Friedhof der Bomberjacken

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Nazi 2.0 – Pimp My Hate

So etwas hat es früher nicht gegeben: Rassistische Schlägertrupps in Hip-Hop-Klamotten und stolze Arier auf der Sonnenbank statt im Schützengraben. Auf dem Christopher-Street-Day sieht man mehr Glatzen als auf NPD-Demos und die alten NS-Uniformen kommen nur noch bei After-Work-Aktivitäten im Formel-1-Milieu zum Einsatz. Seit der Durchschnittsdemokrat Schwierigkeiten hat, das braune Pack überhaupt noch zu erkennen, gelingt es immer mehr Neonazis, ihre rechtsextreme Straßenmode auch in eher alternativen Vierteln anzubieten.

Im dritten Reich war es leicht: Der gemeine Nazi trug Hakenkreuzbinde und Uniform. Zu besonderen Anlässen schlüpfte er auch mal in die hohen schwarzen Stiefel und bizarr-erotische Ledermäntel. In den fünfziger und sechziger Jahren tauschten die alten Kader in Westdeutschland ihre Uniformen gegen Biedermeier-Look und zogen sich zurück in Schrebergarten und innere Immigration. Die 18 Millionen Ostdeutschen hatten das Glück, bereits mit Gründung der DDR zu unschuldigen Opfern des Faschismus verklärt worden zu sein.

Spätestens Anfang der 90er Jahre gab sich der wiedervereinigte hässliche Deutsche dann eher derb: Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel. Gern auch mal eine vollgepisste Jogginghose. Nur die voranschreitende NPD-Führungsriege ist dem Biedermeier-Look der Parteigründer aus den sechziger Jahren stets treu geblieben. Mittlerweile haben auch die rechten Schläger der frühen 90er Jahre, von denen nicht wenige für die NPD in Kreis- und Landtagen sitzen, ihre Springerstiefel gegen biedere Gesundheitsschuhe eingetauscht. Das wirkt gleich viel seriöser und lenkt von den ganzen Vorstrafen ab.

Aber was ist los mit den Nachwuchs-Nazis und Jung-Rassisten, die den alten Männern treudoof hinterher dackeln? Im Gegensatz zur uniformierten Hitler-Jugend wirkt die Voigt-Jugend führerlos. Die milchgesichtigen Nazi-Bubis, die auf Youtube peinlich-stupide Propaganda für die hessische NPD machen, kopieren sogar den Style des politischen Gegners: Sie tragen Palästinenser-Tücher, Basecaps und bunte Streetwear. Der einzige Unterschied: Diese Streetwear ist „von Nazis für Nazis“. Seit sich die bei den Rechten etablierten Marken wie beispielsweise „Lonsdale“ dank konsequenter Werbestrategie („Lonsdale Loves All Colors“) aus der Geiselhaft der Neonazis befreien konnte, stoßen neue Marken in das Vakuum. „Consdaple“ hat konsequenterweise gleich die ganze NSDAP im Namen. Der Markenname „Masterrace“ ist nur erlaubt, weil es sich auch mit „Meisterrennen“ übersetzen lässt. „Rezist“, die gerne Skater und Hip-Hopper verderben würden, spricht sich mit Hasenscharte und dem IQ eines Toastbrots aus wie das englische „Racist“.

Ganz nach oben – oder sollte man sagen nach ganz unten? – hat es die brandenburgische Marke Thor Steinar geschafft. Die NPD-Demos gleichen mittlerweile einer Thor-Steinar-Modenschau. Der grundsätzliche Freakshow-Charme einer Nazi-Demo ist selbstverständlich trotz der Nazis neuer Kleider der alte geblieben.

Fast alle Thor-Steiner-Kleidungsstücke ziert die norwegische Flagge. Das demokratische Norwegen will jetzt nicht länger mit ansehen, wie ihre Flagge auf den Klamotten neonazistischer Rasselbanden verunglimpft wird. Die Regierung hat Anzeige wegen „widerrechtlicher Verwendung staatlicher Hoheitszeichen“ erstattet. Schon jetzt haben Thor-Steinar-Träger in den meisten Bundesligastadien und auch im Bundestag Hausverbot, obwohl sie sich auf den ersten Blick kaum von G-Star, Hilfiger oder Northface unterscheiden. Das mittlerweile verbotene ursprüngliche Firmenlogo bestand noch aus Tyr- und Gabor-Rune – diese Zeichen hatte Hitler als Abzeichen für die Reichsführerschulen und Werwolf-Einheiten verwendet. Zudem spielt Thor Steinar mit nordischer Mystik, die meist mit völkischen Rassenfantasien einhergeht. Der germanische Donnergott „Thor“ ist Teil der nordischen Mythologie, deren Bräuche Neonazis und NPD regelmäßig zelebrieren. Auf neuheidnischen Sonnenwendfeiern wird dann schon mal feierlich das Tagebuch der Anne Frank verbrannt.

Nachdem Uwe Meusel, Geschäftsführer des Thor-Steinar-Vertriebs Mediatex GmbH, bereits Thor-Steinar-Läden in Magdeburg, Leipzig und Dresden eröffnet hatte, ist es ihm jetzt auch in Berlin-Mitte gelungen, einen Hausbesitzer über den Hintergrund seiner „Mode“ zu täuschen. Zwar hat der Vermieter nach Protesten von Anwohnern und Antifaschisten den Mietvertrag für den Laden in der Rosa-Luxemburg-Straße 18 nach nur einer Woche wieder gekündigt, aber dies hat auch in Magdeburg nicht zum geordneten Rückzug der Neonazis geführt. Die Sache liegt bei Gericht. In Rostock konnte ein ähnlicher Laden erst durch den Buttersäure-Anschlag couragierter Demokraten für zwei Monate entnazifiziert werden. Ein gewisser „Odin“ hat sich viel Mühe gegeben, im Internet die Herstellung von Buttersäure zu erläutern. Odin?!? Das ist laut nordischer Mythologie doch eigentlich der Vater von Thor. Verrückte Welt.

Malte

1 KOMMENTAR

  1. so ich wollt mich mal zu dem text äussern!
    super text!(voll im ernst)
    jedoch wie bie vielen anderen werden gabbers,HCs usw in die scheisse gezogen.ich selber habe auch bomberjacke an und 3mm „glatze“ rasiert, werde auch immer gleich als nazi abgestempelt, bin jedoch ein ausländerfreundlicher, neutraler mensch.
    viele sehen gleich einen nazi(und was heisst nazi schon! jeder patriot wäre dann ein nazi…) in mir.
    bitte liebe leser/user stempelt nicht gleich jeden der Hardcore,Gabber,Hardstyle… hört als nazi ab, nur weil gewisse rechtsextreme auf diesen sound abfahren und unnötig auffallen müssen heisst noch lange nicht das alle so sind!

    lg gabber

    PS:ein zitat zu diesem thema das ich mal auf nem bild gelesen hab: Nazionalisten sind nicht menschen die ausländer hassen, sonder menschen die ihr eigenes volk lieben!

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