GOD SAVE THE DEUTSCHEN BEHÖRDEN.

GOD SAVE THE DEUTSCHEN BEHÖRDEN.

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Ich bin heute aufgewacht und beim Aufstehen direkt in die Suppenschüssel getreten, die vor meinem Bett stand.

‚‚Super“, dachte ich bei mir, ‚‚gehste ma wieder gaaaaaanz schnell ins Bett, wenn du das Kind im Kindergarten abgeladen hast“.
Angezogen, raus ausm Haus, Kaffee und Croissant to go und ab inne Bahn. Natürlich passiert das, was einfach passieren MUSS, wenn du mit dem Fuß in der Suppenschüssel aufwachst.
Es kommen doofe Kontrolleure und wollen den nichtvorhandenen Fahrschein sehen (Ey, nur eine Station…pfff).
Ich versuchte, so pissig wie möglich zu der graugesichtigen Arschgeige zu sein, die meine Personalien aufnahm. Nützte nichts, Aggression trotzdem nicht kompensiert.
Nun ja, Kind abgeladen, wieder in die Bahn. ‚‚Bloß ins Bett, bloß ins Bett“, murmelte ich wie ein Mantra. Kurz vorm Aussteigen fiel es mir dann ein: Ich hatte meiner hochschwangeren Freundin versprochen, mit ihr zum Amt zu gehen. Heute? Ja, Scheiße, HEUTE. Ich hatte eine Vorahnung, wie ‚‚problemlos“ DAS ablaufen wird.

Also fuhr ich eine Station weiter, holte zwei Kaffee und klingelte bei meiner Freundin. Nachdem ich sie quasi aus dem Bett geprügelt hatte, sind wir endlich auf dem Weg zum Bürgeramt.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Rentner in Bahnen grundsätzlich drei Stationen bevor sie aussteigen müssen, aufstehen und zur Tür watscheln? Was ist los mit denen? Meinen die, die kommen nicht mehr raus, oder sie kriegen ‘ne Belohnung, wennse Erster sind?

Fast schon froh angekommen zu sein, traten wir entschlossen und zielstrebig im Bürgeramt ein. Die Freude legte sich schlagartig. Ich stand vor der Info-Frau die, völlig untypisch, unendlich schlechte Witze zu den Informationen raushaute.

Ich war viel zu geschockt, um darauf zu reagieren. Frollein, wir sind hier in einer BEHÖRDE! Hier gibt‘s nix zu lachen!

Meine liebreizende Begleiterin zog die schöne Nummer 164, wir hatten noch zehn Nummern Zeit, um Passfotos zu machen.
Das müsste locker zu schaffen sein, dachten wir. Also zum Automaten. Unfassbar, vier popelige Passfotos in Phantomzeichnungsqualität kosten SIEBEN Euro!
Und diese SIEBEN Euro müssen natürlich in MÜNZEN eingeschmissen werden, die Scheinannahme im Automaten wurde schlauerweise deaktiviert. Nun machte ich mich zur Dokumentenausgabe, an der es möglich ist, Geld zu wechseln, woanders natürlich nirgends.
Also wartete ich brav…160. BINGGG. 161. BINGG.162. Panik überflog mich, noch zwei Nummern.
Dann grandiose Idee, Nummer mit anderen tauschen, Zack hochgestuft auf 171. Ich fühlte mich wie in einem Videospiel. Level 1 erledigt.
Extra-Leben: Papi und Rotzgör fertig mit Reisepass abholen, ich endlich Kleingeld.
Schnell zum Fotoautomaten, Geld rein, Klick, Klick, Klick. Drei Versuche, die Nummernanzeige nervte mit Nummer 167. 140 Sekunden Bildausgabe. 168,169,170.

Wir sahen schon die zweite Nummer verfallen, doch erstmal blieb die Anzeige stehen. Spannung. Dann, Gottseidank, die Fotos. PUH.
Herzlichen Glückwunsch, sie haben Level 2 unbeschadet überstanden.

Meine Freundin ist wirklich eine der hübschesten Menschen, die ich kenne.
Aber irgendetwas Böses macht‘s möglich, dass man grundsätzlich auf den Fotos für Personalausweis, Führerschein etc. völlig behämmert aussieht.
In ihrem Fall wie eine symmetrisch gewachsene, blasse Kartoffel mit schwarzen Haaren dran.

Die Anzeige steht weiterhin auf 170. Aber ‚‚schnell“ geht es dann natürlich nicht. 15 Minuten später, sitzen wir vor der Mettwurstgesichtigen Bearbeiterin (Endgegner), die ihre ganze Wand mit Autogrammkarten tapeziert hat.
Ich finde das unfassbar und studiere alles mit offenem Mund (Andy Borg, Kastelruther Spatzen, Alexandra Neldel, Matthias Reim usw.).
Nebenbei hörte ich die lebendige Fleischware zu der Passfotokartoffel sagen, dass für einen vorläufigen Perso 22 Euro erhoben werden, zusätzlich zu der Gebühr von acht Euro.

Hamwa nicht, gibt es nich, könnwa drauf verzichten. Unser Gegenüber erhob Einspruch und sagte, dass ein Ausweis z.B. in Krankenhäusern benötigt wird.
Also wurde kurzum entschieden, das Kind ganz einfach zu Hause zu gebären, da ja kein gültiger Perso vorhanden ist, klare Sache.

Bloß raus hier. Siegessicher und erleichtert mussten wir noch schnell zum Kassenautomaten (Bonuslevel) und die acht Euro für den neuen Perso zu läppern, am Ende des Ganges.

Auf dem Rückweg registrierten wir die Tafel „Informationen für Ausländer“. Es stand nichts drauf.

God Save the Bürgeramt, es lebe die Bürokratie! Morgen muss ich zum Arbeitsamt!

GAME OVER!

Eure Juju

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