Hoch oben mit den Plain White T’s

Hoch oben mit den Plain White T’s

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palin white ts, astoria berlin, berlin, interview, american nights„Ach, das sind doch die von Delilah!“ Das ist wohl oft die erste Reaktion auf den Namen Plain White T’s. 2006 veröffentliche die Band aus Illinois den Song „Hey There Delilah“, der im Jahr darauf zum riesigen Chart-Erfolg wurde. Mit ihm brachten sie reihenweise Herzen zum Schmelzen, trieben aber auch so manchen Radiohörer in die Verzweiflung. Sanftes Gitarrengezupfe zu schmachtenden Liebesbekundungen. Dazu ein Refrain, den man so einfach nicht mehr aus dem Kopf kriegt – wie schön!

Heute, gute acht Jahre später (Hilfe, wo ist bloß die Zeit geblieben?!), sind die T’s unterwegs, um ihr am heute erscheinendes siebtes Album „American Nights“ zu promoten. Nach ihrem Erfolg mit Delilah, hauten sie in den folgenden Jahren noch weitere Pop-Hymnen wie „1,2,3,4“ oder „Rhythm Of Love“ raus. In den letzten Jahren ist es dann allerdings etwas ruhiger um die Band geworden. Umso spannender also, was wohl auf der neuen Platte so passieren mag. Das Video ihrer aktuellen Single „Pause“ entstand in Zusammenarbeit mit Lipton Ice Tea, die unter dem Motto „be more tea“ – was ein Wortspiel 🙂 – ebenfalls dafür plädieren, sich öfter eine bewusste Pause vom Alltag zu gönnen. Mit T’s und Tea zum inneren Frieden also. Da wollte ich doch mal genauer nachhaken und begab mich in eine der obersten Etagen des Waldorf Astoria Hotels am Berliner Zoo, um einen kleinen Plausch mit den fünf Jungs zu halten. Oben angekommen, traf ich sie äußerst entspannt vor einem ziemlich imposanten Ausblick über das verregnete Berlin an – inklusive Einblick in den Zoo. Nachdem geklärt wurde, was es da alles so für tolle Tiere zu sehen gibt („Sind das Nilpferde?“), gewährte die Band mir einen Einblick in die Entstehung ihres neuen Albums.

Euer neues Album heißt „American Nights“. Wie seid ihr auf diesen Titel gekommen, und was glaubt ihr, ist das Besondere an einer „American Night“?

Dabei steht vor allem die Nacht im Vordergrund. Eine spaßige Nacht in dem Ort, in dem man aufgewachsen ist. Es geht darum, sich auf diesen Ort zurückzubesinnen. Das Gefühl, mit den Freunden durch die Nacht zu ziehen und zu versuchen, das Meiste aus ihr zu machen. Das Leben zieht dich in so viele verschiedene Richtungen, die Erinnerung an die Heimat kann dir da Halt geben. Viele Bands verweisen ja auf eine solch nostalgische Weise auf ihre Heimat; der Song „Sweet Home Alabama“ zum Beispiel. Selbst wenn du keinen Bezug zu Alabama hast, kannst du dich zu diesem universellen Gefühl von Heimat und den guten Zeiten, die man dort hatte, verbinden.

Mit diesem Album kehrt ihr zum ersten Mal seit 2001 zu einer Indie-Veröffentlichung zurück. Was waren die Gründe dafür und worin seht ihr die Vorteile eines Independent-Albums?

Es war in den letzten Jahren ein Kampf, das Sagen über unsere Musik zu bewahren. Das Label hielt unser neues Material unter Verschluss, aber wir wollten nicht mehr länger warten, und so holten wir uns schließlich das Album vom Label zurück. Es klingt nun viel besser, als es das unter dem Einfluss des Labels getan hätte. Der Vorteil an einer Independent-Produktion ist einfach, dass du komplett frei und ungebunden bist. Das Album ist durch und durch unseres.

„American Nights“ ist euer siebtes Album und – neben einer EP 2013 – eure erste Veröffentlichung nach fünf Jahren. Wie würdet ihr eure musikalische Entwicklung über die Jahre hinweg beschreiben?

Was an diesem Album besonders ist, dass es einfach ein spaßiger Mix aus Musik ist. Der instrumentale Part war uns besonders wichtig. Während unsere vorherige Musik hauptsächlich Pop-Punk-lastig und das letzte Album eher ein Konzept-Album war, ist „American Nights“ wie man so schön sagt, aus der Hüfte heraus entstanden. Es ist geradeaus Rock’n’Roll. Die Texte sind ehrlich und aufrichtig, wodurch sich hoffentlich jeder angesprochen fühlt und eine Verbindung herstellen kann. Wir wollten Melodien machen, die eingängig sind und im Ohr bleiben, wobei man sich jedoch nicht schlecht fühlt.

