Free Guy: Die lebendige Videospielfigur mit Reynolds-Humor

Free Guy: Die lebendige Videospielfigur mit Reynolds-Humor

Spoilerfreie Filmkritik

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Im Onlinespiel „Free City“, das dem Open-World-Kracher Grand Theft Auto V gleicht, bekämpfen sich Spieler gegenseitig oder machen die Stadt unsicher. Es werden Passanten niedergeschlagen, Banken ausgeraubt und mit Kampfpanzern für Verwüstung gesorgt.

SLEAZE + Free Guy

Mittendrin findet sich „Guy“ (Ryan Reynolds) wieder, ein NPC (non-player character). So nennt man Spielfiguren, die nicht unmittelbar vom Spieler gesteuert werden. Während alle Nicht-Spieler-Figuren einen vorprogrammierten Alltag durchlaufen, bricht Guy aus diesem Zyklus aus, nachdem er auf seine große Liebe trifft. Diese ist aber eine echte Spielerin und so beginnt ein aberwitziges und durchgedrehtes Abenteuer mit einer Prise Liebe, existenzielle Krise und Kritik an der Spiele-Industrie.

Die virtuelle Schlacht

Guy arbeitet als Angestellter bei der Free City Bank und genießt eigentlich seinen Tagesablauf: Er zieht das immergleiche blaue Hemd an, holt sich vor der Arbeit den immergleichen Kaffee und wird in der immergleichen Bank von echten Spielern ausgeraubt. Die Spieler werden als Helden bezeichnet und tragen anders als NPCs immer eine Brille. Mit ihr können sie Power-ups auswählen, durch die Spielwelt navigieren und Missionen wie Banküberfälle starten.

SLEAZE + Free Guy

Nachdem sich Guy auf Anhieb in die Heldin mit dem Gamertag „MolotovGirl“ (Jodie Comer) verliebt, beginnt er sein Leben zu hinterfragen. Als er dann einen Banküberfall verhindert und einem echten Spieler die Brille stiehlt, sieht er die Welt anders: Er sieht sie durch die Augen eines echten Spielers. Er ist nun der Held seiner eigenen Geschichte.

Guy beschließt aufzuleveln und ein Held zu werden, ohne anderen NPCs zu schaden. Schnell wird er zu einem Symbol in Free City – der Held „Blue Shirt Guy“ – und verbündet sich mit MolotovGirl. Er macht sich allerdings auch Feinde aus der echten Welt.

Die Konflikte in der echten Welt

In der echten Welt herrscht ebenfalls Chaos: Milly beziehungsweise MolotovGirl und Keys (Joe Keery) sind ehemalige Entwickler eines innovativen Videospiels, welches aber nie erscheinen konnte. Stattdessen befindet sich der Code im Code von Free City, welches der böse CEO Antoine (Taika Waititi) aber geheim hält. Nicht nur das, er soll in der Fortsetzung „Free City 2“ völlig gelöscht werden. Dieser Konflikt betrifft auch Guy, dessen Welt nun vor dem Abgrund steht.

Ab hier bildet sich eine wirkliche Spannung, da sich die verwobenen Handlungen der echten und virtuellen Welt immer weiter zuspitzen. Vor allem, wenn Fragen aufgeworfen werden, wie „Lohnt es sich, für ein Leben zu kämpfen, welches keines ist?“, geht der Film einen wichtigen Schritt weiter und begeistert. Man darf am Ende auch eine Wendung erwarten, wenn sie auch sicher nicht jeden so unvorbereitet treffen mag.

SLEAZE + Free Guy

Sympathische Figuren, selbst der Antagonist

Mit Ryan Reynolds haben wir einen Comedy-König, dessen eigene Ideen man in Free Guy spürt. Es gibt viel zu lachen und viel zu schmunzeln. Ja sogar die Disney-Marke wurde Reynolds-typisch aufs Korn genommen.

Aber auch sein Kumpel „Buddy“ (Lil Rel Howery) macht einen ordentlichen Job als sympathischer Side-Kick, der in ruhigen Momenten auch weiß, wie er seinen Freund aufheitern kann.

