Hunde, Mumien und Rapper: Der Kino-Juni

Hunde, Mumien und Rapper: Der Kino-Juni

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Langsam, aber sicher nähert sich wieder die Zeit des Jahres, in der die großen Knüller rauskommen. Der Sommer. Während der Frühling filmtechnisch mühsam vor sich hin siechte, haut der Sommer dieses Jahr wieder rein!

Naja, jetzt vielleicht noch nicht unbedingt der Juni, denn der gestaltet sich jetzt auch nicht unbedingt als extrem umwerfend auf der Leinwand. Aber ein paar Perlen und Blockbuster hat der sechste Monat des gregorianischen Kalenders schon auch noch in petto. Von saudämlichen Comedy-Filmen über deutsches Kunstkino bis hin zu Rap-Biopics ist mal wieder was für jede Vorliebe vertreten. Sogar ein neuer Superhelden(innen)-Film steht diesen Monat wieder auf der Liste. Hier nun die SLEAZE-Übersicht für den Kino-Juni , damit ja keine Langeweile aufkommt.

1.6.

Baywatch

Ok, wir wissen, was du denkst. Wieso zur Hölle ist so ein Film auf der unseren Liste? Tja, ganz ehrlich, vielleicht liegt es daran, dass am 1. Juni kaum etwas Nennenswertes in die Kinos kommt. Oder daran, dass der Film vielleicht so beschissen ist, dass er schon fast gut sein könnte. Betonung auf vielleicht, denn mal im Ernst: Kann ein Baywatch-Reboot mit The Rock und Zac Efron wirklich gut sein?

Im Großen und Ganzen geht es um ein Rettungschwimmer-Team am Strand des sonnigen Miami, welches einen Neuzugang bekommt. Der ist ein eingebildeter Olympionike – und Zac Efron. Der Neuzugang versteht sich so überhaupt nicht mit dem Obermacker – hier kommt Dwayne „The Rock“ Johnson ins Spiel. Die beiden müssen sich aber zusammenraufen, als es zu einem Kriminalfall an ihrem geliebten Strand kommt.

Wie bereits gesagt, der Film ist mit Sicherheit ziemlicher Müll. Es ist aber nicht auszuschließen, dass es Leute gibt, die mit dem Film Spaß haben können. Die SLEAZE-Prognose lautet allerdings: völlig überteuerter Trash ohne Substanz.

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Wir schreiben das Jahr 1989 in Ostberlin. Wilhelm (Bruno Ganz), Ex-Widerstandskämpfer, Exil-Heimkehrer und überzeugter Stalinist, wird 90 Jahre alt, weshalb seine Frau (Hildegard Schmahl) für ihn ein großes Familienfest ausrichtet, zu dem nicht nur Verwandte, Freunde und Nachbarn geladen sind, sondern auch Repräsentanten der DDR. Aber einer der Gäste kann nicht kommen, und das ist Enkel Sascha (Alexander Fehling). Denn der hat sich ein paar Tage vorher in den Westen abgesetzt. Logischerweise ist die Überraschung auf der Party ziemlich groß.

Bruno Ganz inspiziert das Häppchen-Buffet

Der Film von Matti Geschonneck wird mit Sicherheit sehenswert. Der Film erzählt vielschichtig, teilweise sehr lustig und immer sehr sympathisch eine Geschichte über den Zerfall der Illusion alter Ideale und Werte. Dabei hält sich diese Tragikomödie meistens sehr getreu an die Romanvorlage von Eugen Ruge. Wer Unterhaltung mit Anspruch mag, sollte hier zugreifen.

8.6.

Die Mumie

Action! Abenteuer! Fantasy! Mit diesen Schlagwörtern lässt sich der zweite Aufguss der 30er-Jahre-Gruselfilme wahrscheinlich am besten beschreiben. Diesmal ist statt Brendan Fraser Hollywood-Superstar Tom Cruise mit an Bord. Ob das ein Zeichen von Qualität ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Die Handlung dreht sich wohl um eine im Nahen Osten ausgebuddelte Mumie    (Überraschung!), die nach London gebracht wird. Natürlich wird sie erweckt und ist super böse (ob deshalb, weil sie geweckt wurde, wird nicht verraten). Es kommt also zum Kampf zwischen der mumifizierten Nervensäge und den guten Helden. Nebenbei kommen natürlich allerhand abgefahrene Monster und andere schockierende Dinge vor.

Tom ist wieder am Cruisen

Es wird bestimmt ein absolutes Effektfeuerwerk. Leider fehlt dem Film aber der Charme und Witz der vorherigen Reihe. Wer aber auf schnelle Action und Schubladen-Mythologie steht, der kann getrost das Monster-Remake auf der großen Leinwand bestaunen.

