Glamourös überholt

Glamourös überholt

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trotti

Das Album wurde ausnahGiuda Album Covermslos mit analogem Vintage-Equipment aufgenommen und mit Intrumenten aus den 70ern eingespielt. Die Rockband aus Italien will den Glam-Rock, wie ihn Slade oder The Sweet populär machten, wieder zurück auf unsere Plattenspieler befördern.

Gleich die ersten Lieder sind wirklich klassischer Rock wie aus dem Bilderbuch. Damals waren genau das die Skandal-Songs, doch heute ist es leider etwas abgedroschen. Vor 40 Jahren hätte „Mama Got The Blues“ sowohl textlich als auch musikalisch eine echte Hymne werden können, da es mit Klassikern auf jeden Fall mithalten kann. Andere Stücke wie „Watch Your Step“ klingen so glamourös wie ein Lenny Kravitz-Song, der von ihm nur mit Lederjacke und Sonnenbrille präsentiert wird. So verläuft auch die gesamte Platte: ein Mix aus Glam-, Retro- und Classic-Rock. Dazu gibt es noch eine versteckte Hommage an AC/DC im Song „You can do everything“, in dem die „Oi, oi, oi“-Rufe wie sie auch in „T.N.T“ vorkommen, zu hören sind. Auf eine Ballade oder härteren Rock haben die Italiener verzichtet, obwohl sie mehr Abwechslung in die gleichbleibende Dynamik der Platte gebracht hätten.

Leider haben Giuda es versäumt, ihrem Sound eine neue Nuance zu verleihen, die sie unterscheidet von anderen. Sie nutzen alle gängigen Merkmale dieses Genres wie Songs, die nur aus wenigen Akkorden bestehen, kleine Keyboard-Parts und melodische Gitarrensoli, die in diesem Fall keine Sekunde im Ohr hängen bleiben. Eine reine Imitation vergleichbarer Lieder wie „Get It On“ von T-Rex, dessen Raffinesse es war, dass dies zur damaligen Zeit eben noch keine typischen Charakteristiken waren. Zweifelsohne beherrschen Giuda ihr Genre und lassen bestimmt das ein oder andere Rocker-Herz hochschlagen. Trotzdem fehlt es ihrer Musik an Persönlichkeit, denn auch wenn die 70er teilweise überflutet wurden von Glam-Rock-Alben, haben die meisten Bands ihren ganz eigenen Stil gehabt. Pink Floyd oder Kiss sind mit ihren außergewöhnlichen Werken bis heute Kult.

So wirken die fünf Römer nur wie eine Revival-Band der Blütezeit dieser Rockmusik. Denn es ist ihnen wirklich gelungen, den Sound der Klassiker zu imitieren. Dazu beigetragen haben auf jeden Fall das Equipment und vermutlich auch das Produzentenduo Danilo Silvestri und Lorenzo Moretti. Letzter ist auch Gitarrist der Band. Giuda (italienisch für Judas) sind 2007 aus der Punkband Taxi hervorgegangen, die Lorenzo und Sänger Tenda gegründet haben, jedoch bald wieder auflösen mussten aufgrund des plötzlichen Todes des Schlagzeugers. Doch bald schon wurden drei neue Musiker gefunden und mit „Speaks Evil“ veröffentlichen Giuda bereits ihr drittes Studioalbum.

Giuda by Alan Piras_Small

Trotz fehlender Originalität macht das Album immer noch Spaß zu hören und spätestens wenn Lorenzo die Gitarre aufheulen lässt, ist man zwangsläufig fasziniert und Teil dieser Retro-Welt. Doch das Ganze ist eben nur sehr kurzweilig und bleibt nicht haften. Ich glaube auch nicht, dass es hier bei mehrmaligem Hören noch viel zu entdecken gibt. Damit ist „Speaks Evil“ ein Album für Classic-Rock-Nostalgiker, die in ihrer Plattensammlung neben Led Zeppelin und Golden Earring noch ein paar neue Gesichter haben wollen, die nicht versuchen, den geliebten Rocksound zu modernisieren.

Maurin

Interpret: Giuda
Album: Speaks Evil
VÖ: 20.11.2015
Label: Burning Heart

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