Ghost of Tsushima – Director’s Cut: Sony-Samurai kehrt zurück

Ghost of Tsushima – Director’s Cut: Sony-Samurai kehrt zurück

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Vergangenes Jahr übertraf das Sony-Studio Sucker Punch (Infamous, Sly 1-3) mit ihrer epochalen Erzählung über den brutalen Krieg zwischen Mongolen und Samurai alle Erwartungen. Mit dem Director’s Cut von Ghost of Tsushima können wir wieder in die farbenfrohe Natur eintauchen, die die Insel zu bieten hat.

SLEAZE + Ghost of Tsushima: Director's Cut
Insel Iki braucht sich nicht zu verstecken. Auch sie lädt zum Erkunden ein und ist liebevoll designt.

Und noch mehr: Denn neben einigen optischen sowie spielerischen Verbesserungen erleben wir zudem eine völlig neue, wenn auch vergleichsweise kurze Geschichte, die den Protagonisten Jin Sakai auf die Insel Iki führt. Es erwarten uns neue Kämpfe, nie dagewesene Gefahren und eine fesselnde Konfrontation mit der Vergangenheit.

Der Adler und die Schamanen

Am Strand von Tsushima deckt Jin Sakai eine neue Gefahr auf. Mongolische Schamanen, ein neuer Gegnertyp, der andere Feinde stärker und schneller macht, vergiften die Menschen, die daraufhin mit qualvollen Angstzuständen zu kämpfen haben. Zwar besiegt Jin alle Feinde, die sich ihm in den Weg stellen, doch er erfährt, dass die Mongolen die Insel Iki eingenommen haben und Tsushima ihr nächstes Ziel werden könnte.

Furchtlos wie ein Samurai bereist Jin die kleine Insel, die in etwa ein Viertel so groß ist wie Tsushima, wird allerdings gefangen genommen und von der Anführerin der Schamanen vergiftet. Jin entflieht dem „Adler“, wie sie genannt wird, durchleidet aber schreckliche Halluzinationen und muss sich im Kampf gegen die Mongolen auch seiner Vergangenheit stellen.

SLEAZE + Ghost of Tsushima: Director's Cut
Wie kann etwas so Schönes gleichzeitig so viele Gefahren bergen?

Die Erweiterung ist ab Akt 2 verfügbar. Der Fortschritt in der Haupthandlung spielt zwar keine Rolle, da sich der Schwierigkeitsgrad automatisch anpasst und die Story kaum Bezug zu den Geschehnissen auf Tsushima nimmt, dennoch wird ein Detail im DLC verraten, welches das Ende des Hauptspiels betrifft. Warum Sucker Punch da keine Alternativlösung finden konnte, wo das Studio doch sonst auf fast jedes Detail Acht gibt, will sich mir nicht erschließen.

Neue Insel, neuer Spaß

Auf der Insel Iki erwartet dich eine längere Questreihe, für die du 4-5 Stunden aufbringen musst. Hört sich zunächst nicht nach viel an, aber es erwarten dich einige Nebenquests, Herausforderungen und Sammelaufgaben. Insgesamt kann man also bis zu 12 Stunden auf Iki verweilen.

SLEAZE + Ghost of Tsushima: Director's Cut
Bist du der beste Schwertkämpfer? Beweise dein Geschick in den neuen Kampfherausforderungen.

Die Insel ist dabei ähnlich bunt und abwechslungsreich wie Tsushima. Und obwohl sie bei weitem nicht so gewaltig wie die Hauptinsel ist, hat sie doch ihren eigenen Charm. Auch hier beweist Sucker Punch erneut, wie man mit viel Liebe fürs Detail eine stilistisch beeindruckende und trotzdem glaubwürdige Spielwelt entstehen lassen kann. Iki lädt zum Erkunden ein und ist zudem gefüllt mit neuen Aufgaben, die in ihrer Masse doch etwas repetitiv ausfallen. Kenner des Hauptspiels wissen aber, dass es sich auf der riesigen Spielwiese Tsushima nicht anders verhält.

Die neuen Tätigkeiten fügen sich dafür sehr gut ins restliche Spiel ein. Du kannst jetzt beispielsweise Bogenherausforderungen meistern und bestimmte Talismane verbessern. Darüber hinaus gibt es haufenweise neue Stirnbänder, Masken und Hüte zu sammeln.

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Ein Spiel, das auch die PETA zufriedenstellt.

Außerdem kann man nun an bestimmten Stellen mit der Flöte in Form eines Minispiels die Fauna auf Iki anlocken. Denn anders als auf Tsushima gibt es hier Tiere wie Affen oder Katzen. Und ja, man kann sie alle streicheln. Danke, Sucker Punch!

Eine schmerzvolle Reise in die Vergangenheit

Wie bereits angeschnitten, wird Jin vom Adler vergiftet und zunehmend von Halluzinationen geplagt. Diese werden nicht nur klasse in die Erzählung eingebunden, surreale Ereignisse können auch überall auf der Spielwelt vorkommen und erinnern teilweise an Batman: Arkham Knight, wo sich Halluzinationen unterschiedlich stark auf die Umgebung ausgewirkt haben.

