Für immer der Einzige

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Es beginnt wie im Märchen. Der Franzose Phillipe erzählt von seinem großen Traum, den er sich in New York erfüllen möchte. Doch es ist eine wahre Geschichte. Obwohl fast jeder weiß, dass dem Hochseilartisten sein Lebenswerk gelungen ist, fiebert man mit bis zur letzten Sekunde.

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„The Walk“ erzählt genau, was Phillippe Petit 1974 geschafft hat. Als Kind war er begeistert von Artistik. Heimlich begann der Pariser zu üben und wurde erwischt von Papa Rudy (Ben Kingsley). Er leitete einen Zirkus und wurde so eine Art Mentor für Phillipe. Doch dieser hatte nie die Absicht, in der Manege aufzutreten. Er wollte auf die Straße, die Menschen überall faszinieren. Kaum sieht er zwei vertikale Gegenstände, überlegt Philippe, wie man dort ein Seil dazwischen spannen könnte. Beim Zahnarztbesuch sieht er schließlich ein Bild von zwei Türmen, die bald errichtet werden sollen. Auf der Skizze sieht man, dass diese Gebäude sogar noch größer werden sollen als der Eiffelturm. Endlich hat er ihn, seinen Traum: Phillipe Petit möchte ein Seil zwischen die Twin Towers des World Trade Centers spannen und darüber balancieren. Ohne sein Ziel aus den Augen zu verlieren, tritt er weiter in den Straßen seiner Heimatstadt in Frankreich auf – und trifft dort auf Annie. Eine Straßenmusikerin, die sich aufopferungsvoll der Erfüllung von Philippes Traum widmet. Außerdem begegnet er dem Fotografen Jean-Louis, der zu seinem engsten Freund wird. Als die Zwillingstürme fast fertig gestellt sind, machen sie sich auf den Weg. Die Franzosen stellen ein Team zusammen und fangen an, Phillipes Ziel in die Tat umzusetzen. Dazu gehört, das WTC genau zu studieren, einen Plan zu schmieden und auch die Launen des Hochseilartisten zu ertragen. Dieser wird so sehr von seinem Ehrgeiz gelenkt, dass er Gefahr läuft zu übersehen, wie egoistisch er sich oft verhält.

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Man muss nur einen Blick ins Internet werfen, wenn man es nicht sowieso weiß, und schon sieht man, dass es Philippe Petit gelungen ist, zwischen den Türmen auf einem Drahtseil hin- und herzulaufen. Das Element des überraschenden Schlusses konnte der Regisseur hier also nicht nutzen. Zum Glück versucht Robert Zemeckis es auch gar nicht. Stattdessen versetzt er den Zuschauer in die Gedanken eines Artisten. Er möchte das Gefühl vermitteln, dass Philippe Petit hatte, als er auf dem Dach des Südturmes stand und seinen Fuß auf das Seil setzt.

Mit Filmen wie „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“ hat sich Robert Zemeckis schon längst einen Namen gemacht. Trotzdem scheint „The Walk“ ein ganz besonderes Projekt für ihn zu sein. Es sieht aus, als hätte er sich ein Team aus vielen Freunden zusammengestellt. Den Drehbuchautor Christopher Browne und Produzent Steve Starkey kennt er zum Beispiel von „Der Polarexpress“, den Schauspieler James Badge Dale von „Flight“ und viele andere Crewmitglieder von „Cast Away“ oder „Die Legende von Beowulf“.

Besonders positiv finde ich, dass hier keine auf Action getrimmten Szenen eingefügt wurden und auch das Ende nicht künstlich in die Länge gezogen ist. Der Film bleibt auf diese Weise authentisch und erzählt einfach nur eine Lebensgeschichte, wenn auch eine außergewöhnliche. Joseph Gordon-Levitt verkörpert Philippe Petit außerordentlich gut. Für seine Rolle hat er lange mit dem Original zusammen trainiert, das heute mit 66 Jahren immer noch als Artist auf der Bühne steht. Joseph hat sich nicht nur den französischen Akzent angeeignet, sondern auch immer einen trotzigen Blick in der Mimik, mit unverkennbarer Willenskraft.SLEAZE.the walk 2

Visuell hat der Film einiges zu bieten. Neben der perfekten digitalen Nachbildung der Twin Towers wurde für den Film sowohl die Eingangshalle als auch eines der Dächer nachgebaut. Viele Crewmitglieder, die aus New York stammen, waren wirklich berührt von diesem Anblick.

Das Highlight jedoch ist für mich die Optik des Films. Es wurde viel mit Farben gespielt. Beispielsweise ist alles schwarz-weiß, außer das Baguette in Philippes Hand. Die Kameraarbeit unterstützt die aufwändige Farbauswahl, da es keine ruckartigen Bewegungen gibt. Der Zuschauer hat immer einen klaren Blick auf das Geschehen und befindet sich lange Zeit zusammen mit dem Protagonisten auf dem Drahtseil in schwindelerregender Höhe.

Herausragende Darsteller wie Ben Kingsley und Charlotte Le Bon komplementieren den wirklich gelungen Film, den Philippe Petit höchstpersönlich für extrem realitätsnah hält und sogar ihn noch ins Zittern brachte, ob er es denn diesmal schafft. Er wird der einzige Mensch bleiben, der je zwischen den Twin Towers des World Trade Centers auf einem Seil balanciert ist. An dieses großartige Bauwerk und an das New York und Paris der 70er ist dieser Film zweifelsohne eine riesengroße Hommage.

Maurin

Titel: The Walk
Regisseur: Robert Zemecki
Dauer: 123 Minuten
VÖ: 22.10.2015
Verleih: Sony Pictures

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