Ghostbusters: Legacy: Geisterhafter Generationswechsel

Ghostbusters: Legacy: Geisterhafter Generationswechsel

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Der Respekt ist Ghostbusters: Legacy (OT: Ghostbusters: Afterlife) anzumerken. Auf Zehenspitzen wagt sich der Film an ein Vermächtnis mit Kultstatus heran.

SLEAZE + Ghostbusters: Legacy
Who you gonna call? Alter! Sichi, dass du dich nicht verwählt hast???

In den 80ern begründeten die zwei originalen Ghostbusters-Filme ein medienüberspannendes Franchise, das zuletzt einen Flop auf der Leinwand erlebte. Der einfach nur Ghostbusters betitelte Film von 2016 wurde zum millionenschweren Misserfolg, um den sich zuvor reichlich Lärm ob seines weiblichen Geisterjägerteams ansammelte. Der neuste Ableger bleibt dagegen in der Familie und nähert sich vorsichtig den Ursprüngen an.

Es ist nun nicht mehr Ivan Reitmann (der die Ur-Teile inszenierte), sondern Sohn Jason (Up in the Air), der sich als Regisseur dem Nachfolger annahm. Dieses Familienprojekt ist gewissermaßen eine Herzensangelegenheit ohne das Risiko eines großen Wagnisses.

Mit einem für das Mainstreamkino recht schlanken Budget in Höhe von kolportierten 75 Millionen US-Dollar folgt er nicht der zuweilen bemühten Blockbuster-Logik vom Größerwerden und Schnellersein.

Schon sein Ortswechsel ist eine Entschleunigung in sich: den urbanen, feuchten Schluchten New York Citys stehen nun die weiten Felder und der stille Horizont eines kleinen Ortes in Oklahoma gegenüber.

Entspanntes Old-School-Abenteuer

In diesen nämlich verschlägt es das neue Charakterensemble rund um die beiden Kinder Phoebe (Mckenna Grace) und Trevor (Finn Wolfhard), zwei stereotypische US-Teenager und -Gegenpole. Phoebe, die intellektuelle und wortgewandte, introvertierte und zugleich kecke Wissenschaftsanhängerin und Trevor, der größere, etwas stumpfe und nach außen gerichtete Bruder.

Gezwungenermaßen ziehen sie mit ihrer latent lebensmüden Mutter Callie (Carrie Coon) ins heruntergekommene Farmhaus ihres verstorbenen Großvaters, nachdem sie aus ihrem urpsprünglichen Zuhause geworfen wurden. Merkwürdige Erdbebenereignisse und scheinbar übernatürliche Vorkommnisse streuen aber Zweifel an der Idylle der Kleinstadt, die für die dortige Jugend ein Kaff im Nirgendwo ist.

SLEAZE + Ghostbusters: Legacy
Respekt vor dem Damals: die Geisterfalle.

Für den Film ist der Umzug der Auftakt einer sich langsam öffnenden Spurensuche im Stile eines detektivischen Jugendabenteuers, das mit einer angenehmen Ruhe nach den Anknüpfpunkten zu seinen Vorgängern sucht – und zugleich einen Generationswechsel vollzieht.

Es sind die Relikte einer vergangenen, teils schon vergessenen Zeit, die auffällig in den Blick rücken. Die Geisterfalle oder auch der legendäre Ecto-1, mit dem Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson und der 2014 verstorbene Harold Ramis einst durch die Straßen New Yorks rasten, sind Motive, die Jasons Stammkameramann Eric Steelberg ganz genau und aus verschiedenen Winkeln in den Fokus seiner Linse nimmt. So, als gehe man durch ein Museum der Erinnerungen, das noch leise die Geschichten einer längst vergangenen Ära flüstert.

Damals vs. Heute

Ghostbusters: Legacy weiß genau um diese Vergangenheit und ist mit seinem abenteuerlichen, traditionell klingenden Soundtrack und entspannten wie fokussierten Erzähltempo ein neugieriges Kind jener 80er, das den Erzählungen von einst lauschte und nun selbst in ihrer Tradition die Geschichte weitererzählen möchte.

