Gucci Mane: Die Autobiografie

Gucci Mane: Die Autobiografie

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SLEAZE + Gucci Mane

Guccie Mane. Mit diesem Namen kann man nur Rapper sein. Auch wenn seit der legendären Gucci Crew II und ihrem Klassiker Sally niemand mehr den Namen der italienischen Modemarke in seinen Alias einbaute, hat der US-Rapper – oder genauer: Trapper, weil Trap – genau das getan. Allerdings aus anderen Beweggründen.SLEAZE + Gucci Mane

Und die erklärt er uns in seiner Autobiografie. Diese umfasst natürlich das Leben des Gucci-Mannes Radric Delantic Davis (so sein bürgerlicher Name), die er mithilfe des Journalisten Neil Martinez-Belkin verfasst hat.

Das Schöne an der Biografie: Sie verschweigt (so gut wie) nichts. Er erzählt ohne Umschweife aus seiner Jugend und die dort begonnene Drogendealer-Karriere. Wie er das erste Mal abgezockt wurde und dann seinen Chef verarscht hat, um doppelt zu kassieren. Er erzählt, wie er seine CD unter die Leute gebracht hat: ein Kombi-Paket mit der eigentlichen Bestellung Weed plus seiner eigenen CD. Wirklich: Er nimmt vor nichts ein Blatt vor den Mund.

Ich hatte teilweise das Gefühl, dass Gucci Mane das Buch selber geschrieben hat und nicht ein Journalist. Ausdrücke, die ich aus 2Pac-, 50Cent- oder Eminem-Zeiten kenne, kamen sehr viel vor in dem Text. Was das Ganze sehr ehrlich und glaubhaft macht.

Seine Sprache hat sich über die Jahre nicht geändert. Aber seine Einstellung. Dieses Buch ist durchdacht. Da wird sicher auch der Verlag und natürlich Journalist Neil Martinez-Belkin einen Einfluss gehabt haben.

Auf der anderen Seite hatte Gucci Mane auch viel Gelegenheit, in seinen Knast-Zeiten nachzudenken. Und im Gegensatz zu vielen anderen Deppen hat er diese Zeit offenbar gut genutzt. Unter anderem, um weiter Texte zu schreiben und seine Musik zu veröffentlichen.

Eine Stelle fand ich so toll, die wohl auch der Wendepunkt in Gucci Manes Leben war. Allerdings ist sie auch etwas cheesy, so dass es sein könnte, dass sich die Wahrheit etwas anders abspielte. Aber egal…
Sein Kind hat nicht verstanden, wieso zwischen ihm und seinem Daddy eine Glasscheibe ist und warum sie nur telefonieren können – wie das halt so ist, wenn ein Elternteil in einem US-Knast sitzt.

Abgerundet wird die Autobiografie natürlich noch mit Bildern von Gucci Mane, auch wenn man davon wohl allein auf Instagram mehr findet. Gerade die Bling-Bling-Bilders.SLEAZE + Gucci Mane

Spannender sind da schon die aus seiner Kindheit oder von der Familie. Oder der Mugshot der Polizei.

Insgesamt eine spannende Autobiographie, die mehr Ansichten bringt, als man zunächst vermuten würde. Und damit kein Wunder, dass sie ein New York Times Bestseller ist.

Meike

Titel: Die Autobiografie von Gucci Mane
Originaltitel: The Autobiography of Gucci Mane
Veröffentlicht: 26. September 2018
Verlag: Verlag Antje Kunstmann
Format: Hardcover, 300 Seiten

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