Hotels Teil 2: New York von Midtown bis Uptown

Hotels Teil 2: New York von Midtown bis Uptown

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SLEAZE + New YorkWie die Überschrift verrät, widmen wir uns heute New York. Wie man sich denken kann, gibt es in dieser Stadt unzählige Hotels. Und günstig ist es auch nicht unbedingt. Darum haben wir zwei mittelpreisige (übersetzt: schon recht teure, aber in der Stadt Durchschnitts-) Hotels herausgesucht und bewohnt in der Hoffnung, eine gewisse Bandbreite in diesem Überangebot zu bekommen.

Da haben wir zum einen das INNSIDE by Meliá New York Nomad. In Midtown, genauer in Chelsea gelegen, mit Penn Station, Empire State Building, Madison Square Garden, Macy’s usw. Und dann haben wir als dicken Kontrastpunkt das Opera House Hotel in der Bronx, 122 Blocks / Querstraßen oder eine Stunde ÖPNV-Fahrzeit entfernt.

Die Bronx ist soweit von Manhattan entfernt, dass die Bibel aller Reiseführer, der Lonely Planet, diesen Stadtteil nicht mal erwähnt bis auf zwei mickrige Einträge. Also von den fünf Riesenbezirken blendet der kultige Marktführer einfach mal einen Bezirk komplett aus. Auch eine Art Standortmarketing. Also ist ja wohl klar, dass wir da hinwollten!

Das INNSIDE

Doch beginnen wir mit dem klassischen Hotel. Das INNSIDE ist modern, schick und mit einigen Design-Highlights gepimpt. Also so wie man es von einem Hotel gewohnt ist. Allerdings ist es dadurch auch ein bisschen langweilig. Highlights kann man hier nicht unbedingt erwarten, auch wenn so kleine Sachen wie eine Steckdose im Safe schon cool sind.

Das NoMad kann man hier also auch anders verstehen als die ursprüngliche Bezeichnung der Gegend für NOrth of MADison Square Park. Aber: Das hat auch seine Vorteile. In dieser gutbürgerlichen Gegend findet man z.B. auch recht gute Supermärkte mit gesundem Essen. Ordentliches Obst und Gemüse findet man selbst in New York nicht überall.

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Ein Deli / Feinkostladen in Midtown – mit kleiner Auswahl!

Überhaupt ist der Standort natürlich das Hauptplus. Mittendrin und zwei Hauptadern des Nahverkehrs vor der Haustür. Was soll man sich da lang in einem Hotelzimmer aufhalten in so einer spannenden Stadt? Selbst wenn man das Glück hat wie wir, dass das Fenster zum Hof den Blick freigibt auf das beeindruckende neue World Trade Center.

Bei der Kreditkarten-Abrechnung gab es etwas Hin und Her. Aber die sollte man bei den vielen Kreditkarten-Nutzungen in den USA eh regelmäßiger überprüfen. Ansonsten können wir das Hotel absolut jedem empfehlen.

Noch ein Tipp zum Abschluss: Das 35-Dollar-Frühstücksbüffet empfehlen wir gerade bei schönem Wetter zu skippen und stattdessen sich etwas Leckeres im Supermarkt zu holen und dann im schön begrünten (und mit einem strikten Rauchverbot versehenen) Innenhof der benachbarten Fashion-Tech-Uni zu frühstücken!

In the Ghetto!

Kommen wir zum spannenderen Hotel: Das Opera House Hotel in der Bronx. Es ging schon gut los, weil die U-Bahn-Linie Bauarbeiten hatte und wir mit unserem Gepäck erstmal umsteigen mussten und dann auch noch recht weit laufen. Das war aber zum Glück nur die ersten zwei Tage so.

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Einer der USA-Vorzüge: Überall Nichtraucher-Alarm!

Doch das viel Coolere ist: Kaum bist du aus der U-Bahn raus, hast du das echte Leben auf der Straße. In New York rennen viele Verrückte / Neurotiker usw. rum, aber hier hast du daneben noch den fetten Sound aus den abgefuckten Autos, du hast die Straßenverkäufer mit ihrer Musik und du hast die Menschen, die einfach den ganzen Tag auf der Straße rumhängen, Unsinn labern oder einfach nur die Szenerie beobachten.