Und das mit authentischen Charakteren, denen trotz einer gewissen stereotypischen Aufgabenerfüllung ausreichend Raum für ein Eigenleben bleibt. Sie dürfen gleichsam schrullig und vom Leben enttäuscht sein.

Sie sind Figuren mit humoristischen wie dramatischen Ecken, die nicht im Sinne einer massentauglichen Milde allzu glattgeschliffen wurden. Ihre Kanten spitzen ihren Witz, ihr Drama und letztlich ihr Zusammenspiel.

Symbiose von Vergangenheit und Gegenwart

Und das ist von entscheidender Bedeutung. Denn auf allzu großes Spektakel, welches für den ein oder anderen Zuschauer narrative Lücken womöglich füllen könnte, verzichtet der Film weitgehend.

Erst später entladen sich einige wenige, sorgsam eingestreute Actionsequenzen, die nie aus dem Ruder laufen. Seine Old-School-Attitüde verbietet ihm den Hirnschmelzexzess manch anderer, größerer Produktionen.

Vielmehr bilden die „Ghostbusters: Legacy“-Charaktere und die sich mehr und mehr aufdrängende Vergangenheit das Epizentrum dieser Geisterjagd, die denn auch mit einigen leichten sowie gewichtigen Anspielungen und Verbindungen ins Damals aufwartet.

Und obwohl der Film so sehr an seinen Vorgängern und Vorbildern hängt, schafft es Ghostbusters: Legacy trotz nostalgischer Momente und Höhepunkte, eine eigene Geschichte im Rahmen seines Sequel-Daseins zu erzählen.

Und die ist eine über Neuanfang und Vergangenheitsbewältigung, die lange Zeit leichtfüßig mit lässigem Mundwerk nach den Geistern sucht, kleine und größere Romanzen einstreut und sich nie ernster nimmt als nötig.

Ihre jugendliche Frische bewahrt sie vor einer allzu pathetischen Verneigung vor dem, was war. Gleichzeitig speist sie hieraus ihre bewegendsten Augenblicke. Und auf den Schultern Carrie Coons als ausgelaugte Mutter mit unterschwelligem Witz lastet ohnehin die Enttäuschung des Vergangenen.

Eine Aufgabe, die auch für Phoebes kuriosen Lehrer Gary (Paul Rudd) bei ersten, staksigen Anbandelungsversuchen nicht einfach zu stemmen ist. Es ist der alles definierende Konflikt zwischen Damals und Heute, der keiner sein muss. Auch das stellt der Film fest.

SLEAZE-Fazit?

Ghostbusters: Legacy fühlt sich nach einer Herzensangelegenheit an und das ist vielleicht eines der größten Komplimente, welches man ihm machen kann. Mehr als dreißig Jahre sind seit dem zweiten Teil der Originalfilme vergangen und nun ist es der Sohn, der die Geschichte des über die Schulter blickenden Vaters als neuer Mann auf dem Regiestuhl weitererzählt.

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Weder Film noch Sohn begehren auf oder stemmen sich gegen die Historie, sondern fügen ihr unaufgeregt und schmerzlos ein neues Kapitel hinzu. Jason Reitman beschwört ruhigen Schrittes die Geister einer neuen Generation und vergisst nicht, wem er diese Möglichkeit zu verdanken hat.

Das ist altmodisches, ungehetztes und liebenswertes Filmemachen, das nichts grundlegend Neues wagt.

ABER… als Antithese zu manch lärmenden, ermüdenden und aufgeblähten Mega-Franchises eine angenehme Entschleunigung im / zum Mainstream-Kino darstellt.

Alex

Titel: Ghostbusters: Legacy (OT: Ghostbusters: Afterlife)
Kinostart: 18.11.2021
Dauer: 124 Minuten
Genre: Abenteuer, Komödie, Fantasy
Produktionsland: Kanada, USA
Filmverleih: Sony Pictures

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