Gegen Waffen aus dem 3D-Drucker

Gegen Waffen aus dem 3D-Drucker

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Flugzeugteile, Prothesen und Implantate, Brillengläser, Zahnkronen, Schuhe und Schokolade – ziemlich schräg, was heute alles aus einem 3D-Drucker kommen kann. Schicht für Schicht, gefühlt wie aus dem Nichts.

US-amerikanischen Forschern ist es in diesem Jahr sogar gelungen, Blutgefäße und Luftwege einer Lunge mithilfe eines 3D-Druckverfahrens funktionsfähig nachzubilden. Wir werden wohl irgendwann nie mehr sterben.

SLEAZE + 3D-Waffen-Sabotage
Schon jetzt kann viel zu viel (Schlechtes) gedruckt werden…

Die 3D-Technologie, die bisher noch sehr aufwändig und teuer ist, führt in vielen Branchen bereits zu großen Innovationen und lässt Zukunftsvisionen entstehen. Vor allem im Flugzeugbau wird schon vermehrt auf 3D-Drucken gesetzt, denn damit können neue, viel leichtere Bauteile hergestellt und so der Treibstoffverbrauch eines Flugzeugs verringert werden.

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So gut und fortschrittlich das klingen mag, mit so einem 3D-Drucker können Menschen auch auf weniger bereichernde Ideen kommen: Mit Genehmigung von US-Präsident Trump veröffentlichte Defense Distributed im vergangenen Jahr Baupläne für Schusswaffen zum 3D-Drucken. Das von Cody Wilson gegründete texanische Unternehmen hatte bereits 2013 einen Bauplan für die weltweit erste 3D-Drucker-Pistole publiziert.

Ein Gerichtsurteil, das die Verbreitung der Konstruktionspläne für 3D-gedruckte Schusswaffen verbot, umging Defense Distributed, indem die Gruppe die Pläne fortan verkaufte.

Druckvorlagen für 3D-Schusswaffen und -bauteile verbreiten sich mehr und mehr im Internet und der Zugang zu ihnen wird immer einfacher. Mittlerweile gibt es ein richtiges Netzwerk, in dem Waffennarren Baupläne für selbst gefertigte Schusswaffen austauschen.

Verschiedene Waffen wurden extra so entwickelt, dass sie keine Bauteile von offiziellen Waffen enthalten. „Man muss im Grunde nur in einen Baumarkt gehen und kann sich die Teile dort zusammensuchen.“, zitiert der Spiegel den Waffenexperten N.R. Jenzen-Jones.

Ein einigermaßen neues Phänomen sind sogenannte Hybridwaffen. Diese Waffen bestehen in geringem Maße aus Teilen von üblichen Schusswaffen, der Großteil der Bauteile stammt jedoch aus dem 3D-Drucker.

Solch eine Waffe und andere selbstgebaute Schusswaffen nutzte anscheinend auch der Attentäter von Halle. Der Mann scheiterte am vergangenen Mittwoch beim Versuch, schwer bewaffnet in eine Synagoge einzudringen. Nahe der Einrichtung, in der zu dem Zeitpunkt mehr als 50 Menschen versammelten waren, erschoss der Täter zwei Menschen und verletzte zwei weitere Personen.

SLEAZE + 3D-Waffen-Sabotage
Ob nur problematische Einzelteile oder die ganze Knarre – der Drucker macht’s möglich.

In der Politik wurden Diskussionen über mehr Schutz für Synagogen und einen stärkeren Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus angeregt. Doch auch, dass Menschen weltweit – wie auch der Täter von Halle – sich über das Internet ihre eigenen (wenn auch illegalen) Waffen zusammenbauen bzw. ausdrucken können, ist beunruhigend.

Sabotage für gute Zwecke

Dagoma, ein französisches 3D-Drucker-Startup, sieht darin eine ernstzunehmende Gefahr. In Zusammenarbeit mit der Agentur TBWA / Paris hat das Unternehmen die Kampagne ArmesInoffensives bzw. HarmlessGuns ins Leben gerufen. Die Mitarbeiter von Dagoma wollen die starke Verbreitung von frei zugänglichen Waffen stoppen. Dazu sabotieren sie Konstruktionspläne für 3D-Druckwaffen und verhindern so, dass funktionsfähige Waffen und Waffenteile gedruckt werden können.

Über eine Online-Plattform hat Dagoma hunderte von Druckvorlagen für Schusswaffen gesammelt, sogenannte Blueprints. Diese Dateien modifizierten sie so, dass die gedruckte Waffe nicht mehr funktioniert. Es wurden verschiedene Waffenbauteile, z. B. Auslöser oder Magazin, deformiert. Äußerlich soll danach keine Veränderung an der veränderten Datei im Vergleich zur originalen erkennbar sein.

Dagoma konnte mit der Kampagne schon über 400 Drucker-Waffenteile unbrauchbar machen. Das Unternehmen verbreitete die manipulierten Waffen-Blueprints dann mithilfe von Fake-Profilen dort, wo man die Originale fand, in Foren, auf sozialen Plattformen usw. Innerhalb von acht Monaten wurden über 13.000 Harmless Guns heruntergeladen.

Aber werden so wirklich Menschen, die ernsthaft eine Waffe haben wollen, davon abgehalten? Werden diese Menschen nicht versuchen, die richtigen Dateien oder einen anderen Weg zu finden?

SLEAZE + 3D-Waffen-Sabotage
Knarren so modifizieren, dass sie nicht funzen? Super!

Noch effektiver scheint mir ein an die Kampagne anschließendes Projekt: Dagoma hat eine Software entwickelt, die 3D-Waffen-Dateien erkennt und deren Druck verhindert. Die Open-Source-Software kann auf der offiziellen Website von Dagoma frei heruntergeladen werden. Deshalb appelliert Matthieu Regnier, CEO bei Dagoma: „Die gesamte 3D-Industrie kann sich uns in diesem Kampf anschließen.“

Moment mal… Wäre so eine Sabotage-Kampagne nicht auch eine gute Idee für alle Rüstungsindustrie-Unternehmen? Ach ne, Deutschland ist ja viertgrößter Waffenexporteur, da geht es ja um Lebääää…Arbeitsplätze.

Nele

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