Glenn Astro und sein Niemals-Fertig-Sound

Glenn Astro und sein Niemals-Fertig-Sound

TEILEN

SLEAZE.glenn-astro-presseDarf man alten Romantikern und Miesepetern gleichermaßen glauben, dann war früher so einiges besser. Die Sonne strahlte heller, die Blumen blühten bunter und die Musik klang schöner. Okay, letzteres mag vielleicht bei dem ein oder anderen auf das langsam schwindende Hörvermögen zurückzuführen sein, doch selbst ich als Jungspund kann die These wenigstens ein Stück weit unterstützen. Der ein oder andere wird mir sicher beipflichten, wenn ich sage, dass Miles Davis und John Lee Hooker einfach mehr für die Musikgeschichte getan haben als Justin Bieber und Carly Rae Jepsen. Die alten Jazz- und Funk-Legenden von damals beeinflussen heute noch unzählige Musiker in ihrem Schaffen. Und einer von ihnen ist der junge und talentierte Glenn Astro.

Durch seine langjährige Erfahrung als DJ hat er definitiv ein Ohr dafür, wie was zu klingen hat und zusammen mit Szene-Größen wie Max Graef, IMYRMiND und Lee Webster bringt er in den letzten Jahren immer wieder einen frischen Ansatz, wie House-Musik zu klingen hat. Vom Hip Hop der goldenen Ära beeinflusst, präsentierte er mit seine EPs – unter anderem auf Labels wie Oddsocks, WotNot Music und Box aus Holz – einen Sound, der vor lauter Roughness und Groove keinen Hintern ruhig sitzen lässt. Seine Mischung aus Funk, Hip Hop und House lässt ihn mittlerweile nicht nur durch die heimischen Clubs touren, sondern erfreut sich auch international wachsender Beliebtheit. Mit Throwback feiert Glenn nun sein Debüt-Album, das im Mai als Doppel-LP und im Juni als Download auf dem dänischen House-Label Tartelet Records erscheinen wird.

SLEAZE hat sich mit ihm in Berlin getroffen, um ein wenig über Musik, Namensgebung und sein neues Label Money $ex Records, das er mit Brudi Max Graef zusammen betreibt, zu plaudern:

Dein Debüt-Album “Throwback” steht in den Startlöchern. Kannst du etwas zum Entstehungsprozess sagen?

Das war alles ziemlich spontan… Also ich hatte schon vor, ein Album zu machen, aber ich hatte jetzt keinen speziellen Ritus. Ich hab mir einen Zeitrahmen gesetzt, bis wann ich es fertig haben wollte und dann bin ich es relativ spontan angegangen. Der einzige Plan war, es möglichst wie ein Album klingen zu lassen und nicht wie eine Ansammlung von Club-Tracks. Und dann hab ich drauf los produziert.

Womit produzierst du deine Tracks?

Das ist im Grunde die MPC 2000 XL von AKAI und ein Roland SP404 Sampler, da geht eigentlich alles drüber. Und ein paar Keyboards: Für das Album habe ich viel den Microkorg benutzt und einen JX8P von Roland. Ach ja und der Crumar Performer kam noch dazu, aber der ist nur auf einem Track mit drauf.

Man liest oft, dass du schon mehr als dein halbes Leben auflegst und produzierst. Was passiert, wenn du mal zu alt bist, um im Club zu stehen?

Das frag ich mich auch. Das ist ne gute Frage. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt machen will, dass ich als Rentner immer noch in Clubs spiel. Ich denke, irgendwann ab 40/50 ist es dann auch OK. Wobei das jetzt nicht heißen soll, dass die, die über 40 sind und immer noch auflegen, aufhören sollen, aber ich seh mich da halt auch irgendwie nicht mein restliches Leben nachts in Clubs spielen.

Würdest du sagen, du hast “deinen Sound” gefunden, oder experimentierst du noch viel?

