Godzilla ist zurück: Ein König zum Niederknien?

Godzilla ist zurück: Ein König zum Niederknien?

TEILEN

So wirklich weg war er ja eigentlich nie. Seit Godzilla erstmals 1954 über japanische Leinwände flackerte, erschienen insgesamt 35 Ableger des Kultmonsters aus dem Land der aufgehenden Sonne im Kino.

SLEAZE + Godzilla King Of The Monsters
1, 2 oder 3: Du hast die Wahl!

In Form von Godzilla: King of the Monsters ist jüngst der dritte Ableger gestartet, der ausschließlich von einem Hollywood-Studio (Legendary Entertainment) produziert wurde. Wir haben uns das Spektakel angesehen.

Godzilla zeigt uns, was wir anrichten

Die beliebte Riesenechse mit dem atomaren Atem begleitet mich bereits seit der Kindheit. Ich erinnere mich, wie ich bei meinen wochenendlichen Aufenthalten bei den Großeltern aufgeregt Krimis, James Bond, Cartoons und etliche Godzilla-Streifen aus der Monsterschmiede Toho inhaliert habe.

Schon damals war das Riesenmonster jedoch mehr als eine kaum zu stoppende Naturgewalt. Sie war vielmehr symbolhafte Ausgeburt einer ausgenutzten, pervertierten Natur. Der Übeltäter war der Mensch. Neun Jahre vor Erscheinen des Erstlings legten zwei Atombomben die japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki in den Endzügen des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche.

Godzilla war seit jeher eine Konsequenz jenes atomaren Übels, quasi ein monströs manifestiertes Abbild dessen, was passiert, wenn wir die natürliche Ordnung der Natur aus der Balance bringen. Godzilla: King of the Monsters erzählt wesentlich von dem Gleichgewicht unserer Heimat und wie dieses durch unser Handeln den Takt verloren hat.

Denn das ist vielleicht die größte und gleichzeitig verheerendste Eigenschaft, die den Menschen auszeichnet: Als wohl erste Spezies der Erde ist er in die Lage, seinen Heimatplaneten nachhaltig zu formen, sich dessen Schätze massenhaft zu eigen zu machen und ihn im schlimmsten Falle zu zerstören.

Godzilla lahmt an der Last der Familie

Eingebettet ist die Renaturalisierungsgeschichte in einem verschwörerischen Familiendrama, welches das entzweite Wissenschaftlerpaar Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) und Dr. Mark Russell (Kyle Chandler) mit ihren verschiedenen Antrieben gegenüberstellt – und ihre gemeinsame Tochter Madison (Millie Bobby Brown) ins Epizentrum dieses Konfliktes.

Der Film, ein direktes Sequel des 2014 erschienenen Godzilla, berührte mich jedoch weniger in seinen familiären Wirrungen, die so manche Kurven und Wendungen nehmen und zuweilen abrupt ihre Richtungen ändern.

Diese Abruptheit sowie manche Entscheidungen der Charaktere erschienen mir erzählerisch auferlegt, weil sie den Plot vorantreiben, nicht aber, weil sie aus der Konsequenz der Erzählung herauskommen würden.

SLEAZE + Godzilla King Of The Monsters
In Ehrfurcht vor den Monstern: die Schauspielerinnen Millie Bobby Brown und Vera Farmiga

Ohnehin hatte ich den Eindruck, als trage der gut zweistündige Godzilla hier ein wenig zu viel Erzählspeck mit sich herum. Den wirft er vor allem dann ab, wenn er seine Titelfigur in die spektakulären, teils nicht enden wollenden Schlaggefechte mit anderen gigantischen Kreaturen führt.

Hier findet Regisseur Michael Dougherty (Krampus) denn auch immer wieder ikonische Einstellungen, in denen er feurige Rauchschwaden, zuckende Gewitterwolken und sich über die Szenerie ergießende Regenmassen um die riesigen Kaijus heraufziehen lässt, während sie ganze Städte niederstampfen oder das Meer unter ihrer Last aufpeitschen.

Die Schönheit der Monster

In diesen Sequenzen ist Godzilla: King of the Monsters laut und ausufernd. Es sind die Momente, in denen er sich von seiner dramaturgischen Last befreit und die Geschichte der traditionsreichen Reihe aufatmet.

Ein ums andere Mal zwinkert der Film der Jahrzehnte alten Historie zu. So beschwört etwa Komponist Bear McCreary (God of War, The Walking Dead) die musikalische Vergangenheit herauf, wenn er alte bekannte Themen neu arrangiert und mit imposantem Orchester in das Geschehen feuert.

Ferner spielt die Mythologie von Godzilla und anderen Giganten eine wichtige und gleichzeitig kleine Rolle in King of the Monsters, dem nunmehr dritten Part von Warners und Legendarys Monster-Kooperation nach Godzilla und Kong: Skull Island.

Der Film unternimmt eher eine kurze Exkursion denn eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema, das faszinierenden Stoff bietet. Immerhin geht es um das Verhältnis des Menschen zu sich und seiner Welt vor dem Hintergrund der von Godzilla & Co. bevölkerten Erde.

Schön, dass der Film aber zumindest immer wieder Raum findet, dem Publikum zu zeigen, dass der Begriff des Monsters nicht zwingenderweise mit bösartigen, zerstörerischen Wesen assoziiert sein muss. Zum Teil nähert er sich ihnen gar einfühlsam und bietet ihnen in romantischen, ruhigen Augenblicken die Hand zur friedlichen Koexistenz an.

SLEAZE + Godzilla King Of The Monsters
Nanu? Was steckt hinter der Godzilla-Mythologie?

Doch das Gewicht des Familiendramas, garniert mit der einen oder anderen etwas arg aufdringlichen Nebenfigur, zwingt Godzilla: King of the Monsters meinem Empfinden nach etwas zu oft in die Knie. Hier verliert der Film seinen existenziellen, mythologischen Hintergrund aus den Augen und die Monster geraten bedrohlich ins Wanken.

Es bleiben dennoch staunenswerte Momente in einem Spektakel, bei dem der erzählerische Rhythmus zuweilen stockt und abbricht. Spätestens beim nächsten Aufbäumen von Godzilla sitze ich dann aber doch wieder mit kindlicher Anspannung aufrecht im Kinosessel und lausche seinem ohrenbetäubenden Kreischen wie einer wohltuenden Symphonie.

Alex

Titel: Godzilla: King of the Monsters
Kinostart: 30.05.2019
Dauer: 131 Minuten
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Science-Fiction, Drama
Produktionsland: USA, Japan
Filmverleih: Warner Bros.

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen