Fotos vom Schneidebrett

Fotos vom Schneidebrett

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Das Schneidebrett. Da liegt es vor mir. Mit elegantem Design, nicht ganz billig, und wie so oft bei edlen Dingen hab ich etwas Schiss, es kaputt zu machen. Dieses Brettchen ist allerdings nicht von Alessi, bodum oder normann COPENHAGEN, sondern ein Tablet Slate 8 Pro von Hewlett-Packard.
Mir hat sich der Sinn von Tablets bisher nicht erschlossen. Dass man eine Bücherei in den Urlaub mitnehmen kann, macht noch Sinn. Doch alle bisher getesteten Geräte lagen gerade zuhause schnell einfach nur rum. Trotzdem sagen verschiedene Prognosen, dass gerade der Umbruch stattfindet und mehr Tablets als PCs verkauft werden.
Ich versuche also einen neuen Ansatz, um hinter das Lifestyle-Phänomen Tablet zu kommen. Gerade im Mode(blogger)bereich fiel mir schon zum ersten iPad auf, dass es gern als Kamera genutzt wird. Ja, ich weiß. Ich finde ein zwischen DIN A4 und A5 großes Tablet auch recht unhandlich, aber viele nutzen es bei Modenschauen oder Präsentationen tSLATE-25hours5_kleinatsächlich als Fotoapparat. Das Slate ist nun mit 8 Zoll um einiges handlicher (wenn auch mit 450 Gramm schwerer als erwartet), bepackt mit Android 4.2 und einem Quad-Kern, der nach Leistung klingt. Also werde ich jetzt eine Weile ein Tablet-Fotograf.

Das 25hours Bikini Berlin

Leider hatte ich keinen guten Tag erwischt. Das neue 25hours am Kudamm wollte ebenfalls getestet werden, aber am Eincheck-Tag war zwar die Stimmung sonnig, das Wetter aber eher mit einem deutlichen Graustich. Wie viele Kameras mochte das auch die vom Slate nicht. Abends klarte die Sicht aus dem 7. Stock auf, aber… Dunkelheit mag sie auch nicht. Für den Tag gab es also hauptsächlich „berauschende“ Bilder. Mein Start als schneidiger Tablet-Fotograf lief nicht gut an. Also zunächst normale Bedingungen ausprobieren: Sobald die Lichtverhältnisse stimmen, ist die Kamera ok, der Autofokus findet sein Ziel relativ schnell und ich bekomme ein paar gute ähm…Baustellenfotos (das 25hours war zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz fertig). Die sperrige „Kamera“ ist gewöhnungsbedürftig, dass man die Fotos auf dem Display gleich im Großformat sieht, ist allerdings ein Pluspunkt.

Kunst auf dem RAW-Gelände

Das nächste Testgelände ist etwas holpriger als der Kudamm, in irgendwelchen Räumlichkeiten auf dem Friedrichshainer RAW-Gelände. Da selbst Berliner es häufig nicht wissen (oder wieder vergessen): RAW steht für Reichsbahnausbesserungswerk(statt). Ja, klassisch hierzulande müssen in einer Beamtenüberschrift mindestens 20 Buchstaben enthalten sein. Nicht, dass da jemand auf einmal mit Bahnen aus dem Nichtreich ankommt…
Partygänger in Berlin kennen das Gelände, wenn sie nicht nur Zeit haben für eine Warteschlange vor Berghain, Watergate oder Mustafa’s Gemüse Kebap (wobei gerade bei Letzterem das Anstehen oft mehr Qualität hat als der Kebap selbst).
Doch zur Kunst: Es gab – natürlich – Urban Art, und neben dem bekannteren Alias gab es sogar ein, zwei Exponate von El Bocho, der solche Veranstaltungen eigentlich meidet. Insgesamt warte ich immer noch auf einen Quantensprung in der Urban-Art-Szene, aber vielleicht kann man auch einfach Straßenkunst nicht mit voller SLATE-RAW1_kleinWirkung in einer Galerie unterbringen.
Je nach Beleuchtung kann ich die Kunst mal besser, mal weniger gut einfangen. Außerdem wird mein Schneidebrett langsam schwer. 450 Gramm ist nichts, wenn man einen Laptop gewohnt ist, aber für trotzdem stört es langsam ein wenig. Zudem gibt es einige Probleme mit dem automatischen Fokussieren und man muss unbedingt auf die Haltungsnote achten. Hat man es aus Versehen um 180 Grad gedreht, dreht die Vorschau selbstverständlich mit. Aber man verdeckt andauernd die Kamera mit den eigenen Wurstfingern. So ein bisschen unhandlich ist das Ganze schon.
Allerdings stehen hinter mir ab und zu Leute und schauen meine Fotos beim Entstehen an. Es wirkt ein wenig wie bei den Überschriften dieses Comics namens Bild-Zeitung: Man muss einfach hinschauen. Vielleicht entsteht so auch der Wunsch, eher eine Tablet als einen Laptop haben zu wollen.

S-Bahn-Surfen

SLATE-Sbahn4_kleinZu guter Letzt der ultimative Test: S-Bahn-Surfen. Seit man die Türen der S-Bahn während der Fahrt nicht mehr selber öffnen kann (welcher schräge Ingenieur nur auf diese Idee kam?), surft man eine Spur Adrenalin-loser hinter Scheiben. Der Fokus muss jetzt also mal mehr aus dem Knick kommen als in der Galerie. Offenbar gefiel dem Slate 8 die Kunst nicht, denn in der S-Bahn hat das ausgesprochen gut funktioniert. Es war allerdings auch bei Tag, und da sieht die Welt oft sonniger aus.
Wer eine günstige Tour durch Berlin für einen ersten Eindruck möchte, dem sei der S-Bahn-Ring und der 100er Bus empfohlen. Für authentischere Einblicke empfehlen sich auch die M10, die U8, die U1 und die längste Strecke der U7, falls man mehr Zeit hat aka der easyjet-Flug erst am Montag geht.

Fazit: Aus Kamerasicht ist das HP Slate 8 Pro ok für ein Tablet, wenn es nicht zu dunkel wird. Da verliert die Fotoqualität dann schnell. Andere Funktionen wie Casual Games spielen und Filme schauen funktionieren flüssig. Großer Nachteil ist, dass es nur Wlan für die Internetanbindung gibt. Wer das nicht braucht und Tablets grundsätzlich gut findet, ist mit dem Slate 8 Pro sicherlich gut bedient.

danilo

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