„Heilige Dreifaltigkeit“ der schwedischen Punkrockszene mit neuem Album

„Heilige Dreifaltigkeit“ der schwedischen Punkrockszene mit neuem Album

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SLEAZE + Satanic Surfers
Photo: Christian Bendel

Nachdem die satanischen Herren der sogenannten „Heiligen Dreifaltigkeit“ der schwedischen Punkrockszene – Gott Vater, Sohn oder Heiliger Geist? – 2007 eine achtjährige Pause eingelegt haben, spielen sie seit 2015 wieder Konzerte. Nun erscheint auch noch das für viele langerwartete Album. Am 13.04. veröffentlichen die Satanic Surfers „Back From Hell“ über Regain Records und Mondo Macabre Records.

Da fühlen sich einige sicher wieder an ihre Jugend zurückversetzt, schwelgen in Erinnerungen an den ersten Kater und die unzähligen ersten Gehversuche beim Skaten, die vermutlich bei manchen zu längeren Krankenhausaufhalten führten, da sie sich, wie das als „junge*r Wilde*r“ natürlich Usus sein sollte, selbst überschätzt haben und / oder den anderen beweisen wollten, was für coole Typen sie doch seien.. Tja, Pech gehabt.

Skateboards dienten mir immer schon höchstens als Sitzunterlage, da ich seit jeher zu ängstlich war und keine Lust auf Knochenbrüche hatte. Eine Skatepunkphase gab es bei mir insofern auch nicht, da ich mir lieber ein abgestandenes Faxe in der 1-Liter-Dose vor dem Knochenfabrik Konzert „gegönnt“ habe und dabei viel zu beschissen aussah, um cool zu sein – wobei hier der vermeintliche Versuch cool zu sein eben genau darin bestand, es eben nicht zu sein. Also nein, ich kann nicht in Erinnerungen „an die gute alte Zeit“ schwelgen, sondern lerne hier quasi eine für mich komplett neue Band kennen, deren Namen ich immer schon kannte, von denen ich sicher mal irgendwo einen Song gehört, mich aber nie weiter für sie interessiert habe.

Tony Hawk und sein Pro-Skater-Hard-Chor

Ich werde direkt beim ersten Song an Bad Religion erinnert, die zwar aus den Staaten kommen und sich wohl selbst nicht dem Skatepunk zuschreiben, ich die beiden dennoch ohne schlechtes Gewissen in eine Kategorie packen würde: „Soundtrack zu Tony Hawk´s Pro Skater“.

Powerchords, ein kämpferisch anmutender Gesang, der zwar rau, aber nicht geschrien ist, der typische Punkrock-Beat am Schlagzeug, den ich ja sehr liebe, und immer wieder aufflackernde, kurze, aber durchaus hörbare Gitarrensoli. So bietet der Song „Self-Medication“ die typische Punkrock-Hymne mit mehrstimmigen Gesängen, was durchaus sofort ins Ohr geht. Ein bisschen fühle ich mich jedoch an Kirchenchöre erinnert.

Wird die Erleuchtung nun im Punkrock vermittelt? Nun ja, Dogmen machen auch vorm Punkrock keinen Halt. Bislang gefiel mir der Song, bis ca. zur Hälfte ein Gitarrensoli nicht mehr ganz so dezent angespielt wurde und anschließend noch ein Hauch von Reggae folgte. Ich hasse Reggae. Und ich hasse Gitarrensoli.

SLEAZE + Satanic Surfers
Photo: David Pascual

Tatsächlich erinnern mich auch die weiteren Songs an Bad Religion – vor allem gesanglich. Bad Religion habe ich in meiner Jugend mitbekommen und mochte sie, trotz ihrer Gitarrensoli, die mir auch bei ihnen immer auf die Nerven gegangen sind. Warum zur Hölle benötigt irgendeine Spielart des Punks Gitarrensoli?

„Who let the dogs out?“

In „Madhouse“ haben die Schweden wohl einen Hinweis beziehungsweise ein Zitat auf die Baha Men an den Schluss gesetzt. Zumindest höre, verstehe ich „Who let the dogs out?“ Und selbst wenn ich mich verhört habe, fände ich es schon sehr witzig, hätte die Band tatsächlich bewusst dieses Zitat eingebaut. Jedenfalls bleibt mir gerade nichts anderes als an süße Hundewelpen zu denken. Nachdem ich den Text zum Song schließlich gelesen habe, wird mir klar, dass hier „Who let the nuts out?“ gesungen wird und der Text eine andere Thematik behandelt, als ich es angenommen hatte…

Mit „Payin Tribute“ folgt dann schließlich eine weitere Punkrock-Hymne. Inwiefern sich die Band in den mittlerweile 29 Jahren ihrer Bandgeschichte – Pause mit eingerechnet – entwickelt hat, möchte ich nicht beurteilen. Doch auf mich wirkt es, als wären lediglich ein paar viel mehr Soli dazugekommen, denn geblieben ist der „Spirit from 1989“.

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Für mich klingt es jedenfalls, obgleich ich die Satanic Surfers in meiner Jugend nicht hörte, wie eine Zeitreise. „Back From Hell“ erinnert mich sehr stark an die paar Punkrock-Bands, die ich damals gehört habe und deren Platten zu dem Zeitpunkt bereits zehn Jahre alt waren oder sich zumindest danach anhörten. Auch das Booklet erinnert mich mit der Gegenüberstellung seiner Texte und Bilderkollagen daran. Das habe ich früher schon immer geliebt.

Die Platte schafft es auch für mich, dem Winter etwas in den Arsch zu treten und sehnsüchtig nach Sommer zu schreien. Allerdings muss ich gestehen, dass ich den Winter und die Kälte mag, Gitarrensoli jedoch eher weniger.

Dennoch, das kommende Album des Gott Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes sei solchen, die sich dieser Musikrichtung verbunden fühlen wärmstens ans Herz gelegt. Zwei Songs gibt es auch bereits zu hören: „The Usuper“ und „Catch My Breathe“ Und auch die Pre-Orders sind schon online.

SLEAZE + Satanic Surfers
Cover-Artwork, standes- und namensgemäß

Außerdem stehen bereits ein paar Deutschland-Shows an:

31.10: DE / Kiel / Die Pumpe
01.11: DE / Berlin / SO36
02.11: DE / Köln / Helios37
03.11: DE / Frankfurt / Das Bett
04.11: DE / Hamburg / Knust Hamburg

Künstler: Satanic Surfers
Album: Back From Hell
Label: Regain Records, Mondo Macabre Records
VÖ: 13.04.2018

Pascal

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