Godzilla vs. Kong: Sinnlicher Titanenkampf

Godzilla vs. Kong: Sinnlicher Titanenkampf

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Godzilla und Kong waren seit jeher eng mit der menschlichen Hybris verbunden. Nur neun Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki richtete die Riesenechse anno 1954 ihr erstes Inferno auf der Kinoleinwand an und erinnerte an die Zerstörungsgewalt unserer Art.SLEAZE + Godzilla vs. Kong

Der gigantische Primat feierte sogar weitaus früher, im Jahre 1933, sein melancholisches Debüt. Giertrunken stellten ihn die Menschen am Broadway als „achtes Weltwunder” in einer ihm völlig fremden Welt aus. Die Frage nach dem wahren Monster begleitete die ikonischen Riesenkreaturen schon immer in ihren Geschichten und man kommt nicht umhin, den Menschen an seine andauernden Bluttaten zu erinnern.

Godzilla vs. Kong untermauert diese cineastische Anklage mit einem gewaltigen wie sinnlichen Spektakel, in dem die titelgebenden Titanen unmittelbar aufeinandertreffen. Im vierten Streifen des 2014 gestarteten MonsterVerse aus den Häusern Legendary und Warner scheint das Ende des Friedens gekommen zu sein.

Godzilla, der inzwischen als Retter der menschlichen Zivilisation gilt, zerlegt eine Anlage der Technikorganisation Apex Cybernetics in Florida. Unterdessen lebt Kong abgeschirmt von der Außenwelt in einer Kuppel auf Skull Island. Denn seine Freilassung würde einen Kampf der Giganten nach sich ziehen.

Atmosphärischer Zweiteiler

Der vor allem für seine Horrorfilme bekannte Regisseur Adam Wingard (Blair Witch) hat mit seiner Crew einen straff erzählten Eintrag des Franchises geschaffen, der gehörig kracht, erstaunt und innehält. Besonders Kong wurde seit Peter Jacksons 2005 erschienenem Remake des originalen King Kong nicht mehr dermaßen empfindsam, empathisch und schlicht lebendig inszeniert wie hier.
Dabei steht ihm eine angenehm zurückhaltende, menschliche Bezugsgruppe – bestehend aus der Kong-Expertin Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall), ihrer taubstummen Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) sowie dem dazu stoßenden Geologen Dr. Nathan Lind (Alexander Skarsgård) gegenüber. Dieses Team wird sich bald mit schwerbewaffneter Konzernbegleitung gen Hohlerde aufmachen, einem Ökosystem im Zentrum unseres Planeten, das womöglich Geburtsstätte der Titanen und Quelle einer energiereichen Ressource ist.

An diese will Apex-CEO Walter Simmons (Demián Bichir) kommen, um damit eine Waffe anzutreiben, die mit den Titanen ein für alle Mal aufräumt und die Menschheit zurück an die Spitze der Welt hievt. Der Größenwahn ist zurück und damit auch die weitaus plattere Parallelhandlung um die plakativ rebellische und aus Godzilla: King of the Monsters schon bekannte Madison Russell (Millie Bobby Brown), die sich gemeinsam mit Kumpel Josh (Julian Dennison) und dem Apex-Mitarbeiter und Whistleblower Bernie (Brian Tyree Henry) aufmacht, die Wahrheit hinter Godzillas zerstörerischer Rückkehr aufzudecken.

Das Trio ist Informationsgeber und Comic Relief zugleich und will sich mit seiner zuweilen herumalbernen Art ebenso wie die immerhin nicht überstrapazierten Menschenschurken nicht so recht in den durchaus geerdeten, ernsteren Grundton des Films anpassen.

Herzstück Kong im Zirkel der Gewalt

Inmitten des Effektgewitters mit wuchtig choreographierten Titanenkämpfen auf Flugzeugträgern oder in asiatischen, mit bunten Neonleuchten getauchte Megametropolen, behält sich Godzilla vs. Kong eine innere Ruhe, die vor allem einer ihrer Titelfiguren vergleichsweise viel Zeit einräumt.

SLEAZE + Godzilla vs. Kong
Kongs Vertraute, die kleine Jia.

Der Film taucht buchstäblich tiefer hinab in die Mythologie dieser Wesen, wobei insbesondere Kong nur allzu menschlich agiert und entsprechend in den Fokus der Kamera rückt. Ihre Linse blickt geduldig auf ihn und seiner rührenden Interaktion mit Jia. Es ist ein Bild großer Symbolkraft, dass ausgerechnet der kleinste Mensch in diesem Ensemble – ein kleines, taubstummes Mädchen – das emotionalste und unerwartet kommunikativste Band zu Kong pflegt.

In ihren gemeinsamen Augenblicken scheint die Zeit stillzustehen, wenn sich ihre Finger tröstend im strömenden Regen berühren und wir dem Riesengorilla tief in seine Augen schauen, die von Traurigkeit, Wut und Unsicherheit fern seiner Familie erzählen.

Eine mächtige Kreatur, die zugleich Melancholie und Verletzbarkeit umgibt. Er soll die Forscher zur mutmaßlichen Energiequelle in der Hohlerde leiten, die womöglich seine wahre Heimat ist.

Und damit avanciert dieser wundersame Ort mit eigenen gravitativen Regeln und einem prächtig gedeihenden Ökosystem zum ultimativen Bild des menschlichen Triebs, die Welt als Halsschlagader zu betrachten, die es einem Vampir gleich auszusaugen gilt.

Die antagonistischen Menschenkräfte sind arg schurkische Gestalten, wobei die Ähnlichkeiten zur Realität erschreckend treffend erscheinen. Denn ganz gleich, wie die Motive aussehen mögen, sei es Gier oder tatsächlich die Überzeugung, der Welt etwas Gutes zu tun: Die Konsequenzen sind ähnlich und Godzilla vs. Kong zeigt einen Megakonzern, der im Namen der Weltverbesserung ausbeutet und den eine manische Spitze antreibt. Das wirkt bitter vertraut.

Das vertraute Finale

Ebenso wie die apokalyptische Zerstörung, die gewissermaßen auch menschengemacht ist. Wenn Godzilla und Kong aufeinandertreffen bebt die Erde in einem Duell der Ikonen, in dem die Welt des Homo Sapiens mit seinem Kriegsgerät und Wolkenkratzern fragil auseinanderbricht.

SLEAZE + Godzilla vs. Kong
Außer Rand und Band: Godzilla ist – mal wieder – zurück.

Der Zirkel der Vernichtung schließt sich im audiovisuell berauschenden Kampfgetümmel, in dem nur das endgültige Begräbnis des Kriegsbeils als einzige Lösung der massiven Vernichtungsorgie Einhalt gebieten könnte. Denn so wäre das in der ungezähmten Natur liegende Gleichgewicht wiederhergestellt, das menschengemachte Grenzen nicht kennt und Natur als Existenz aller Existenzen versteht.

Erst das menschliche Ego stört diese Balance in grenzenloser Selbstüberhöhung. Das zeigt Godzilla vs. Kong ebenso deutlich wie die Sanftheit seiner Riesen, deren Aufeinanderprallen ein staunenswerter, voranpreschender und zugleich empfindsamer Actionfilm ist, der unsere Spezies als Vermittler, aber auch Zerstörer der Welt identifiziert.

Alex

Titel: Godzilla vs. Kong
Kinostart: 01.07.2021
Streamingstart: 29.07.2021 (Sky)
Dauer: 113 Minuten
Genre: Action, Science Fiction, Thriller
Produktionsland: USA, Australien, Kanada, Indien
Filmverleih: Warner Bros.

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