Hail to the Freaks aka Nerds!

Hail to the Freaks aka Nerds!

TEILEN

Eine Liebeserklärung.

Man nehme einen Menschen, versehe ihn mit viel zu viel Intelligenz und zu wenig Selbstbewusstsein – zum Beispiel durch unglücklichen Körperbau. Dann gebe man ihm überdurchschnittliches Talent für ein negativ besetztes Feld (Computer, Physik), lade ihn zu keiner Party ein und verarsche ihn besonders in früher Kindheit rund um die Uhr. Fertig ist der Klischee-Prototyp des Nerds.

Das Word Nerd haben sich angeblich Collegestudenten ausgedacht. Auf der Suche nach einem Spitznamen für die Streberstudenten, die lieber lernen als saufen wollten, haben sie das Wort „drunk“ rückwärts gelesen und aus „knurd“ dann Nerd gemacht. Eine andere Interpretation besagt, dass es ein Akronym für „Non Emotionally Responding Dude“ ist. Wie dem auch sei, die Schublade, in der der Nerd steckt, scheint vernagelt.

In Filmen haben sie grundsätzlich dünne, weiße Beine, getapte Hornbrillen und keinen Sex – und im echten Leben kommen sie auch nicht besser weg. Auf T-Shirts wird sich mit Aufdrucken wie „Realität ist da, wo der Pizzamann herkommt“ oder „There‘s no place like 127.0.0.1“ über sie lustig gemacht (wer den letzten nicht verstanden hat: 127.0.0.1 ist die IP-Adresse vom Local Host und wird hier synonym für Home gebraucht.). Wenn sie als eigenbrötlerisch bezeichnet werden, ist das fast schon ein Kompliment. Schließlich werden die Nerds von ziemlich vielen Menschen für Autisten gehalten.

Kaum jemand würde auf die Idee kommen, mit ihnen ein Bier zu trinken. Und das ist jammerschade. Denn wer einen Blick hinter die binären Codes riskiert, merkt schnell, dass jeder normale, fremdgesteuerte Mensch, der cool und beliebt sein will, vom Nerd eine Menge lernen kann. Die Begründung ist gleichzeitig eine längst überfällige Liebeserklärung an eine Gruppe von Menschen, die definitiv mehr Respekt und Fans verdient hat:

1004-20jim-20nerd

Der Nerd hat sich nämlich aufgrund seiner Biografie so weit vom Rest der Welt verabschiedet, dass er ihn nicht mehr als Regulativ braucht und einfach so ist, wie er ist.
Er versucht nicht mehr, cool zu sein und wird es genau dadurch. Das macht ihn zu einem guten, außergewöhnlichen Menschen. Mit weit ausgebreiteten Armen rennt er durch sein Leben und denkt nicht darüber nach, ob das, was er tut, männlich oder lässig oder professionell oder überhaupt irgendwie rüberkommt. Wenn ihm danach ist, backt er Blechkuchen.
Er spielt GPS-Schnitzeljagd oder fechtet, während wir mit unserem Arsch zu Hause sitzen und uns für funky halten. Er hat schon Musik aus dem Netz gezogen, als wir noch dachten, MP3 sei eine Waffe.
Er hat die Links gefunden, die wir rumschicken, um an unserer Web-Credibility zu feilen. Obwohl er unfassbar viel weiß, ist er meistens viel zu schüchtern, um klugzuscheißen. Während fast alle ihn für einen vollgestörten Autisten halten, gehört er zu den liebenswertesten Menschen der Welt.
Einen besseren Freund als ihn kann man sich kaum wünschen. Er ist hilfsbereit und aufrichtig. Statt sich zur Aufbesserung des eigenen Egos über einen lustig zu machen, hilft er lieber. Sein Mitgefühl ist wertvoll, weil es von Herzen kommt.

Kurzum: Der Nerd ist wie ein Kind, nur ohne das Grausame.

Rike
infemme.twoday.net

TEILEN
Vorheriger ArtikelInternet, DU HURE!
Nächster ArtikelPost an Wagner

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen