Free State of Jones: ein freies Land

Free State of Jones: ein freies Land

Im Historienschinken Free State of Jones spielt Matthew McConaughey die Hauptrolle des Freiheitskämpfers Newt Knight. Matthew? Der ist doch bekannt durch Wedding Planner und Fool‘s Gold? Ne warte, durch True Detective? Auf Matthews erstaunliche Rollengeschichte und Transformation in den letzten Jahren komme ich gleich nochmal zu sprechen, zunächst aber mal mehr zum Film.

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As shells explode around them, Newt (Matthew McConaughey) tells Daniel (Jacob Lofland) what to do in battle
Noch als Sanitäter Newt im Schlachthaus Krieg: Matthew

In Free State of Jones hast du die Geschichte davon, wie Matthew eine kleine lokale Rebellion gegen die Südstaaten der USA während des Amerikanischen Bürgerkrieges anführt. Es ist ein interessanter und bisher weniger bekannter Nebenschauplatz des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861-65): Die Südstaaten-Armee und -Regierung plünderte und beschlagnahmte die Ernte, sprich die Essensvorräte der eigenen Bevölkerung während des Krieges. Das ist oft gebrauchtes Kriegsrecht und war früher in Konflikten gang und gäbe: Zunächst müssen die Soldaten zu essen haben, auch wenn die Bevölkerung verhungert.

Matthew, der vor seiner Desertierung im Krieg (auf Seiten der Südstaaten) bereits als Sanitäter gekämpft hatte (also nicht so ganz die übliche Rolle), entfacht aber eine kleine Revolution gegen diese Praktiken. Er ist ein aufrechter und freiheitsliebender Farmer und möchte sich diese Zustände nicht gefallen lassen. Er und mit ihm später andere bewaffnen sich, führen in Mississippi einen kleinen und militärisch erfolgreichen Guerillakrieg gegen die Südstaaten-Armme und rufen den Freien Staat von Jones aus, benannt nach dem gleichnamigen County, in dem die Rebellion begann. So viel zur Geschichte von Free State…, der auch auf einer wahren Begebenheit basiert.

Neben diesem politisch-historischen Anteil besteht Free State… auch aus einigen sehr eindringlichen Schlachtszenen, die mich von ihrer Machart beispielsweise an die Schlacht um Winterfell aus der letzten Staffel von Game of Thrones erinnert haben (das soll heißen, dass diese Sequenzen ziemlich gut gemacht sind!). Diese Szenen ziehen dich als Zuchauer voll rein, indem sie alle Register modernen, packenden Filmemachens ziehen, als da beispielsweise wären: Steady-Cam-Shots in Menschenmengen, total unübersichtliche Schlachtverläufe und sonstige perfekte Art Direction in Massenszenen. Der Streifen ist also gekonnt gemacht von Regisseur Gary Ross, der zuvor schon Pleasantville und Die Tribute von Panem drehte. Die Rebellen sind der Südstaaten-Armee militärisch immer total unterlegen, gewinnen aber dennoch Guerilla-Stil-mäßig, da sie beispielsweise das Gelände nutzen oder die Angreifer aus dem Hinterhalt überrumpeln. Das geht gut runter und kann man sich alles anschauen, sofern man nicht die totale Abneigung gegen Kampfszenen hat.

Interessant an dem Film fand ich auch, dass hier eine kleine, klare und begrenzte Geschichte davon erzählt wird, wie eine Gruppe Menschen an einem Ort gegen die Obrigkeit aufbegehrt. Ziemlich konkret, und so wird Geschichte für die Zuschauer erfahrbar gemacht. Das unterscheidet sich angenehm von anderen Historienschinken, in denen es ja oft um die großen Player oder die großen Geschichten geht (Wie viele Abraham-Lincoln-Filme gibt es beispielsweise, die genau zur gleichen Zeit spielen?). Hier wird tatsächlich (von Hollywood!) die Geschichte des kleinen Mannes erzählt.

Matthew McConaughey and Gugu Mbatha-Raw star in FREE STATE OF JONES
Matthew McConaughey und Gugu Mbatha-Raw als befreite Sklavin

Aber jetzt nochmal zu Matthew, dem Guten, wie am Anfang angedeutet. Um‘s vorweg zu nehmen: Schauspielerisch ist er grandios in Free State…, spielt super intensiv und schon fast getrieben die Story von Newt, der sich eigentlich nie entspannen kann, weil er sein Leben lang kämpfen muss gegen Ungerechtigkeiten. Der Typ ist total gefangen in seiner rückschrittlichen Gegenwart. Und das sieht man Matthews Gesicht und seiner ganzen Körpersprache auch wunderbar an.

Doch Matthew war bis vor ein paar Jahren der absolute Sunnyboy, ein Sexobjekt. Seinen Appeal und seinen hübschen Body verkaufte er hauptsächlich in Romantic Comedys wie Ein Schatz zum Verlieben oder – ein Kandidat für den dämlichsten deutschen Zusatztitel ever – Wedding Planner – Verliebt, verlobt, verplant mit Jennifer Lopez. Dazu noch in Zum Ausziehen verführt oder Wie werde ich ihn los in 10 Tagen. Schon die Titel dieser Filme sind ein Horrorkabinett. Aber irgendwann wandelte sich Matthew dann total, nahm für Dallas Buyers Club ähnlich radikal ab wie einst „Batman“ Christian Bale für The Machinist. Und irgendwie ist er dabei (dadurch? zufällig?) auch ein besserer Schauspieler geworden. So ganz überraschend ist das auch nicht, denn wenn für einen Schauspieler seine physische Form wie ein Instrument ist, dann verändert solch eine extreme Veränderung selbstredend auch das Schauspiel. Und er bekam für Dallas Buyers Club den Oscar, das könnte auch für etwas (Selbst)Bestätigung des „neuen“ Matthews gesorgt haben.

Nach Dallas Buyers Club ging‘s dann weiter mit einem grandiosen Kurzauftritt in The Wolf of Wall Street, Interstellar und True Detective. Viele, viele Hollywood-Schauspieler, selbst relativ erfolgreiche, würden für diese Rollen ihre rechte Hand geben, vermute ich mal stark. Aber hier geht‘s eigentlich gar nicht um schlechte Romantic Comedys (die wird‘s immer geben), sondern schlicht darum, dass man als Zuschauer vom „neuen“ Matthew wie hypnotisiert ist. Der Typ ist einfach dermaßen magnetisch geworden – warum oder wie auch immer. sleaze-free-state3Free State… floppte übrigens an der amerikanischen Kinokasse total und kommt nun in Deutschland direkt auf DVD raus. In dem Fall ist das aber eher unverständlich, denn der Film ist wirklich gut.

Robert

Titel: Free State of Jones
Regie: Gary Ross
Laufzeit: 139 Min.
VÖ: 10.11.2016 (Blu-ray, DVD, VoD)
Verleih: EuroVideo

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