Insbesondere hat mir die Figur Milly beziehungsweise MolotovGirl sehr gefallen. Jodie Comer vereint verschiedene Emotionen und weiß, wie sie diese gezielt präsentieren kann – zumindest in dem Rahmen, die der Film ihr ermöglicht. Sie ist die Kraftvolle, die Entdeckerin, die Verwunderte, die Verletzliche – und sie hat sichtlich Spaß mit ihrer Figur.

SLEAZE + Free Guy

Dann haben wir noch den sympathischen Taika Waititi, der seiner Schurkenrolle, die für meinen Geschmack zu spät und zu selten vorkommt, eine ganz eigene Note verpasst. Der CEO Antoine ist nämlich ein ungewöhnlicher Hipster-Chef, der mit irren Aktionen und witzigen Sprüchen gegenüber seinen Angestellten mich definitiv zum Lachen bringen konnte.

Vor allem Videospielfreunde dürfen sich freuen

Mit Free Guy werden die älteren, aber ganz besonders die jüngeren Gamer glücklich. Denn Free Guy macht vieles besser als der eher klägliche Versuch von Pixels mit Adam Sandler seinerzeit. Beginnen wir mit der Welt und der gesamten Aufmachung des Films. Man sieht reihenweise Elemente aus Spielen wie Fortnite oder GTA, die sich oft auch nur im Hintergrund abspielen. Gleiches gilt für die Spieler, die auf der Stelle hüpfen, dämliche Tänze vorführen oder gefallene Gegner teabaggen. Es kommen sehr viele Referenzen vor, die mich zumindest zum Schmunzeln gebracht haben.

Außerdem tauchen in Free Guy bekannte Streamer auf, was die Jüngeren freuen dürfte. Mir hat es hingegen gezeigt, wie anstrengend die meisten Streamer sind, aber Kritik soll es lieber an anderer Stelle geben. Denn im Film kommen auch einige Fehler zusammen, wie die völlig falsche Darstellung der Funktionsweise von Servern und andere Kleinigkeiten, die in ihrer Summe Kennern missfallen könnten. Ich möchte ja nicht so sein und natürlich will der Film in erster Linie unterhalten, dennoch darf der Zuschauer logischere Ansätze erwarten. Und in einem Nebensatz sei noch schnell erwähnt, dass auch die Spielgrafik, die man im Film hin und wieder sieht, wirklich furchtbar aussieht, sodass man sich schon fragen kann: Warum hat Free City so viele treue Fans?

SLEAZE + Free Guy

Wo wir doch bei Kritik sind: Der Film selbst wagt Kritik an verschiedenen Stellen, wenn auch immer in einem lustigen Rahmen präsentiert. So sind häufig die echten Spieler nur Kinder, die Spaß an der Gewalt haben, da das Spiel vermeintlich nichts anderes bietet. Es wird auch die Videospielindustrie kritisiert. Man nehme die Figur Antoine, CEO des Unternehmens Soonami (eine weitere herrliche Referenz zu Konami), welcher mehrfach betont, dass es hierbei nur ums Geld geht; die Spieler sind unwichtig.

Schlussendlich muss man festhalten: Wenn Channing Tatum anfängt Fortnite-Tänze nachzuahmen oder eine nicht fertiggestellte, verbuggte Spielfigur komische Dinge von sich gibt, dann macht Free Guy alles richtig und noch mehr.

SLEAZE + Free Guy

Free Fazit

Shawn Levy, der bei den Nachts im Museum-Filmen Regie geführt hat, schafft mit Free Guy denselben Mix aus sympathisch und leicht trashig, aber nie auf einem unterirdischen Niveau. Tatsächlich erreicht die Komödie am Ende sogar eine gewisse Tiefe, vor allem durch die verwobene Handlung der realen und virtuellen Welt. Man muss aber auch Logiklücken in so einem Streifen in Kauf nehmen.

SLEAZE + Free GuyAbschließend lässt sich sagen: Free Guy ist ein Film mit Herz. Ein durch und durch unterhaltsamer Film mit dem typischen Reynolds-Humor, der bei mir jedes Mal wirkt, und Figuren, mit denen man sich freuen, aber auch mitfiebern kann. Und Videospiel-Enthusiasten kommen ganz sicher auf ihre Kosten.

San L

Titel: Free Guy
Kinostart: 12. August 2021
Dauer: 115 Minuten
Genre: Komödie, Abenteuer, Action
Filmverleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

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