Identität: Hoffnungsvoll

Identität: Hoffnungsvoll

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Persönlich mag ich es nichSLEAZE.The Spook School.Albumcovert, wenn Homo- oder Transsexualität immer zu einem großen Thema gemacht werden. Es sollte einfach selbstverständlich sein und daher keine große Sache sein. Man definiert den Charakter einer Person einfach nicht über ihre Sexualität. Sollte man zumindest nicht! Bei The Spook School kommt man allerdings nicht drum herum, das zu thematisieren. Die Texte handeln sehr oft davon und die Band hat sich auch genau in der Queer Punk-Szene einen Namen gemacht.

Nach ihrer Gründung 2012 und dem Debütalbum „Dress Up“ folgt nun die zweite Studioplatte „Try To Be Hopeful“. Mit „Burn Masculinity“ setzt gleich das erste Lied ein Statement. Gesungen wird der Song, der wie einige andere das (Heraus)Finden der eigenen Identität und Sexualität beschreibt, von Nye Todd. Während das Album aufgenommen wurde, begann Nye jedoch mit einer Testosteron-Therapie und so klingt die Stimme in den Anfangszeilen von „Binary“ komplett anders als noch beim Eingangssong. Eine interessante Exotik, die garantiert nicht jede Band zu bieten hat.

Beim Sound scheinen sich die vier Schotten an englischen Punkbands wie den Buzzcocks zu orientieren, schaffen es aber leider nicht, diese Leichtigkeit auch vollständig auf ihre Songs zu übertragen. Die Lieder singen sowohl die Gitarristen Nye und Adam als auch Bassistin Anna, mal abwechselnd und mal gleichzeitig. Das Durcheinander, das dabei manchmal erklingt, mag vielleicht gewollt sein, nervt jedoch oft. Gut gefällt mir „Friday Night“, das durch eine bestechende Bass-Linie für Abwechslung sorgt und die Energie des Albums kurzfristig in eine ganz andere Richtung lenkt. Zu finden sind auch eingängige Gitarrenriffs und Texte, die leicht zum Mitsingen sind. Gute Laune für einen kurzen Moment ist so garantiert, jedoch wagen The Spook School hier nichts Neues. Manche Songs wie „August 17th“ plätschern einfach vor sich hin und selbst die schnellen, melodischen Punk orientierten Stücke bleiben nicht im Ohr. Gute Gitarrensoli gibt es einige, doch ohne Wow-Effekt oder große Akkord-Neuheiten. Einzig und allein das Ende der Platte ließ mich wirklich aufhorchen durch das außergewöhnliche InstrumentalsSLEAZE.The Spook School.Foto2olo.

Als einen ihrer Einflüsse nennen The Spook School David Bowie. Den Rock-Vibe haben sie bewahrt, von seiner Wandlungsfähigkeit könnten sich The Spook School allerdings eine Scheibe abschneiden. Die Musik ist vor allem unbeschwerlicher Indiepop mit leichter Punk-Attittüde, da die Gitarren hier eindeutig nicht zu kurz kommen. Textlich haben The Spook School dafür viel zu bieten. Sie schaffen es, ihre wichtigen Botschaften mit einfachen Formulierungen zu übermitteln, ohne besonders tiefgründig oder appellierend rüber zu kommen. Im Gedächtnis bleiben The Spook School wahrscheinlich, aber mehr durch ihren ungewöhnlichen Hintergrund als durch ihre Musik. Wer einfache, unkomplizierte Antworten auf schwierige Identitätsfragen sucht, kann in „Try To Be Hopeful“ gerne reinhören und den federleichten Gitarrenpop in sein Herz strömen lassen. Lange verweilen wird die Glückseligkeit darin aber wahrscheinlich nicht.

Maurin

Interpret: The Spook School
Titel: Try To Be Hopeful
VÖ: 27.11.2015
Label: Fortuna – POP!

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