjamin „Casper“ Griffey, der abschließend die Green Stage zum Wackeln brachte. Soweit haben alle solide abgeliefert und es war ein gelungener zweiter Festivaltag. Da gab es nur eine kleine Sache…

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Der traurige Mike von den 257ers, weil ihm keiner ein High Five geben wollte.
F*tz*n, Hurensöhne und illegale Drogen (#bestezwischenüberschrifteva)

Von einer Situation des samstäglichen Nachmittagsprogramm, welche mich etwas ins Grübeln brachte bzw. irgendwie einen faden Beigeschmack hinterließ, muss ich hier mal ein paar Worte loswerden… wofür verdient man seine Brötchen auch sonst mit dem Schreiben…

Es war 15:45 Uhr und die beiden selbstbetitelten F*tz*n von SXTN betraten die Bühne der Blue Stage. Sie spielten ihre Set herunter, brachten die Menge zum Ausrasten und die Anzahl des gefallenen Wortes „Hurensohn“ überstieg den Kenntnisstand meines Zahlenhorizonts deutlich. Bei den beiden ja aber alles nicht ungewöhnlich, das Szenario war ja zu erwarten. Vor ihrem Song „Bongzimmer“ fragten sie dann allerdings das Publikum, ob denn jemand einen Joint dabei hätte, welchen sie beim nächsten Lied rauchen könnten. Bis ein passendes holländisches Zigarettchen den Weg aus der Crowd auf die Bühne fand, dauerte es erwartungsgemäß nicht lang. Nachdem sich die beiden noch ein paar passende Feuerzeuge von ihren Fans auf die Bühne haben schmeißen lassen, starten sie den Song und minimierten den Dübel genüsslich Zeile für Zeile.

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Nura von SXTN am Samstagnachmittag auf der Blue Stage

Das Publikum fand es natürlich großartig, feierte es und wie ich mir habe sagen lassen, machen SXTN das auf ihren Konzerten wohl regelmäßig bei der Darbietung des Liedes. Und so cool und lässig und wie sie das eben auch machten, reden wir hierbei aber immer noch von einer illegalen Droge. Und das fand ich in dem Moment wirklich etwas befremdlich. Auch das zwischendurch noch ein Securitymännchen ein in den Fotograben gefallenes Feuerzeug auf die Bühne warf, dabei fast Nura traf, danach etwas unbeholfen auf der großen Leinwand zu sehen war und die beiden dadurch quasi indirekt bei ihrem Drogenkonsum unterstützte, war genauso unterhaltsam wie komisch anzusehen. Und nein, ich will jetzt hier keine Diskussion darüber eröffnen, dass Alkohol viel schlimmer ist als Gras und dass das Publikum zeitgleich doch höchstwahrscheinlich auch eine Menge grünes Kraut vernichtet hat blablabla.

MDMA und Ecstasy? Yolo!

Der Punkt ist, dass eine Menge Minderjährige im Publikum standen und sich zwei Sängerinnen da oben auf der Bühne illegale Drogen reinziehen. Zwei Sängerinnen die – und das wage ich bei SXTN kaum so zu titulieren – auch eine Vorbildfunktion haben. Und für mich ist es etwas anderes, wenn Künstler auf einer Bühne stehen und „Nazis raus“ skandieren oder sich für Toleranz und Gleichberechtigung einsetzen (was ich alles sehr unterstütze) – und damit dem Publikum ihre Meinung kundtun und dies dadurch auch ein Stück weit beeinflussen – oder den Konsum von illegalen Drogen verharmlosen. Wo wird bei so einer Show dann die Grenze gezogen? Hätten sie sich jetzt auch ein paar Ecstasy-Pillen oder MDMA-Tabletten einwerfen können und alle hätten es gefeiert?

Und ja, an dem Punkt könnte man schon wieder über Drogen und die unterschiedlichen Schäden sprechen, die diese am menschlichen Körper verursachen können und das Gras doch nicht so schlimm ist blablabla. Unterm Strich ist doch alles scheiße! Und den Konsum davon in dieser Form zu verherrlichen, live auf einer großen Bühne und einer Menge minderjährigen Fans, find ich ziemlich kacke.

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Tragt mich zum Auto, ich fahr euch alle heim…

Aber klar ist natürlich auch, dass es hierbei SXTN und wahrscheinlich noch mehr deren Management um Aufmerksamkeit durch Provokation geht. Die ist in diesem Business ja nie verkehrt, da freuen sich schließlich die Verkaufszahlen. Scheiße ist es trotzdem. Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt und sollte mal den schiefen Stock aus meinem Arsch ziehen – was sagst du zu dem Thema? Cool oder geht das zu weit? Lass es mich wissen und uns darüber diskutieren! Die Kommentarspalten sind hier schließlich nicht nur zum Durchscrollen da. 😉

Viel Sonn- und wenig Regentag

Am letzten Tag wurde es ab und an mal wieder etwas nass, im Großen und Ganzen blieb es aber wettertechnisch sehr entspannt. Heisskalt, Van Holzen, Von Brücken, The Offspring und Die Toten Hosen sorgten dabei für einen gebührenden Abschluss der Jubiläumsausgabe des Highfield. Danach stand aber noch eine Frage im Raum…

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
220 Meter Sandstrand. Da kann kaum ein anderes Festival mithalten…

Wo geht’s nach Panama?

