Google hat jetzt was Neues.

Google hat jetzt was Neues.

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025_google_play_musik_pk_hoederath_STH9858Vor allem für die Online-Musik-Streamer könnte das hier interessant sein. Wer sich allerdings jetzt schon nicht mehr im Wald der Streamingdienste zurechtfindet, für den ist Google Play Musik noch eine Erweiterung des Labyrinths.
Der Onlinemusikmarkt boomt. Spotify hat sich als Alphatier behauptet, Deezer, Apple Music, Tidal und wie sie alle heißen, ziehen zwar nach, aber ihr Stück vom Kuchen fällt deutlich kleiner aus. Klar, dass Google da nicht fehlen durfte in einer Branche, die man als Nutzer eigentlich langsam für übersättigt hält. Dabei haben simfy und einige andere hierzulande bereits schlapp gemacht.
Aber was genau haben sich die Googles da nun ausgedacht?
Google Play Musik hat mehr als 30 Millionen Musiktitel, werbefrei und offline abspielbar. Das kennen wir schon, dachten wir, was soll jetzt das Besondere sein? Google verfolgt seit heute eine veränderte Perspektive als andere Streamingdienste: Im Chaos der Musikvielfalt (30 Millionen Tracks kann ein Mensch in seinem ganzen Leben nicht anhören) will Google nicht, dass du die Musik findest, sondern dass du von der Musik gefunden wirst. Das soll über Playlists und Musikvorschläge funktionieren, die der Dienst über deinen Musikgeschmack generiert und dir aufgrund von bisher gehörten Tracks weitere Songs anbietet. Es wird damit geworben, so für jede Aktivität, Stimmung und Uhrzeit die passende Musik parat zu haben. Egal, ob du gerade in der Bahn oder auf dem Fahrrad sitzt, eine Runde durch den Wald läufst, entspannt ein Buch liest oder eine Party schmeißt, will Google Play Musik in jeder Situation die perfekten Lieder für dich in fein säuberlich kuratierten Playlists bereitstellen. Und dabei geht es nicht nur um passende Aktivität,  sondern um Aktivität plus deine persönliche Stimmung. Also morgens zum Job auf der Autobahn volles Rohr Trap, während abends auf dem Heimweg Easy Listening – oder so ähnlich. Dazu können die Listen von dir individuell geändert werden, du kannst Songs verschieben, hinzufügen und löschen und auch eigene Listen erstellen, speichern und herunterladen. 015_google_play_musik_pk_hoederath_STH9750
Gesammelt und sortiert wurden die Songs von Expertenhänden, von Google Concierges genannt, die sich in musikalischer Weise mit deinen Ohren auszukennen meinen: DJs, Musiker und Musikkritiker haben ihre Finger am Werk, die Playlists auf all deine Aktivitäten plus persönliche Musikvorliebe abzustimmen, um dein Hörerlebnis zu optimieren und dich vor bösen Überraschungen zu bewahren. Scheinbar sitzen da also einige schlaue Köpfe in einem Büro in Hamburg und weltweit zusammen, machen sich Notizen, wenn sie deine Klicks analysieren und nicken sich eifrig zu, während sie dir deine individuellen potentiellen neuen Lieblingslieder servieren.
Was für ein Kundenservice, und das alles für 9,99 € im Monat.
Eine Gratisversion bietet Google Play Musik dabei jedoch nicht an, es gibt auch keinen Studenten- oder Familienrabatt wie bei Spotify. Auf das Feature, Künstlerseiten zu abonnieren wie es bei vielen anderen Streamingdiensten möglich ist, musst du bei Google Play Musik leider auch verzichten. Sollten einige Listen nicht deinem Geschmack entsprechen, kannst du darauf hoffen, dass die Après-Ski-Partyliste bald nicht mehr in deinen Vorschlägen auftaucht, löschen kannst du sie allerdings nicht. Dafür kannst du Tracks ganz frei auswählen und unbegrenzt in Playlists überspringen und erhältst zu jeder Zeit eine Datenqualität von 320 kbit/s für Android-, iOS-Smartphones und -Tablets und auch über das Web. Und schick sieht das Ganze mit den gekachelten Buttons und Bildern auch noch aus.Screenshot_2015-08-25-14-29-20
Sicher ist, dass Google Play Musik deinen generellen Musikgeschmack wahrscheinlich schon nach einigen Klicks besser kennt als dein bester Freund. Trotzdem frag ich mich, ob die Experten in Googles Kämmerchen wissen, dass ich beim Kochabend mit Freunden lieber Kollegah als James Blunt höre. Und ob die Leute, die da in Hamburg an den Playlists herumtüfteln, eine Ahnung davon haben, was Musikfans zeitgleich gerade in München und Berlin für geschmackliche Vorlieben haben.
Obwohl Google die Musikstreamingbranche jetzt noch ein wenig verkompliziert, hätte das Timing für den Marktriesen nicht besser sein können:
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Spotify eine Datenschutzrichtlinie geändert hat und auf Fotos, Standort und Sensoren zugreift. Angeblich soll das alles im Sinne der Anpassung von Musikvorschlägen passieren, da man über Bewegungsdaten herausfinden will, ob der Hörer gerade steht, geht oder läuft. Der Nutzer soll auch die Möglichkeit haben, seine Playlists mit eigenen Fotos zu bestücken und obwohl Spotify diese Daten nur abgreift, wenn vom Streamer ausdrücklich zugestimmt wird, bleiben die Hörer misstrauisch. Da könnte es vielleicht passieren, dass dem Dienst einige User abspringen und sich im Labyrinth der Streamingdienste stattdessen Google zuwenden. Ob die Suchmaschine mit ihrem neuen Angebot noch weiter über sich hinauswächst und wie transparent sie ihren Dienst gestalten wird, bleibt abzuwarten.

Hier kannst du dich zum Spotify-Skandälchen ein bisschen schlau machen und hier gibt’s noch mal die verschiedenen Dienste im Vergleich.

Laurie

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