Was sind die zentralen Themen des Albums? Hattet ihr spezielle Inspirationsquellen?

Es sind ziemlich viele Songs über Mädchen…Vor allem „Never Working“ und „Stay“ sind echte „Girl-Songs“. Insgesamt geht es darum, Spaß zu haben und optimistisch zu sein, aber eben mit einer gewissen Nostalgie. Man könnte sagen es ist, als würde man nach hinten schauen, während man nach vorne geht. Oder aber vielleicht auch aufschauen, während man fällt.

Die Lead-Single des AlbuPlain_White_Ts_3ms heißt „Pause“ – ein sehr eingängiger Song übrigens. Habt ihr Tipps, wie man bewusst eine Auszeit vom stressigen Alltag nehmen kann? Vielleicht euer Album anhören, während man Yoga macht?

Das klingt nach einer guten Kombination! Jeder kann wohl mal eine Pause vertragen. Man verliert sich schnell im Alltag, ob man nun jeden Tag in dasselbe Büro, oder aber ins Studio geht. Man hat viele Verpflichtungen und das Leben kann oft monoton wirken. Mit einer Pause sollte man den Moment würdigen und dankbar sein für das, was man hat.

Ich habe gesehen, dass ihr euren Fans auf PledgeMusic Aktivitäten mit der Band anbietet – Sie können zum Beispiel einen Big Mac mit Mike essen oder euch für einen Tag als Roadie auf der Tour begleiten. Es scheint euch ziemlich wichtig zu sein, in persönlichen Kontakt mit euren Fans zu treten. Was war eure netteste oder aber schrägste Begegnung mit einem Fan?

Ein Mädchen aus Wisconsin hat uns selbstgemachte Puppen geschenkt, die jedes Bandmitglied detailgetreu abbilden. Also wirklich von den Klamotten bis zur Gitarre. Zwar haben wir uns gefragt, ob es nicht vielleicht etwas mit Voodoo zu tun haben könnte, aber es ist schon toll zu sehen, wie viel Mühe jemand sich da für uns gibt. Sie malt uns auch Bilder oder macht uns andere Geschenke. Die Puppen stehen sogar in meinem Studio.

Klasse. 🙂 Sorry, aber jetzt muss ich noch die obligatorische Frage stellen: Spielt ihr noch gerne „Hey There Delilah“? Und was denkt ihr heute über den Hype, den der Song ausgelöst hat?

Na klar doch! So viele Leute fühlen sich verbunden zu diesem Song und es ist beinahe eine Ehre für uns ihn zu spielen, weil er so viel für sie bedeutet. Alle singen mit und es ist jedes Mal ein ganz besonderer Moment. Bezüglich des Hypes war es allerdings schwierig, aus diesem Schatten, den der Song gewissermaßen auf uns geworfen hat, herauszukommen. Aber er hat uns einfach eine riesige Plattform für unsere restliche Musik gegeben.



Dann habe ich jetzt noch eine letzte Frage: Was sind eure „Guilty Pleasures“ im Bereich Musik?

Man sollte sich nicht schuldig fühlen für die Musik, die man hört. Ein guter Song ist ein guter Song – ob es nun Pop, Rap oder Indie ist.

Da habt ihr jetzt aber die Hintertür benutzt. Ich will Namen hören!

„Hips Don’t Lie“ von Shakira oder „All That She Wants“ von Ace of Base. Das sind klasse Songs! Und auch wenn du sie eigentlich nicht cool finden solltest, weil es ja schließlich dumme Pop-Songs sind, mag sie doch insgeheim jeder irgendwie. Wenn man sich dafür schuldig fühlt, hält man sich nur selber für zu cool.

 

Wie Recht sie damit doch haben! Jetzt kann ich es ja zugeben: Ich mag Shakira auch. Mit ihrem neuen Album schaffen die Plain White T’s mal wieder das, was Popmusik ausmacht: Sie sprechen universelle Belange an, mit denen sich wohl jeder identifizieren kann und verpacken das Ganze in eingängige bis hartnäckige Ohrwürmer. Dabei geben sie ihrer Musik, ganz getreu dem Titel, einen typisch amerikanischen Rock-Anstrich. Selbst wenn genau das so manchen nerven mag, ist es dennoch ein Rezept, was immer wieder zu zünden scheint. Ob man ihre Musik nun mag oder nicht (oder sie vielleicht als Guilty Pleasure ansieht), man muss anerkennen, dass die Band sich mit „American Nights“ ihre künstlerische Freiheit zurückgeholt hat. Und man merkt dem Album an, dass dahinter eine sympathische Band steckt, die mit voller Leidenschaft ihr eigenes Ding durchzieht.

Lisa

 „American Nights“ erscheint am am heutigen 31.03.2015. Gönn dir also mal eine Pause mit der ersten Single des Albums:

 

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