Yeah, neue Kack-Lektüre! …im Internet. Flexis im Interview

Yeah, neue Kack-Lektüre! …im Internet. Flexis im Interview

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Flexis

Der Berliner Rapper Flexis empfing uns ins seinem trauten Heim, hat uns Tee gekocht und über vergangene Zeiten sowie den aktuellen Stand des HipHop-Geschehens gesprochen. Alles, was nicht mehr ins Heft gepasst hat, ist hier zu finden. Wir haben uns nämlich auch noch über Abwaschmusik und seinen Berliner Freundeskreis ausgetauscht.

 

Flexis

 

Wie ging das alles los bei dir – also warum rappst du und bist kein Konzertpianist oder Schlagzeuger in einer Metalband geworden?

Ganz einfach, ich bin früher einfach viel mit Freunden sprühen gewesen, also anfänglich kam es wirklich übers Graffiti. Dann bin ich durchs Graffiti in so einem Jugendclub gelandet – der hieß damals AL 1 – in Köpenick, da sind wir hingepilgert, weil man dort umsonst sprühen konnte. Man hat immer Dosen bekommen und dann konnte man einmal die Woche malen. Das waren damals, da war ich 13, einfach paradiesische Bedingungen und da gab es auch die Möglichkeit zu rappen. Da haben immer Leute gerappt. Ich habe in der Hofpause meine ersten Texte geschrieben und mich dann ans Mikrofon gestellt und gefreestylt. So kam es mehr oder minder dazu. Man konnte auch seine Songs da aufnehmen, die hatten so ein kleines Tonstudio. Ich habe immer mehr Leute und andere Rapper kennengelernt und so ist auch meine erste Crew „Da Flexiblez entstanden. Ich war da auch fast täglich, aber jetzt gibt es den Club leider nicht mehr. Das war auch das gleiche Gelände, wo dieser „Mellow Park war, mit Fußball- und Basketballplatz und so weiter. Die haben sich da schon krass gut gekümmert, aber leider ist das tot mittlerweile.

 

Erzähl mal von deiner HipHop-Sozialisation hier in der Hauptstadt des deutschen Gangsterraps, vorallem weil auch Aggro Berlin zu dem Zeitpunkt, als du im beeinflussbarsten Alter warst, gerade im Kommen bzw. schon in aller Munde war.

Ich habe wenig Deutschrap gehört. Meine Deutschrap-Hörphase war so zwischen 13 und 16 Jahren, würde ich sagen. Mittlerweile höre ich wieder mehr Deutsschrap, weil es einfach geilere Sachen gibt, aber in der Zeit habe ich Aggro Berlin und solche Sachen nicht wirklich gehört. Ich habe es natürlich wahrgenommen, dass es das gibt und das es gerade der „Shit ist. Ich kannte auch die Sekte schon vor Aggro Berlin, zu RoyalBunkerund BassboxxxZeiten, als es diese ganzen Tapes gab. Es war aber schon immer nicht meine Musik und nicht das, wovon ich gesagt hätte: „Das will ich gerne machen. Ich habe mich immer davon abgegrenzt und zu der Zeit nur Ami-Rap gehört, deshalb war es für mich immer klar, nicht sowas zu machen, sondern Musik zu machen, die Inhalt hat. Aber das war vielleicht, was du mit Sozialisation meintest. Einfach zu sehen, wo man nicht hinwill, obwohl unabhängig davon super Sachen entstanden sind, aber das ist nichts, womit ich mich identifizieren kann.

 

Flexis

 

Was hast du bei deinem Soloalbum jetzt anders gemacht als mit den Da Flexibles? Abgesehen davon, dass es ausschließlich deutsch ist…eher von der Herangehensweise.

Alles komplett anders. Ich würde sagen, dass die neuen Sachen nicht mehr so verkofft sind wie die alten Flexiblez-Sachen, die waren teilweise sehr politisch, das hing damit zusammen, dass Phylo und ich extrem politisch interessierte Leute sind und für mich war aber irgendwann klar, das muss nicht mehr sein. Ich möchte einfach Musik machen, die tanzbar ist, die livetauglich ist, die Ohrwürmer hervorruft und die trotzdem Themen zum Gegenstand hat. Das man die Musik hört und sich denkt: „Das ist ein Gefühl, das kenne ich auch. Ich habe ab da mehr Mucke aus dem Bauch herausgemacht, weil ich viel im alten Royal Bunker mit K.I.Z und Mach One zusammengearbeitet habe; dass man einfach ‚mal macht und das nicht mit seinem ganzen Scheiß, den man im Kopf mit sich herumträgt, vollballern muss. Es gibt natürlich auch Songs, die so sind, aber das war für mich der Ansatz, auch mal Sachen zu machen, die leichter sind.