Ich experimentiere immer noch sehr viel. Ich weiß nicht, ob man je sagen kann, dass man “seinen Sound” gefunden hat. Dann könnte ich auch aufhören! Man ist ja immer irgendwie unzufrieden und versucht sich irgendwo anders ranzutasten oder irgendetwas anders zu machen. Klar, man hat so seine Signatur im Sound, aber das ist ja was anderes als zufrieden zu sagen: “So jetzt hab ich meinen Sound gefunden, jetzt mach ich alles nur noch so.”

Welche Musik geht für dich gar nicht klar?

SLEAZE.glenn-astro-cover
Endlich: das glenniale Debüt-Astro

Abgesehen von Nazi-Rock oder sowas gibt’s das glaub ich nicht. Mir fällt nix ein, wo ich sage “Da könnt ich kotzen” oder sowas. Alles was nationalistisch angehaucht ist, da schalt ich natürlich ab.

Wenn du dich selbst in eine Schublade stecken müsstest, welche wäre das?

Gar keine. Ich würde mich auf den Schrank stellen.

Mit Max Graef zusammen hast du jetzt das Label Money $ex Records gegründet. Ist der Name auch Programm, was ist eure Vision?

Naja, der Name ist natürlich nicht Programm, ich hoffe das ist schon irgendwie allen klar, dass der mit einem zwinkernden Auge gemeint ist. Ich hoffe es gibt keinen der jetzt denkt, wir sind auf Geld und Huren aus. Der Name ist mehr aus Jux entstanden. Das Programm steht auch noch nicht so ganz fest, mal sehen wo’s hingeht. Bis jetzt sind wir ganz zufrieden mit der Richtung, in die es läuft.

Wenn man deine DJ-Sets hört, kann man deinen Hip-Hop-Einfluss schwer leugnen. Wie steht’s bei dir mit den restlichen drei Säulen neben dem DJing, wenn man Beatboxing mal als inoffizielles fünftes ausklammert?

(lacht) Naja, also gerappt hab ich nie und B-Boying hab ich auch nie gemacht. Graffiti nur so ein bisschen, da hab ich dann aber frühzeitig aufgehört, als es dann Stress gab. Also, ich bin jetzt kein Tänzer oder Rapper.

Ich als Fanboy muss unbedingt nach Plänen für ein Live-Set fragen.

Ja die hatte ich mal, aber die hab ich wieder nicht mehr. (lacht) Grade konkret nicht, ehrlich gesagt. Ich war da irgendwie ein wenig überfordert. Wenn live, dann wollte ich ohne Computer und da hatte ich irgendwie nie die Zeit für. Und dann hab ich jetzt auch bei Max (Graef) gesehen – und die machen das ja zu zweit –, wie anstrengend das ist. Da hab ich noch nicht den Mut gehabt irgendwas aufzubauen. Wird wohl noch dauern, wenn überhaupt.

Und dann wäre da natürlich auch noch die obligatorische Frage: Wie bist du auf den Namen “Glenn Astro” gekommen?

(lacht) Das wurde ich grade auch schon gefragt. Da gibt’s leider keine coole Story… Viele ziehen immer den Schluss, dass es so eine Hommage an Glenn Underground sein soll, das ist es aber leider nicht. Ich hatte vorher noch ganz viele schlimme Namen. Als ich mir den Namen damals angelegt hab, das war so vor 5-6 Jahren ungefähr, habe ich sehr viel Family Guy geguckt und da fand ich halt den Charakter Glenn Quagmire so geil und dachte mir, Glenn ist ein ganz cooler Vorname. Dann musste ich noch irgendwas dranhängen und dachte mir, “Space” wäre irgendwie zu lächerlich und dann hab ich mich eben für Astro entschieden, um noch irgendwie so einen kosmischen Bezug zu haben.

Hast du zum Abschluss noch einen von den anderen schlimmen Namen?

Oh ja, Still Ill gab’s ne Zeit lang. Ich hieß auch mal C.R.E.A.M., aber das waren so Abkürzungen, wo ich jetzt nicht mehr so ganz weiß, was diese Wörter dazwischen waren. Das war in Anlehnung an diesen Wu-Tang-Track.

Daniel

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen