Gemütliches Drama

Gemütliches Drama

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Erst kürzlich gewann Ken Loach (Jimmy’s Hall) mit seinem Film I, Daniel Blake die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes. Das Drama wirft einen ungeschönten Blick auf den Sozialstaat Großbritanniens und macht durch manche Ungerechtigkeiten schlicht wütend. Diesen Zorn kitzelt Mark Noonans Wohlfühl-Sozialdrama eher nicht hervor: Viel zu seicht und lieb inszeniert der Ire die Geschichte um den eben erst entlassenen Will (Aiden Gillen, Game of Thrones), der sich nach dem Tod ihrer Mutter um die schlagfertige, an Narkolepsie leidende Stacey (Lauren Kinsella) kümmern muss – und sie deshalb zu sich in den Trailerpark holt.

SLEAZE+Drama-Familienbande
Auf dem Pfad der Parks.

Und dieses Duo ist es auch, dass dem Film immerhin einen kleinen Lebenshauch gewährt. Die Wortgefechte, zum Teil improvisatorisch ergänzt, sind komisch und authentisch zugleich, was vor allem am unaufgeregten Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller liegt. Wie die kleine Stacey in ihrer liebenswert direkten, schroff wirkenden Art ihren Vormund ein ums andere Mal mit nackten Fakten konfrontiert, gehört schon zu den Höhepunkten des Films, der ansonsten kaum mehr weiß, als seiner braven Formalität zu folgen.

SLEAZE+Drama-Familienbande
Charmanter als in GoT: Aiden Gillen

Der Plot leidet dabei stark unter einer bekannten Struktur auf der einen und einem gleichzeitigen Dahindösen auf der anderen Seite. So ist die wiederkehrende Dramatisierung und das Zusteuern auf einzelne Höhepunkte wenig konsequent, da man sich offenbar einen gewissen Realismus beibehalten wollte – was hier wenig Sinn macht, denn in dieser Kombination stehen sich beide Motive als abstoßende Kräfte gegenüber.

Der Regisseur weiß in der Szenengestaltung auch nicht mehr zu zeigen als das ständige Nahsein an seinen Figuren. Die stets leicht unruhige Kamera folgt ihren Akteuren durch die irische Ländlichkeit (integriert diese aber kaum in die Geschichte) und nur selten sticht ein Bild heraus, das mehr zu sagen hat als die reine Betrachtung von Aktion und Reaktion. So mag man das Gefühl nicht loswerden, dass der Ire so niemanden richtig vor den Kopf stoßen wollte. Er blickt zwar auf große Themen, bringt es aber nicht fertig, sie intensiv umzusetzen. Im Kern ist der Film ein durchaus brodelndes Sozialdrama – in dieser Umsetzung jedoch vielmehr die köchelnde Feel-Good-Version von thematischen Gewichten wie Ehe, Alkohol, Schuld und Sühne. Und so bleiben vor allem die amüsanten Momente zwischen der Waise Stacey und ihrem, zunächst gezwungermaßen, einspringenden Ziehvater, die aber selbst für die knackige Länge von rund achtzig Minuten viel zu wenig Substanz haben, um den Film zu tragen.

Alex Warren

Titel: Familienbande
Regisseur: Mark Noonan
Laufzeit: 81 Min.
VÖ: 20.05.2016 (DVD, Blu-Ray, VoD)
Verleih: Pandora Film Verleih

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