Gegen die Gene: Code of Survival

Gegen die Gene: Code of Survival

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Wo kaufst du deine Lebensmittel? Gehst du einfach die Ecke runter zum nächsten Discounter? Oder flanierst du gemütlich mit dem Jutebeuel zum nächsten Denn’s Biomarkt? Bist du noch von der ganz alten Schule und shoppst fröhlich auf dem Samstagsmarkt, wo du nebenbei noch ein Schwätzchen mit dem lieben Bauer hältst?

Wahrscheinlich eine Mischung aus allem, je nachdem was der Geldbeutel sagt, oder? Denn bekanntlich wächst der Preis proportional mit der Qualität und Herkunft des Produkts. Aber wer sagt, das sei viel zu teuer, der irrt sich, denn macht man sich einmal Gedanken darüber, merkt man, dass die anderen Preise einfach zu billig sind, um echte Qualität zuzulassen.
Wenn man sich nicht auf hohe Preise einlässt, lässt man sich am Ende auch noch auf Gen-manipulierte Lebensmittel ein. Und da sind wir ja uns hoffentlich alle einer Meinung, dass das echt ziemlicher Mist ist. Zum Glück haben wir in Deutschland einen einigermaßen geregelten Umgang mit diesem Thema, aber in den USA zum Beispiel ist man der undemokratischen Macht der Agrarkonzerne hilflos ausgeliefert.

Fröhliche Tee-Ernterei in Indien

Dieser Meinung ist auch die neue Dokumentation Code of Survival. Der Film ist die mittlerweile zehnte Arbeit zu diesem Thema von Regisseur Bertram Verhaag (dessen narrative Stimme leider etwas wie die einer billigen Mediationsanleitung auf YouTube anhört ), der diesbezüglich auch eine klare Meinung vertritt. Und ganz ehrlich, das sollte nach dem urkomischen Interview mit diesem Monsanto-Lobbyisten, der dann plötzlich doch kein Glas mit Glyphosat trinken wollte, jeder von uns.

Der Kontrast der Landwirtschaft

Der Film vergleicht die Unterschiede zwischen dem „klassischen“ Weg der Lebensmittelgewinnung und der „modernen“ mit Genetischer Modifizierung anhand von drei internationalen Beispielen. Zwischen diesen wechselt sie aber immer wieder zurück zu, naja, ländlicheren Teilen der Vereinigten Staaten, wo freudig zu unnatürlichen Hilfsmitteln gegriffen wird, um den Gewinn zu steigern und die Produktionszeit zu verringern. Um den Unterhaltungswert noch zu steigern, reden diese Bauern einen dermaßen amerikanischen Dialekt, dass einem die Ohren schlackern. Aber zurück zu den positiveren Beispielen der Landwirtschaft im Film. Gezeigt werden Farmen in Ägypten, Indien und zu guter Letzt auch im Freistaat Bayern.

Helmy vor seinem Feld in Ägypten

Bei diesen vorgestellten Lebensmittel-Erzeugern handelt es sich fast nur um Bauern, die biologisch-dynamische Landwirtschaft betreiben. Das Besondere an solchen Betrieben ist, dass sie nur Rohstoffe und Hilfsmittel verwenden, die auch aus biodynamischer Herstellung stammen. Es wird also nur der eigene Dünger, der von den eigenen Kühen produziert wird, verwendet. Außerdem schwört man auf die Wirkung von sogenannten biodynamischen Präparaten, welche in Kuhhörner gefüllt und dann vergraben werden. Tatsächlich funktioniert das Vorgehen ziemlich gut, was die erste Station in Ägypten beweist. Eine Oase, mitten in der Wüste erblüht, und das ganz ohne den Einsatz von chemischen Hilfsmitteln, welche ansonsten im Land der Pharaonen ziemlich verbreitet sind. Tatsächlich ist Ägypten das Land, welches am meisten Kunstdünger verwendet. Als nächstes wird eine Tee-Farm im Norden Indiens vorgestellt, welche nach dem gleichen Prinzip anbauen und sogar den Buckingham Palace mit Bio-Tee versorgen. Beide beliefern den deutschen und sehr strengen Bio-Anbauverband Demeter, den jeder kennt, der schon mal in einem Biomarkt war.

Die Reise geht weiter nach Deutschland. Hier wird der Hof eines Schweinezüchters und Landwirts vorgestellt. Er verwendet für die gesamte Produktion auf seinem Gut ebenfalls ausschließlich eigene Produkte und füttert seine Schweinchen nur mit den eigenen Abfallprodukten, welche dann wieder als Dünger aufs Feld gelangen. Ironischerweise ist er vegan.

Biobauer Franz zeigt, wo’s lang geht

Wichtig ist bei diesen Produktionsstätten auch, dass soziale und wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehen. Neben dem biologischen Anbau wird auch die soziale Struktur der Umgebung gefördert. Bedeutet im Klartext, dass Schulen, Krankenhäuser und so weiter gebaut werden. All das spielt in den Preis der Produkte mit ein. Ebenfalls wichtig für die Farmer ist, dass die Landwirtschaft ein kulturelles Erbe ist, es geht um die Liebe und die Erhaltung des Bodens. Er besteht aus vielen Mikroorganismen, die es zu schützen und nicht mit Chemiekeulen zu vergiften gilt. Denn schließlich schadet das ja nicht nur der Umwelt, sondern auch uns. Die Verpestung der Erde kann zu schweren Krankheiten führen, außerdem erhält der Körper weniger wichtige Mikronährstoffe. Und das alles nur, damit die paar wenigen, die in ihren Riesen-Villen Scheine statt Schweine zählen, noch mehr Geld und Macht bekommen, als sie ohnehin schon haben. Industrielle Gier besteht auf unsere Kosten, unsere Gesundheit steht auf dem Spiel, und vor allem auch die Gesundheit unserer Natur, welche es um alle Kosten zu schützen gilt.

Wenn du also anfangen willst, bewusster zu leben und dich in Bezug auf biologischen Anbau und genetische Manipulation von Pflanzen weiterbilden möchtest, dann sieh dir unbedingt Code of Survival an! Das ist ein Thema, was uns alle was angeht und vielleicht schaffst du es nach dem Film dann öfter in den Biomarkt.

Simon

Titel: Code of Survival
Regie: Bertram Verhaag
Laufzeit: 95 Min.
: 1.6.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: PANDORA FILM

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