Die Energie ist hier einfach ganz anders als im hektischen Business-Alltag in Mid- und Downtown. Doch zunächst zum Hotel, Klamotten ablegen. Das Gebäude wirkt unspektakulär, die Gegend dreckig. Die einzigen weißen Menschen scheinen Gäste dieses Hotels zu sein. (Immer wieder eine interessante Erfahrung, wenn man sieht, wie sich Menschen verhalten, die es nicht gewohnt sind, plötzlich der Minderheit anzugehören. 🙂 )

Das Hotel ist genauso sauber wie das INNSIDE, allerdings viel dunkler. Dunkles, gediegenes Holz, weniger Licht… ob das die Opern-Atmosphäre widerspiegeln soll? Hier klappt alles einfacher mit der Kreditkarte, wir beziehen unser – ebenfalls recht dunkles – Zimmer… und beginnen mit dem Erkunden des Hotels und der Gegend.

Als Erstes verwirren die Lichtöffnungen. „Ungeölte“ Fenster, die auf Brusthöhe beginnen und so einen Sims haben, dass man den unmöglichsten Winkel hat, diese zu öffnen. Es ist ja toll, dass man die überhaupt öffnen kann (immer wieder ein dicker Minuspunkt, wenn man Klimaanlagen nicht mag). Dazu einen wunderschönen Blick auf Baskin-Robbins und einen Parkplatz auf dessen Dach.

Alles nicht schlecht, aber warum wir hier fast das Gleiche zahlen wie in dem viel schickeren, besser gelegenen INNSIDE, haben wir noch nicht verstanden. Gut, hier ist das Frühstück enthalten, aber wenn das kein Fünf-Sterne-Frühstück ist, dann ist das Opera ganz schön teuer. Wir fühlen uns etwas wie Gentrifizierungsvorreiter – im negativen Sinne.

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Der erhobene Mittelfinger an alle Terroristen: das schicke neue WTC

Apropos Frühstück: Hier lauert in dem Hotel das leider dickste Minus, was wir aber leider in den USA schon oft erlebt haben: Das gesamte Frühstücksgeschirr besteht aus Einwegplastik. Ja genau, jeden Tag schmeißen die Gäste ihr benutztes Tellerchen und Messerchen und Gabelchen und natürlich auch das Trinkgefäß weg. Manche holen sich mehrere Teller, weil die davor bereits „verschmutzt“ sind ihrem ersten Besuch des traurigen „Interkontinental-Frühstücks“. Eine einzige Katastrophe, die das Hotel sofort ein Stück weit unsympathisch macht.

Also raus aus dem Haus!

Aber – draußen ist es sowas von authentisch, voll der Knaller! Die Hip-Hop-, Latin- und Raggaton-Beats dringen in unser Zimmer und erfüllen es mit Leben. Das kann auf Dauer vielleicht nervig sein, aber das Gute ist: Diese schwierig zu öffnenden Fenster lassen auch kaum Akustik rein.

Wir wollen jetzt live dabei sein und erkunden unser neues Viertel. Erste Merkwürdigkeit. Gleich um die Ecke haben wir ein Aldi. In einer anderen Ecke entsteht das Universal Hip Hop Museum, was 2022 eröffnen soll. Denn auch wenn Lonely Planet diesen Fleck ignoriert: In der Bronx wurde laut allgemeiner Meinung der Hip Hop geboren.

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Schon komisch, dass die Discounter im Ausland so oft nur im Ghetto stehen.

Das merken wir auch an den vielen Sneaker-Läden. Muss man die in Manhattan fast suchen, mal abgesehen von dem langweiligen Foot-Locker-Kram, gibt es wenig spannende Sneakerläden. Aber in der Bronx: Reihen sie sich noch wie in alten Zeiten aneinander! Yes!

Was haben wir noch? Das Viertel ist charmant abgefuckt, was uns, die ihr Büraw in Neukölln haben, nicht sonderlich schockt. Gefährlich ist es zu keiner Zeit, man sieht nicht mal Waffen, auch wenn man da ja in den USA immer etwas aufmerksamer sein sollte als in anderen Ländern.

Selbst die weiteren Wege, die man auf sich nehmen muss, wenn man im Norden der Stadt und nicht nur des Madison Square Parks wohnt, sind nicht so schlimm.

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Konnte noch keine App applösen: dem MTA-Papierplan

Das hart veraltete (und sehr laute) U-Bahn-System läuft wie geschmiert, und wo bekommt man besser den Puls der Stadt mit als in den Öffis?

Das Opera kann man getrost empfehlen, allerdings nur zu einem Schnäppchen-Preis. So nett es ja auch ist – der Preis ist einfach unangemessen. Ansonsten aber hat man mit diesen Hotels bei einem Wochentrip einen guten Einblick in die Vielseitigkeit dieser Stadt bekommen. Wären wir noch länger geblieben, hätten wir uns noch eins in Brooklyn gesucht. Dann wäre das Bild noch vollkommener. Aber New York, auch wenn du nicht meine Lieblingsstadt bist – I’ll be back!

danilo

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