In Ghost of Tsushima kann es passieren, dass wir des Adlers Stimme an bestimmten Orten im Spiel zu hören bekommen, aber auch in Momenten vor einem Kampf, wenn uns die Puste ausgeht oder wenn wir von einer hohen Stelle fallen. Ein besonderer Moment für mich war, als ich auf einer Brücke stand und sich plötzlich die Szene mit Khotun Khan, der uns relativ zu Beginn von einer Brücke warf, ganz ähnlich erneut abspielte – mit dem einzigen Unterschied, dass Jin dieses Mal nicht 120 Meter in die Tiefe fallen musste.

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Momente zwischen Jin und seinem Vater werden in spielbaren Rückblenden erzählt.

Das ist aber noch lange nicht die schmerzhafteste Erinnerung, denn die Insel Iki ist der Ort, an dem Jins Vater ermordet wurde. Mit diesem Gedanken hat er in der Story immer wieder zu kämpfen. Noch komplexer wird es dann, wenn er sich mit einer Bande von Plünderern zusammenschließen muss, um den Adler aufzuhalten. Denn dieser Trupp kann Samurais nicht leiden und vor allem nicht Jins verstorbenen Vater. Er ist nämlich derjenige, der vor Jahren noch Insel Iki besetzt und ihre Bewohner gefangen genommen oder umgebracht hat.

Dieser Konflikt treibt die Handlung gut voran und lässt uns eine noch engere Bindung mit dem Protagonisten eingehen. Die Questreihe auf Iki hält mit der starken Haupthandlung mit und lässt trotz des schnelleren Erzähltempos keine Storytiefe missen. Es ist eine aufregende und emotionale Reise, die in einem spektakulären und harten Kampf endet.

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Wieder mit dabei: spannende Samurai-Duelle.

Was alte und neue Spieler noch wissen müssen

Mit dem Director’s Cut kannst du die aufregende Geschichte von Jin Sakai erneut erleben, nun auch in 4K sowie 60 Bildern pro Sekunde – sofern du auf der PlayStation 5 spielst. Auf der PlayStation 4 fallen keine optischen Verbesserungen auf.

Der Datentransfer auf die Next-Gen-Konsole geht schnell und unkompliziert vom Hauptmenü aus. Ein anderer Grund aufzustocken: Ghost of Tsushima profitiert vom PS5-Controller mit seinem haptischen Feedback, wenn auch nur bedingt. Der wahre Stern bleiben die 60 FPS. Da kann vermutlich auch der Legenden-Modus, Ghost of Tsushimas hauseigener Mehrspieler, der nun auf der PS5 spielbar ist, niemanden so richtig von den Socken hauen.

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Haben Sie einen bärtigen Spartaner mit seinem Sohn vorbeilaufen sehen?

Was sich PS4- und PS5-Besitzer sowie Käufer der Standard- und Director’s-Cut-Edition teilen dürfen, sind kleine Verbesserungen und Funktionen wie alternative Controller-Layouts, das Ausblenden des Köchers und das Anvisieren von Gegnern beim Kampf. Besonders Letzteres dürfte viele erfreuen, da nun präzisere Schwertduelle möglich sind.

Während die Neuerungen recht überschaubar ausfallen, wird es bei der Kostenfrage etwas unübersichtlich. Besitzer der PS4-Fassung zahlen für das Next-Gen-Upgrade 10 Euro; die Director’s-Cut-Erweiterung allein kostet 20 Euro. Wer von der Standard PS4-Version auf die Director’s-Cut-PS5-Version aufrüstet, zahlt dann 30 Euro. Und für alle, die Ghost of Tsushima zuvor nicht ihr Eigen nennen konnten, kostet die Director’s-Cut-Edition auf der PS4 70 Euro und auf der PS5 80 Euro.

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Ein letzter Blick auf die traumhafte Insel Iki.

Fazit

Ghost of Tsushima: Director’s Cut präsentiert zwar eine kurze, dennoch sehr persönliche neue Geschichte, die Jins Vergangenheit und den Verlust seines Vaters in der Vordergrund stellt und in einer komplexen Erzählung mit neuen Nebenfiguren erstaunlich viel Tiefe verleiht.

Neben einigen kleineren Neuerungen darf man auch eine neue Insel erkunden, die in meinen Augen eine gute Größe besitzt. Ich habe in meinen 12 Stunden mit allen Nebenaufgaben und Herausforderungen viel Freude gehabt und – anders als im Hauptspiel – fühlte ich mich von der Summe der Aufgaben nicht überfordert, eben weil es eine überschaubare Menge ist, die nicht allzu repetitiv ausfällt.

Für alle Fans des Hauptspiels und von Open Worlds eine klare Empfehlung!

San L

Titel: Ghost of Tsushima: Director’s Cut
Entwickler / Publisher: Sucker Punch Productions / Sony Interactive Entertainment
VÖ: 20. August 2021
Plattform: PlayStation 4

Ich habe Ghost of Tsushima: Director’s Cut auf der Standard-PlayStation 4 getestet.

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