Gotti, Freund der Freizeit

Gotti, Freund der Freizeit

TEILEN

Martin „Gotti“ Gottschild. Einen modernen Goethe möchte man ihn fast schon nennen, zumindest manchmal.

Wir haben den Lesebühnen-Veteran, Autor und Freund des Wortwitzes bei nicht ganz so viel Sonnenschein im Biergarten getroffen, um ein bisschen über dies und das zu schnacken. Herausgekommen ist ein sehr unterhaltsames und doch intimes Gespräch über Gott(i) und die Welt. Rinjeschaut!

 

Ich hab gelesen, du hast eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht. Wie schafft man es von da zum Schreiben von so hoher Weltliteratur?

Lehre hab ick zwei Jahre gemacht. Das war eine ganz grausame Zeit. Ich hab damals noch in Pankow gewohnt und musste dann immer nach Hellersdorf. Das war so ne Zeit wo ich oft feuchte Augen bekommen hab, als ich aufgewacht bin. Und irgendwann wurde ich halt von meinem Freund Sven van Thom gefragt, ob ich denn nich bei seiner damaligen Band Sofaplanet mitmachen will.  Ich hab dann erst mal Bass gespielt. Das ist das Schöne bei mir im Leben. Ich hab mich dreimal beworben, einmal davon für’s Musikhaus Hellersdorf und danach sind die Sachen halt einfach passiert. Und das auf eine ziemlich gesunde Art und Weise. Ich bin ja selber überrascht, wo ich letztendlich hingeraten bin.

 

Und wie hat’s dann mit dem Schreiben geklappt?

Ich wollte schon immer mal irgendwas aufschreiben oder filmen. Aber ich hab dann auch erst durch Berliner Lesebühnen mitbekommen, dass man Kurzgeschichten schreiben kann und dass das auch funktioniert. Und da dachte ich, das möchte ich auch. Dann habe ich angefangen in der Garage Pankow erste Lesungen im Pankower Indie-Kreis zu halten. Und so ging’s los.

Das bekam mir viel mehr als die Musik. Bei mir ist das mittlerweile auch so, sobald der Bassdrum-Check beginnt legt sich schon so ne Eiseskälte über mich. Egal, welche Band, das hat man alles schon tausendmal gehört. Man möchte das auch nicht mehr, diese muffigen Klamotten, dieser viele Alkohol. Schreckliche Welt. Da lob ich mir die Literatur-Szene, da wird früh getrunken und früh ins Bett gegangen. Prost!

 

Woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten?

Wirklich oft fallen mir Sachen in der Bahn ein. Ich habe mir schon immer gerne Leute anjeschaut und wie die sich so verhalten. Was dazu führt, dass man sich selber auch mal doll anguckt. Das macht’s ja alles sehr gefährlich. Es ist ein Teufelskreis. Ich schreib mir dann kleine Ideen oder kurze Sätze auf, sammele die und versuch sie in den Geschichten zu verdichten. Und die Sachen sind ja auch meistens autobiografisch. Es steckt wirklich erschreckend viel Wahrheit in meinen Geschichten.

 

Oft hat’s dann aber auch mit Druck zu tun. Ich bin auch ein Freund der Freizeit und kein Getriebener. Aber man hat ja auch den Anspruch was einigermaßen Frisches zu schreiben. Und bestimmte Themen sind einfach schon so abgegrast.  Aber wenn’s flutscht dann flutschtet.

 

Kommt es auch vor, dass du manchmal über deine eigenen Geschichten lachen musst?

Das gibt’s schon. Das ist immer ein gutes Zeichen. Der Gedanke kommt ja auch schneller als man’s selber registriert. Da freu ich mich dann aber eigentlich noch doller drüber, dass ich jetzt gerade wirklich über meinen eigenen Text gelacht habe. Obwohl die Sachen, bei denen ich mir dann nicht ganz so viel Mühe gebe, meistens echt die größten Kracher sind.

 

Über was kannst du denn lachen?

Das ist bei mir wirklich eigentlich ganz einfach. Ich bin ein großer Freund von „Uups! Die Pannenshow“. Mit den Kommentaren von Monti Arnold, da freu ich mich immer. Wenn Leute irgendwo runterfallen oder gegen laufen. Wen ich noch wirklich ganz lustig finde ist Will Ferrell. Ich mag halt Leute, die sich mit vollem Ernst in sehr absurde Situation werfen. Ein bisschen wie bei mir selbst also.

 

Was hast du in Zukunft geplant?

Wir machen erstma große Sommerpause, da freu ich mich persönlich schon am meisten drauf (lacht). Dann im August geht’s weiter mit unserer Lesereihe im Franzclub „Tiere streicheln Menschen“. Und ansonsten kommt noch ein Film raus, bei dem ich involviert war. „This ain’t California“, da hab ich in der Rahmhandlung mit erzählt. Die guten Geschichten vom Rollbrett fahren aus’m Osten. Aber mehr darf ick nich verraten!

 

Und dann kommen wir mal zu deinem neuesten Buch. Wie kam es zu „Herr Hasel und Fräulein Nuss“?

Die Grafikerin ist meine Exfreundin und das war damals ein Studienprojekt von ihr, das wir jetzt noch mal verfeinert haben. Und ich hatte halt immer Lust ein Kinderbuch oder ne Bildergeschichte zu erzählen. Ich bin ja auch so ein Heinz Erhard-Freund, ein Freund des knackigen Versmaßes. Ich hab ja auch meine zwei Bücher „Schatz im Silberblick“ und „Die Schwarte Mamba“ mit Kurzgeschichten geschrieben aber für einen Roman fehlen mir immer noch irgendwie der Mut und die zündende Idee. Und da kam mir das gerade  recht und ich fand’s einfach interessant. Es hat witziger weise aber auch länger gedauert als meine anderen Bücher, obwohl es viel kürzer ist.

Die Geschichte hab ich mir auch nicht ausgedacht, sondern Jule und eine Freundin von ihr, Anna Funk. Und ich hab eben dazu den Text gemacht. Entstanden ist ein schönes buntes Blätterbuch. Eine Klo-Lektüre für Kinder, wenn man so will. Natürlich geht’s auch um Raffgier und Diktatur, aber es soll an sich eine überraschende Geschichte sein. Ziel war es, etwas Unterhaltsames zu machen, das aber auch nicht doof ist.

Hast du selber Kinder?

Selber habe ich keine Kinder, Gott bewahre. Ich trage immer zwei Handys in der Hosentasche damit das nicht passiert.

 

Hast du Tipps für unsere Leser, wie man zu so einem schönen Schnauzer kommt, wie du ihn trägst?

Hmm, weeß ich gar nicht. Ich hab den jetzt ja auch ein ganzes Weilchen, das achte Jahr jetzt. Ich fand’s halt immer lustig und bin ein großer Freund von den ganzen 70er Jahre Filmen und diesen ganzen kernigen Herren. Und Schnauzbärte fand ich schon immer gut. Man muss  halt viel kämmen und pflegen, aber man darf’s auch nicht zu sehr übertreiben.

 

Und jetzt die letzte und fast schon wichtigste Frage. Hast du einen Lieblingswitz?

Da gibt’s tatsächlich einen. Was ist eine gute Fee? Das ist eine Frau, die sich nach dem Geschlechtsverkehr in einen Kasten Bier und 2 gute Freunde verwandelt. Den find ick persönlich sehr jut!

http://tierestreichelnmenschen.de/

www.facebook.com/tierestreichelnmenschen

 

Lydia & Christoph

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT