Hinter dem Spiegel: die Wand

Hinter dem Spiegel: die Wand

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Johnny Depp is Hatter in Disney's ALICE THROUGH THE LOOKING GLASS, an all new adventure featuring the characters from Lewis Carroll's beloved stories..
Johnny = creepy

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln ist die Fortsetzung des 2010 erschienenen Films Alice im Wunderland von Tim Burton. Tim fungierte dieses Mal allerdings lediglich als Produzent, Regie führte James Bobin (Die Muppets).

Das „Original“ von vor sechs Jahren war, gelinde gesagt, eine Enttäuschung. Womöglich lag das aber auch an den Erwartungen, die dieser Film damals schon vor seinem Erscheinen geweckt hatte: Der Streifen kam ein Jahr nach Avatar raus und wurde als nächstes großes 3D-Ding angekündigt (damals setzte man noch große Hoffnungen in diese Technik). Dazu noch die genial-absurde Buchvorlage und einer der fantasievollsten Regisseure wie Tim – was konnte da schiefgehen? So einiges, wie sich herausstellte: Nicht nur wurde Alice, anders als Avatar, in 2D gedreht und dann einfach umgerechnet, was keine guten 3D-Bilder liefert. Auch wurde aus einer Geschichte, die in der literarischen Vorlage gerade durch ihre „Un-Logischkeit“ und absolute Ungewöhnlichkeit bestach, einfach eine ziemlich simple Fantasy-Story mit einem Gut-Böse-Konflikt und folgendem Endkampf gemacht. Es ist völlig okay, sich nicht an die Vorlage zu halten, doch im Falle dieser Vorlage führte das eben eher zu enttäuschten Erwartungen.

Aber jetzt kommt ja ein Sequel, was soll da schiefgehen? Wieder so einiges, wie sich beim Schauen herausstellt. Zum Einen wird der Film, durchaus im Trend der letzten Jahre, zu einer Art feministischen Selbstverwirklichung der jungen Protagonistin Alice, gespielt von der wunderbaren Mia Wasikowska. Das ist okay, und Alice ist auch ein vorbildlicher Charakter, von dem sich jede Heranwachsende eine Scheibe abschneiden kann: Sie ist smart, erfindungsreich, athletisch, hat einen starken Willen und ist einfühlsam – was will frau mehr?

Alice (Mia Wasikowska)
Die „feministische“ Heldin

Dann schüttelt der Film jedoch noch ein „Ass“ aus dem Ärmel, welches man inzwischen aus so vielen Se- oder Prequels kennt: die Origin-Geschichte. Geklärt wird in Teil 2 die Herkunft sowie ungelöste Konflikte der Vergangenheit von sowohl dem von Johnny Depp gespielten Mad Hatter sowie der Red Queen, der mit dem großen Kopf. Aber Moment mal, möchte ich von zwei so wunderbar absurden Charakteren überhaupt die Herkunftsgeschichte kennen? Das macht sie ja auch irgendwo wieder viel normaler, gerade darum geht‘s bei Alice im Wunderland (dem Original jetzt!) nicht!

Alice: Hinter den Spiegeln ist dabei interessanterweise sowohl Pre- als auch Sequel: Alice besucht die Zeit an sich, gespielt bzw. personifiziert von Sacha Baron Cohen (Borat, Da Ali G Show). Auf der dann folgenden Zeitreise in die Vorgeschichte der beiden Wunderland-Figuren Mad Hatter und Red Queen wird Alice 2 zum Prequel, obwohl die Figur aus der Zukunft / Gegenwart (Alice) auch noch in diesem Prequel anwesend ist. Auch das klingt noch irgendwo interessant. Als im Laufe des Films jedoch herauskommt, dass die Red Queen besonders nie gelöste Probleme aus der Vergangenheit mit ihrer Schwester hat, der Mad Hatter dagegen mit seinem strengen Vater, in dessen Augen er nichts taugte… Naja, ich erwähnte ja schon, dass die Buchvorlage gerade nicht normal ist. Und diese beiden Storys sind ja so was von normal und auch gleichzeitig ganz schön lame.

Schade, über die Geschichte wird klar viel Potenzial verschenkt. Sacha als Zeit ist dabei noch der überzeugendste Charakter und als er einmal mit Johnny Tee trinkt an der berühmten absurden Tafel, stellt das auch eine der stärksten Szenen des Films dar.

Genug Negatives, jetzt kommt aber mal das Positive, oder…?

Naja, bedingt. Also: Alice: Hinter den Spiegeln sieht super aus. An Brillanz, Farbenfreude, Detail- und Fantasiereichtum sind die Bilder nicht zu übertreffen! Doch wie in vielen Filmen, die stark auf CGI-Tricktechnik beruhen, wirken die tatsächlichen menschlichen Schauspieler vor den computeranimierten Hintergründen wie ausgeschnitten, irgendwie fehl am Platz und nicht verbunden mit der Welt, in der sie eigentlich sein sollen. Die Bilder sind innerlich nicht aus einem Guss – ärgerlich bei einer solch teuren Großproduktion.

Die Besetzung des Films ist eigentlich auch großartig, doch wirken alle wie im teilnahmslosen Zombie-Modus, als wollten sie gar nicht da sein. Auch Regisseur James kann den durchaus guten visuellen Ideen von Tim Burton aus dem ersten Teil nichts Innovatives hinzufügen. Er macht Dienst nach Vorschrift und setzt hier und dort ein paar aus dem Vorgänger bereits bekannte Leckerbissen ein.

Irgendwo kann man sich Alice: Hinter den Spiegeln sogar anschauen. Es passiert eben immer etwas halbwegs Interessantes, auf eine seltsame Art hält einen der Film schon bei der Stange. Gleichzeitig ist es aber nicht wirklich ein gutes oder spannendes Werk. Diese Version ist vienulll zu logisch, zu un-leicht und mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Realität stehend (von Zeitreisen und verschwindenden Katzen mal abgesehen!), zu wenig ausgeflippt und viel zu vorhersehbar. Das hat nichts mit der wunderbar fantasievoll-absurden Welt Lewis Carrolls zu tun. Dann lieber die wirklich guten Disney-Animationsfilme Wreck-it Ralph oder Big Hero 6 anschauen!

Robert

Titel: Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln
Regie: James Bobin
Laufzeit: 113 Min.
VÖ: bereits erschienen
Verleih: Walt Disney Germany

 

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