Flucht nach vorn – mit LOVE A durch die Musiklandschaft

Flucht nach vorn – mit LOVE A durch die Musiklandschaft

TEILEN

LOVE A sind mehr. Mehr Punk, mehr Indie, mehr gute Texte, mehr eingängige Melodien. Mehr von allem. Mehr als der Rest. Mehr als vergleichbares. Mehr als Madsen, mehr als Kettcar, mehr als Adolar. Von allem mehr und doch bescheiden. „Die Selbsthilfegruppe der gebrochenen Herzen“, wie sie sich augenzwinkernd selbst betiteln, wurde erst 2010 gegründet. Damals noch unter dem Namen LOVE ACADEMY wollten Dominik, Jörkk, Karl, Mario und Stefan eigentlich nur alte Frauen vergessen und neue kennenlernen. Einfaches Vorhaben, wenn man plötzlich nicht nur cool auf einer Bühne steht sondern auch noch vier Berater zur Seite hat. Aus der LOVE ACADEMY wurde dann Dank eines engstirnigen Professors dennoch zeitnah LOVE A. Die Mecker-Texte von Sänger Jörkk bleiben dieselben, die Band bewegt sich musikalisch zwischen Indie, Punk und Elementen der Hamburger Schule. Das aktuelle Album „Eigentlich“ hat uns den gesamten Herbst des letzten Jahres versüßt und wir wollten nun die „alten und verbitterten“ (Zitat Jörkk) LOVE A zu neuen und alten Kollegen der Szene befragen.

 

 

SLEAZE: Bevor wir hier über eure Kollegen herziehen, wie sieht’s aus: würdet ihr im Mainstream-Fernsehen auftreten, á la Raab zum Beispiel?

LOVE A: Aber klar. Wobei man da vielleicht nochmal unterscheiden müsste. Also bei Raab auf jeden Fall. „Wetten dass,..?“ mit Lanz würden wir wahrscheinlich nicht mehr machen. Das ist uns suspekt. Die Kredibilität ist uns da eigentlich egal, obwohl wir das ja sowieso immer nochmal in der Band besprechen. Vielleicht könnte man sagen: Wir diskutieren das dann spontan.

SLEAZE: Am schönsten sind doch Interviews, in denen man sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen muss, sondern mal zu seiner Meinung befragt wird. Bock drauf?

LOVE A: Da haben wir ohnehin unsere Stärken.

SLEAZE: Thees Uhlmann. Der Überflieger am deutschen Indie-SingerSongwriter Himmel.

LOVE A: Puh, also zuerst Mal: krasser Name. Thees. Thees Uhlmann. Also Thees ist schon merkwürdig irgendwie. Da frage ich mich jedes Mal, woher kommt der Name und was will er mir damit sagen. Ansonsten, zur Musik: not my cup of tea.

SLEAZE: Was gibt’s zu Turbostaat zu sagen?

LOVE A: Das sind gute Jungs, gute Musik. Man kennt sich. Man mag sich. Da können wir eigentlich fast alle nur zustimmend nicken und sagen: gut.

SLEAZE: Dann gehen wir mal an eine ganz andere Ecke: The Strokes.

LOVE A: Das erste Album der Strokes fand ich scheiße. Ich hab’s regelrecht gehasst. Aber wahrscheinlich auch nur, weil meine Freundin damals voll drauf stand und dann musst du so was ja hassen. Mittlerweile find ich die echt ganz gut, auch wenn irgendwie immer alle das Gegenteil sagen.

SLEAZE: Wie steht ihr zu Turbonegro?

LOVE A: Ach ja, die waren eine Zeitlang eigentlich echt gut. Die letzten Alben waren dann eine Zumutung. Und was mir auch auf den Sack geht, sind diese scheiß Turbojugenden. Die Band hat sich da irgendwie vermarktet und ist dann ausgebrannt. Da muss nicht jeder mit so ‘ner Jacke rumrennen, das ist doch albern.

SLEAZE: Wir bleiben in Skandinavien. The Hives?

LOVE A: Seit die diesen Stadien-Riffrock spielen sind die nicht mehr so geil. Vorher war das echt noch richtig gut. Live sind die immer noch geil. Aber irgendwie ist das dann auch immer nur dasselbe.

SLEAZE: Vierkanttretlager?

LOVE A: Zuerst dachte ich, das wäre so ein Tocotronic-Abklatsch. Allerdings sind die echt gut, wenn man mal bedenkt wie jung die doch noch sind. Alle so 17, 18, 19 Jahre alt. Da kann man schon noch von ausgehen, dass man von denen noch hören wird. Die haben richtig Potenzial.

SLEAZE: Und zu guter Letzt, Kraftklub. So was wie die Senkrechtstarter in der Indieszene, der sie, zumindest wenn man ihren Texten glauben kann, gar nicht angehören wollen.

LOVE A: Kraftklub ist wahnsinnig sympathisch. Gerade weil die da auch rumspielen und sich nicht festnageln lassen. Die Musik an sich finde ich teilweise doch noch ein wenig zu jugendlich. Die Texte sind allerdings großartig, ganz großartig.

SLEAZE: Wenn ihr so über die Musiklandschaft blickt, was bleibt euch da als Fazit zu sagen?

LOVE A: Danke, dass du nichts über Adolar gefragt hast. Und Kinder, kauft wieder mehr Schallplatten! Vielleicht auch unsere.

Dem Kauf der aktuellen Platte „Eigentlich“ und der für Anfang des kommenden Jahres geplanten neuen LP von LOVE A kann der Autor des Textes uneingeschränkt zustimmen, obwohl er The Hives mag und Mitglied der Turbojugend war. Der rotzfreche Punk ist der Band eben nicht auszutreiben und macht LOVE A zu einer der sympathischsten Neuentdeckungen im Indiepunk.

Julian

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT