Happy Deathday: Tod durch Langeweile

Happy Deathday: Tod durch Langeweile

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SLEAZE + Happy DeathdayHappy Deathday! Die neuste Produktion aus der US-amerikanischen Filmschmiede Blumhouse Productions (Get Out) ist eine faule Angelegenheit. Denn der detektivische Horrorstreifen präsentiert sich zwar selbst als cleverer Streich, indem er die bekannte Prämisse aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray ins schwungvolle Gewand eines College-Horror-Werkes steckt. Tatsächlich ist der grundlegende Gedanke aber nicht mehr als eine ungemein ermüdende Blaupause für studentische Stereotypen, rührseligem Erkenntnisgewäsch und öder Vorhersehbarkeit.

Ha, ho, he – Figurenklischee

Die Whodunit-Geschichte nimmt ihren Lauf, als die offenkundige Studentenschnepfe Tree (Jessica Rothe) im Zimmer des unsicheren Kommilitonen Carter (Israel Broussard) nach einer durchzechten Nacht erwacht. Den ersten Tag nutzt Drehbuchautor Scott Lobdell, ansonsten vornehmlich als Comic-Schreiber aktiv, für die Etablierung essenzieller Charaktere und Ereignisse. Nach dem durchaus flotten Guss seines erzählerischen Fundaments folgt der erste Tod seiner Protagonistin durch einen maskierten Täter.

Wenngleich Regisseur Christopher B. Landon (Paranormal Activity: Die Gezeichneten) das Tempo im Folgenden stets aufrechterhält, weiß auch er der charakterlichen wie narrativen Gewöhnlichkeit des vorliegenden Skripts nicht zu entfliehen. Allzu sehr verlässt sich die Geschichte scheinbar auf die Grundidee und ignoriert dabei vollkommen, etwas grundlegend eigenständig Lebendiges zu erzählen. Zwar besteht anfangs noch die Hoffnung, der Film könnte mit den Figurenklischees, darunter Oberzicken, latent schwule Verehrer und Nerds, jonglieren. Letztlich dienen sie aber allesamt nur der erzählerischen Steifheit nach bekanntem Maß und fern jeden Eigenlebens.

Selbsterkenntnisse einer Bitch

Besonders die eingebettete und zunehmend sich aufdrängende Bitch-becomes-Good-Girl-Story ist rührseliges Konstrukt, das jeden betäubend zufrieden aus dem Saal entlassen soll und in Verbindung mit den untoten Charakteren einen verlogenen Ausweg sucht. Ein durch den Drang, alle Konflikte unbedingt und ohne Feingefühl auflösen zu wollen, hässlicher, uninteressanter, geradezu dummdreister Ausweg. Konsequenterweise verdampfen denn auch die so genannten Wendungen der Geschichte, die nichts weiter sind als zum etlichen Male aufgekochter, dazu ungewürzter Erzählbrei. An diesem Happy Deathday sind keine Überraschungen erlaubt.

SLEAZE + Happy Deathday
Darf nicht fehlen: die Gaumen-Präsentation

Ermittlungs- und Figurenblabla ergeben in dieser Form eine überaus sedative Schlaftablette, die in Verbindung mit der erzwungenen Friedfertigkeit unerhört bitter schmeckt. Da verwundert das direkte Ansprechen des offenbaren Vorbilds „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in einem Augenblick des Films nicht. Eine Referenz wie eine Ausrede für die eigene Belanglosigkeit. Da gehe ich doch lieber Merkur Spiele Sunmaker spielen oder halte es mit „Alice hinter den Spiegeln“ und feiere Nichtgeburtstag.

Alex

Titel: Happy Deathday
Kinostart: 16.11.2017
Dauer: 96 Minuten
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: USA
Filmverleih: Universal Pictures

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