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Ein Hund erzählt seine Geschichte, wie er als Filmemacher anfing und schließlich als Vierbeiner endete: Julian, aufgrund fehlender Förderung in Geldnöten, beginnt auf einer Apfelplantage, wo er sich als kommunistischer Regisseur ausgibt, der dort nur zu Recherchezwecken ist. Gemeinsam mit einer Kanadierin, die ihm seine Geschichte abkauft, begibt er sich zu der ausbeuterischen Plantage. Dort angekommen, treffen sie auf zwei wundergläubige Proletarier auf der Suche nach dem Glück, einem Vorzeigearbeiter, der den American Dream verfolgt und einen stummen Mönch mit magischen Kräften.

Was folgt, ist eine bizarre Folge von Ereignissen, die nicht verrückter sein könnten. Das Ganze wirkt, als hätte Wes Anderson, nach dem er sechs Monate nichts als Marx gelesen hat, einen Film ohne Budget, aber dafür mit politischer Aussage zu drehen versucht. Geheimtipp!

15.6.

Wonder Woman

Die Wunderfrau an der Front

Wieder mal so eine Origins-Geschichte. Diesmal geht es um eine Figur aus dem Comic-Universum von DC: Diana, die Amazonenprinzessin aka Wonder Woman. Der Film zeigt, wie sie zu der, von Gal Gadot gespielten, coolen Superheldin wurde, die ja in Batman vs. Superman vorgestellt wurde.

Die Story spielt zu Beginn des Ersten Weltkrieges, als ein amerikanischer Pilot auf ihrem behüteten Inselidyll abstürzt und von den Konflikten in der westlichen Welt erzählt. Also schnappt sie sich ihr Schild und Schwert (das unsichtbare Flugzeug kommt hier leider nicht vor) und zieht mit dem von Schönling Chris Pine gespielten Piloten los, um die Kriege der Menschen zu beenden und mehr über ihr eigenes Schicksal zu erfahren.

Wonder Woman ist tatsächlich einer der wenigen Superhelden-Blockbuster, für den man noch Hoffnung haben kann. Der Film sieht erstaunlich düster und erwachsen aus. Dafür hat er halt auch herzlich wenig mit seiner Vorlage zu tun, aber hey, wer kennt die denn heutzutage überhaupt noch?

All Eyez on Me

Nachdem Eminem, The Notorious B.I.G. und zuletzt natürlich N.W.A ihre eigenen Biopics bekommen haben, ist eine weitere Rap-Legende am Zug, seinen Weg in die Kinosäle zu finden. Die Rede ist selbstverständlich von Tupac Shakur. Besser bekannt als 2Pac, gehörte er schließlich in den 90ern zu den einflussreichsten West-Coast-Rappern überhaupt. Nun bekommt er in Benny Booms Film seinen verdienten Respekt gezollt.

Erzählt wird Tupacs gesamte Lebensgeschichte. Von seiner Kindheit bei seiner Black-Panther-Familie über seine Schulzeit in Baltimore bis zu seinem Aufstieg zum Rap-Olymp, wobei selbstverständlich auch sein Beef mit dem East-Coast-Label Bad Boy Records und vor allem Biggie angeschnitten wird. Darüber hinaus gibt es eine eher seltene Anspielung, dass Nas in den Beef und den folgenden mysteriösen 2Pac-Tod verwickelt war…

Man sollte keine haargenaue Charakterstudie erwarten. Trotz des Siegels „Biopicture“ ist der Film in erster Linie ein Unterhaltungsprodukt, aber dafür ein recht gelungenes. Der Film ist ebenso gut geeignet für Banausen, die keine Ahnung von 2Pac haben, wie für Hardcorefans. Und der Soundtrack haut einfach rein!

29.6.

Wilson – Der Weltverbesserer

Wilson in seinem natürlichen Habitat: Stress machen

Nein, Wilson ist kein Spin-off für den Volleyball aus Cast Away, sondern die neue Tragikomödie von Craig Johnson, der auch schon für den absolut fantastischen The Skeleton Twins von 2014 verantwortlich war. Mit dabei sind der grandiose Woody Harrelson und Laura Dern, an die man sich höchstens noch wegen Jurassic Park erinnern kann.

Der Film geht um einen einsamen, neurotischen und unangenehm ehrlichen Mann im mittleren Alter, welcher den titelgebenden Namen Wilson trägt. Dieser Wilson findet eines Tages heraus, dass seine Ex-Frau 17 Jahre zuvor ein Kind zu Adoption freigab, also genau zu der Zeit, in der sich die beiden getrennt haben. Wilson versucht nun, die Familie zu vereinen, was natürlich nicht so einfach ist.

Für Fans von bissigen Indie-Komödien im Stil von Little Miss Sunshine wird der Film sicher absolut lohnenswert. Und Woody Harrelson enttäuscht ja eigentlich nie auf der Leinwand, also wird der Film mit Sicherheit die Eintrittskarte wert sein.

Simon

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