Ganz schön abgehoben

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Der Termin lag mehr als ungünstig. Am Haupttag der Fashion Week wollte Parrot sein neues Baby Anafi präsentieren. Nicht mitten in Berlin, nein, sondern 21 km von der Stadtmitte entfernt (die übrigens in Kreuzberg liegt und nicht im Bezirk Mitte) auf der Trabrennbahn Hoppegarten.

SLEAZE + Parrot Anafi
Der „Joystick“

Dazu war für die Präsentation inklusive Fahrten vier Stunden einkalkuliert, aus denen dann fünf wurden. …und mich wie schon lange nicht mehr von einem Produkt begeisterten. Wem Parrot nichts sagt: Die Firma ist so etwas wie GoPro mit Flügeln (nur so am Rande: Ich vermute schon lange, dass GoPro irgendwann von Red Bull aufgekauft wird).

Klingt gut? Ist besser!

Parrot stellt also fliegende Kameras her. Auf Neudeutsch: Drohnen. Und was für welche! Ich war sofort verliebt von der neuen Anafi. Das fängt bei den 4K-Aufnahmen in HDR an. Selbst aus großer Entfernung hast du exzellente Bilder.

Dann hat mich an bisherigen Drohnen immer der Akku genervt. Wenn es stimmt, was der extra angereiste Parrot-Mitgründer (und charmanter Witzbold) Henri Seydoux in seiner Präsentation mitteilte, soll die Anafi „echte“ 25 Minuten fliegen. Echt deshalb, weil zwischen Hersteller-Angaben und Wirklichkeit häufig… naja, das weiß ja jeder inzwischen spätestens seit dem Auto-Debakel.

Dr. Ohne – nie ohne ihre Highlights

Sensationell sind auch die verschiedenen Modi der Flugsau(geil)iers. Um die ordentlich zu präsentieren, wurden extra vermeintliche Volleyball-Spieler gebucht, die in der Hitze spielten und der Kamera als Anschauungsmaterial dienten. Ebenso ein Pferd, welches aber aufgrund der Hitze nur eine Runde drehen durfte – und die Drohnen kamen trotz ihrer 50 km/h eh nicht so gut hinterher.

SLEAZE + Parrot Anafi
Action-Modus

Bei den Volleyballspielern war das einfacher. Da du auf deinem Handy mittels Software das Objekt / Subjekt deiner Begierde markieren kannst, kannst du das weitere Filmen und Fokussieren der Kamera überlassen. Sehr praktisch, wenn du z.B. dich selbst filmen möchtest beim Snowboarden oder Autofahren.

Fehlt nur noch – und wird bestimmt kommen – eine wasserdichte Anafi, damit man den Spaß auch beim Kiten, Surfen oder Wasserballett umsetzen kann. Selfie-Sticks waren schon immer scheiße, gehören so aber nun definitiv bald der Vergangenheit an.

Oder das Feature „Dolly Zoom“, bei dem du das Objekt deiner Begierde fokussierst und die Drohne sich beim Filmen entfernt, so dass das Umfeld sich auch entfernt. Etwas schwierig fürs Gehirn am Anfang, aber es entstehen spektakuläre Bildern. Vor allem, wenn das Objekt in einer krassen Umgebung wie z.B. auf einem Berg steht oder so.

Und was ist nun schlecht?

Es gibt noch mehr Hammer-Features, von denen ich schwärmen könnte. Also erstmal etwas abkühlen mit den Manki (oder wie auch immer man den Plural von Manko bezeichnet 😉 ). Offiziell wurde vorab gesagt, dass die Drohne automatisch zurückkommt, wenn der Akku alle ist.

Auch gibt es extra einen „Home-Button“, der deinen Flugsaurier zurückholt, wenn du die Orientierung verloren hast – was bei bis zu vier Kilometer Steuerungsentfernung schon mal vorkommen kann (Achtung! In vielen Ländern ist nur Fliegen mit Sichtkontakt erlaubt.)

Trotz der Auto-Home-Funktion ist den Parrot-Mitarbeitern selbst eine ihrer Drohnen abhanden gekommen – weil der Akku alle war und das Gerät auf einem Hausdach landete. Dass das überhaupt möglich ist, wirkt etwas komisch und sollte von Parrot schnellstens behoben werden.

Ein zweites, generelles Drohnen-Manko ist natürlich die Privatsphäre. Wenn Mauern und Höhen kein Hindernis mehr sind und jeder Durchschnittsspanner aus immer größerer Entfernung filmen kann, wird das demnächst ein echtes Problem – allen verrückten DSGVO-Regelungen zum Trotz.

Und zum Abschluss: Es gibt weitere Funktionen, die du gegen Bezahlung freischalten kannst. Da soll laut c’t eine Funktion bis zu 20 Euro kosten. Das klingt schon etwas happig, aber vielleicht braucht man die Features ja auch nicht unbedingt.

Drohne ohne Dröhnung

Ansonsten kann ich einfach nicht meckern!, wie ein typisches Berliner-Lob formuliert wird. Auch in Gewicht und Lautstärke ist die neue Anafi ein Meilenstein zum Vorgängermodell. Nicht nur, dass man das Gerät nun falten kann und es bedeutend leichter geworden ist – der Sound hat sich merklich verringert. Ein Brummen ist natürlich immer noch deutlich vorhanden, aber man kann sich nun auch eine Zukunft vorstellen, wo Drohnen sogar Audio aufnehmen.

SLEAZE + Parrot Anafi
Laut Parrot-Test leise

Fazit: ICH MUSS DIESES DING HABEN!!! Aber im Ernst. Es ist selten, dass ein Produkt – gerade bei so einer Werbe-Veranstaltung – mich so beeindruckt hat wie die Anafi. Wenn ein längerer Test nicht noch irgendwelche versteckten und sehr, sehr dummen Fehler hervorbringt, können wir das Baby uneingeschränkt empfehlen.

Seit Kurzem kann vorbestellt werden. Also beeil dich: Die Warteschlange wird nicht kürzer!

danilo

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