Horror-Experte John Carpenter bringt Halloween zurück!

Horror-Experte John Carpenter bringt Halloween zurück!

Normalerweise machen wir so etwas nicht. Filme doppelt rezensieren. Aber „Halloween“ ist kein normaler Film. Und das liegt nicht nur daran, dass SLEAZE an diesem Tag Geburtstag hat. (Für alle neuen SLEAZER: Es ist unser 11., wir gehen jetzt also ins zwölftes Ja!Ja!Jaaaahr!!!) Hauptsächlich liegt es daran, dass John Carpenter endlich mal wieder seine (gruseligen) Finger im Spiel hatte!

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SLEAZE + Carpenter-Halloween

„Er soll eine Naturgewalt sein. Er soll nahezu übernatürlich sein“, sagte John Carpenter vor rund zwei Jahren gegenüber Studenten der New York Film Academy zu seiner Horror-Ikone Michael Myers aus Halloween (via iHorror).

SLEAZE + Carpenter-Halloween
Planen Halloween: Jamie Lee Curtis und David Gordon Green.

Damals ließ sich der vor allem in den 70ern und 80ern durch seine Horror- und Sci-Fi-Visionen bekanntgewordene Filmemacher über Rob Zombie aus, der 2007 und 2009 dem Franchise zwei eigene Werke hinzufügte und dem Mysterium Michael Myers einen weitergehenden, persönlichen Hintergrund verpasste. Aus dem Mysterium wurde ein Stück weit ein Mensch.

Die Urgewalt und das Trauma

Jene Ikone kehrt nun, vierzig Jahre nach Erscheinen des Originals, in die Kinos zurück. Unter der Regie von David Gordon Green (Prince Avalanche, Pineapple Express) entstand ein Halloween Nr. 11, der tief an den Wurzeln der Reihe gräbt und zu jener Naturgewalt zurückkehrt, die John für seine gemeinsam mit Debra Hill kreierte Mordsschöpfung einst vorsah.

Dies wird schon zu Beginn des Films klar. Zwei Reporter statten Michael einen Besuch im Gefängnis ab. Mit großem Sicherheitsabstand steht der inzwischen bärtige Hüne, vor dessen Gesicht sich die Kameralinse offenbar ehrfürchtig scheut, angekettet inmitten eines Hofs im Inneren der Einrichtung.

David schafft es mit brodelndem Sounddesign und sich bedächtig annähernder Kamera, dem Geheimnis, dieser Entität des puren Bösen, Ausdruck zu verleihen. Es ist, als sei nicht Michael in die Anstalt gekommen, sondern als wäre diese um ihn herum gebaut worden.

Er ist ein Monolith des Todes und der Dunkelheit. Er ist kein Mensch. Da ist es nicht verwunderlich, dass Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die vor vierzig Jahren im Mittelpunkt der mörderischen Halloween-Nacht stand, heute ein abgeschiedenes, schwer traumatisiertes Leben führt.

Der Film führt im weiteren u.a. ihre Enkeltochter Allyson (Andi Matichak) und Tochter Karen (Judy Greer) ein, anhand derer sich die Übertragung des Traumas auf die nachfolgende Generation niederschlägt. Das Böse von einst manifestierte sich in einer gespaltenen Familie.

SLEAZE + Carpenter-Halloween
Die „Scream Queen“ von einst: Jamie Lee Curtis als Laurie Strode.

Anfangs schlägt David eine schwermütige, dramatische Richtung ein, wenn er Lauries Angst und Verzweiflung ob der nicht zu verarbeitenden Ereignisse gehörig Platz einräumt. Der Horror spiegelt sich hier im Herzen seiner Betroffenen wider, was Halloween zu Beginn zu einem Film um die Folgen schwer einschneidender Erlebnisse macht.

Ein Echo der Vergangenheit

Spätestens mit der Rückkehr Michaels nach, indem auch der neuste Streifen hauptsächlich spielt, wendet sich David dann allerdings verstärkt dem familiären Überlebenskampf zu und für den sich Laurie über Jahre entsprechend gerüstet hat. Er negiert hierbei nicht das Vermächtnis der elfteiligen Reihe, setzt sich jedoch über manch Ereignisse aus den vorangegangenen Filmen hinweg.

Die 2018er Variante des Carpenter-Halloween ist ein „echtes“ Sequel, das eng an die Dekaden alte Geschichte anknüpft und dabei den Geist des Originals tief in und mit sich trägt. Erinnerst du dich an die Schulszene aus dem Original, als Laurie während des Unterrichts aus dem Fenster blickt und den Weißmaskenträger auf der anderen Straßenseite erblickt? Oder an den Sturz Michaels aus dem Haus, in dem Laurie ums Überleben kämpft? Dies sind nur zwei ikonische Momente, die in dem neusten Part zum Teil mit einem augenzwinkernden Twist wie ein Echo der Vergangenheit widerhallen.

Und auch diesmal gibt es wieder hormongetränkte Teenies, wobei besonders Lauries Enkelin „reifer“ wirkt – so wie die gealterte Protagonistin damals selbst. Des Weiteren hat Michael einen neuen Psychiater an seiner Seite, der die Nachfolge von Dr. Loomis (Donald Pleasance) übernommen hat und eigene Vorstellungen im Umgang mit seinem Patienten pflegt.

Eine Rückkehr mit einem Lächeln

Dennoch schafft es der Regisseur etwa mit der Nutzung eigener filmischer Mittel, ein individuelles Halloween-Fest zu inszenieren, wenn er dich etwa mit beunruhigend platzierten Kamerawinkeln verunsichert, dich in einer Plansequenz (also Sequenz ohne Schnitt) durchs Treiben der Süßigkeitenjagd von Haddonfield flanieren lässt und farbkräftige Lichtstimmungen zum Eintauchen einladen. Dazu legt sich ein teils ambientischer, mit Synthesizer angereicherter Klangteppich über die modernisierte, aber doch so vertraute Kleinstadt, aus dem immer wieder das ohrwurmige Halloween Theme von John Carpenter pocht.

Überdies schlägt der Filmemacher mit seinem Autorenteam Jeff Fradley und Danny McBride neue Wege ein, die er zuweilen zwar früh wieder verlässt, dem Geschehen aber zusätzliche Dimensionen verleiht.

SLEAZE + Carpenter-Halloween
Irgendwas stimmt da nicht an Michaels Hals.

So spielt die Faszination für dieses Böse „Michael Myers“ eine immerhin leichtgewichtige Rolle. Etwas zu leichtherzig wurde es für mich, wenn die Schreiber hie und da einige Humorspritzen zu viel verabreichten und so die zuvor sorgsam heraufbeschwörende Stimmung durch einen lässigen Spruch niederrissen.

Dennoch: Der neue Carpenter-Halloween ist ein in seiner simplen „Old School“-Attitüde verankerter, gepaart mit einer vorsichtigen Modernisierung frischer, geerdeter Gruselstreifen, der mir – wie auch Simon – die Rückkehr nach Haddonfield mit einem Lächeln versüßt hat.

Alex

Titel: Halloween
Kinostart: 25.11.2018
Dauer: 106 Minuten
Genre: Horror, Drama, Thriller
Produktionsland: USA
Filmverleih: Universal Pictures

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