Auf dem W:O:A habe ich mich ja bereits mit einem Mitarbeiter der Wacken-Seelsorge unterhalten (Oh Gott, was kommt jetzt? :D). Auf dem Highfield gab es nun zum ersten Mal ein ähnliches Projekt mit dem Namen „Panama“. Besser gesagt: „Wo geht’s nach Panama?“. Mit diesem Satz konnte man sich nämlich an jeder Bar, von allen Festivaljobbern, Sanitätern und Security-Mitarbeitern sowie natürlich der Polizei vor Ort ohne weitere Rückfragen in eine geschützte Umgebung bringen lassen. Alle, die dabei „den Weg nach Panama“ kannten, trugen ein grün-rotes Armband mit dem Schriftzug Panama am Arm.

Laut der Internetseite des Highfield wurde dieses Projekt installiert, da „eine ungewöhnliche Beobachtung oder eine Begegnung mit anderen Personen auch mal als bedrohlich empfunden werden kann und sowohl Frauen als auch Männer können sich bedrängt oder belästigt fühlen.“ 

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Milliarden auf der Green Stage

Insgesamt war damit – wie man jetzt vermuten könnte – aber nicht nur das Thema sexuelle Belästigung gemeint, sondern auch persönlichen Krisen, Streit, Alltagsprobleme oder wenn einem die Mischung aus Menschenmassen, lauter Musik und der daraus resultierenden Reizüberflutung zusetzte (ähnlich wie in Wacken eben). Und dieses Angebot wurde in den knapp drei Tagen von ca. 20 Personen in Anspruch genommen. Klingt im Vergleich mit einer Besucherzahl von 34.000 Menschen sehr wenig, aber wie sagte bereits der wack‘sche Seelsorger: „Und wenn wir nur fünf Leuten auf dieser ganzen Veranstaltung hier helfen können, dann hat sich unsere Arbeit gelohnt.“ Wohl wahr.

Ein normaler Tag im Büro
SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Freitagabend, nachdem dem Highfield der Himmel auf den Kopf gefallen war…

Solche Projekte gibt es insgesamt schon länger auf Festivals in dieser Größenordnung, allerdings wurden die Personen, welche Hilfe in Anspruch nehmen wollten, sonst immer ins Sanitäterzelt gebracht, in welchem die Betroffenen zwischen offenen Wunden und angetrunkenen Festivalbesuchern aber nie zur Ruhe kommen konnten. Ein der Situation angepasster Rückzugsraum wurde nun mittlerweile eingerichtet und steht den Panama-Reisenden zur Verfügung. Auf jeden Fall ein coole Aktion, die dabei hilft, das Festival sicherer und sorgenfreier zu erleben.

SLEAZE + Panama-Highfield 2017
Nora Hantzsch alias Sookee ersetzte die Antilopengang

Du siehst schon: An diesem Wochenende standen bei mir neben der Musik vor allem auch illegale Drogen, sexuelle Belästigungen, Alltagsprobleme sowie Diskussionen über Gott und die Welt im Mittelpunkt. Wow, war ja dann quasi fast ein ganz normaler Arbeitstag im SLEAZE-Büro. Höhö.

Fazit der Festivalsaison

Auf dem SLEAZEmag-Festivaplan standen dieses Jahr das Rock am Ring, das Deichbrand, das With Full Force, das Wacken Open Air und jetzt das Highfield. Alle Festivals hatten dabei ihre Pros und Contras, – welches war davon nun aber das Dollste, Beste, Hingehenswerteste (#neologismen4life)? Die Frage ist verdammt schwer zu beantworten. Einfacher ist es dabei, ein neues Festival aus allen positiven Aspekten dieser fünf zu basteln. Wenn ich mir das nur vorstelle…

Ein Festival mit der Ferropolis-Kulisse, der Runnig-Order-Planung und der Shuttle-Bus-Orga wie es beim With Full Force der Fall gewesen ist.
Ein Festival mit den kurzen Laufwegen, dem grandiosen Wetter und der gesamten Größenordnung wie es beim Deichbrand war. Ein Festival mit dem wunderhübschen 220-Meter-Strand, dem Panama-Projekt und der Entfernung zu Berlin wie dem Highfield.
Ein Festival mit der Bühnenanzahl und dieser unerschütterlichen Liebe der Besucher zum Festival, wie ich es auf Wacken erleben durfte.

Und einem Festival mit einem Line Up und der Nähe zur Nordschleife, wie es das Rock am Ring zu bieten hatte, um beim Frühstücken hochgezüchten Karossen beim Bestzeiten aufstellen zuhören und -sehen zu können und nachmittags durchweg hochkarätigen Bands beim Musizieren zu lauschen.

Ein Traum namens „With Wacken Highbrand full am Ring“. Geil! Das wärs.

SLEAZE + Highfield 2017
Das Casperletheater am Samstag auf der Green Stage

Da diese Szenario aber wahrscheinlich noch später eintreffen wird als der überübernächste Bürgermeister von Berlin den Termin zur Verkündung des Eröffnungstermins des BER bekannt gibt, gebe ich mich mit der Tatsache zufrieden, dass wir alle froh sein können allein in unserem kleinen Ländle solch ein vielfältiges Potpourri an Festivals zu haben. Jede große und kleinere Band kommt regelmäßig bis (fast) vor unsere Haustüren gefahren und spielt Shows auf riesigen Bühnen vor tausenden Menschen. Und wir alle mittendrin. Das ist nicht selbstverständlich und das sollten wir uns immer mal wieder bewusst machen. Von solch einem Luxus können die Bewohner von Panama nämlich beispielsweise nur träumen. 😉

Axel

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