 

Wie kam es zu der Entscheidung, Solopfade einzuschlagen?

Als wir angefangen haben mit den Flexiblez, haben alle schon gesagt: „Felix mach doch mal was Solo. Für mich kam das aber nicht in Frage und wir haben gesagt, wir scheißen da drauf und machen so weiter. Irgendwann hat es sich aber so ergeben, dass er nicht mehr so ehrgeizig war wie ich. Er war irgendwann nicht mehr so begeistert von dem ganzen „Reingestecke und wenig Rausgehole und hat für sich beschlossen, er möchte nicht mehr professionell Musik machen, sondern lieber für sich. Dann haben wir gesagt, es wird Zeit, dass ich meine Solokarriere anfange. Wir sind immer noch befreundet, sehen uns paarmal die Woche, es gab also keinen Bruch, dass man sagen könnte, wir haben uns getrennt.

 

Bist du dick im Game und kannst davon leben oder gehst du noch einer anderen Tätigkeit neben dem HipHopBusiness nach?

Bei mir baut sich das gerade alles auf. Mein Album kommt am 25.01. und dann werden wir sehen, ob ich dann noch arbeiten gehen muss (lacht). Jetzt bin ich gerade auf Tour mit Mach One, Akte, Mo und Isar und es läuft auch schon sehr gut, sodass ich ’ne Menge T-Shirts verkaufe und so weiter. Im Moment ist es natürlich so, dass ich noch ein ganz normales Leben habe, dass ich auch einen Nebenjob habe. Ich bin ja auch noch Student, insofern ist das auch noch alles ok mit der Zeit und man kann es gut unter einen Hut bringen.

 

Deine Meinung zu Kandidaten wie Haftbefehl, Celo & Abdi und Konsorten, die Straßenrap wieder aufleben lassen bzw. erst so richtig etablieren?

Ich kenne die alle und meine Kumpels feiern die auch ab. Ich finde das ganz witzig. Es ist aber auch sehr Frankreich-orientiert und wenn man sich ein bisschen mit Hip Hop auseinandersetzt und über den Tellerrand guckt, dann peilt man schon, dass Haftbefehl und so schon sehr an Bubba und was weiß ich nicht alles orientiert sind. Die Art und Weise zu rappen, die Beats, die Videos, das alles ist eben sehr Frankreich-orientiert. Ich finde das cool, weil früher war es immer so, dass die Leute AmiSachen geklaut haben, sage ich jetzt mal einfach so frech. Es gab eine Zeit, da haben alle DJPremierBeats nachgebaut oder diesen JiggyClubScheiß gemacht und 6XLT-Shirts getragen und es hatte nichts mit einer deutschen Identifikation zu tun. Es war einfach klar: Das können die nicht leben. Ich finde es ganz cool, dass die Kanaken jetzt so eine Art erfunden und entwickelt haben zu rappen, die zu ihnen, ihrer Art und ihrer Umgebung und damit auch zu Deutschland passt, die aber gleichzeitig auch noch RapEinflüsse hat. Mein Ding ist es nicht und ich höre es auch nicht privat, ich kann aber verstehen, weshalb Leute das feiern und es hat auch seine Berechtigung.

 

Was hälst du wiederum von den Leuten die Rap in Pop einflechten; allen voran Cro – und so das ganze „Hip Hop Ding“ immer weiter dem Mainstream zuführen.

Cro ist für mich Abwaschmusik, die man nebenbei laufen lassen kann. Ganz wertfrei gemeint. Es klingt negativ behaftet, wenn man es nur im Hintergrund laufen lässt, aber es ist ja so. Es ist pure Popmusik, die im Radio läuft und sich Rap bedient. Es ist nicht Rapmusik, die Popeinflüsse hat, da würde ich eher mein Album dazu zählen. Ich finde es nicht direkt schlecht, weil es die Sache salonfähiger macht und auch das Klischee aufgebröckelt in Deutschland, dass Hip Hop nur Bushido und Sido sind. Auch bei den Leuten, die sich nicht damit auseinandersetzten kommt so langsam an, dass es auch noch anderen Rap zu geben scheint und auch Hip Hop Musik, die man sich als 30 Jähriger anhören kann. Das ist natürlich sehr gut für alle möglichen anderen Künstler. Ich denke das ist keine neue Errungenschaft, das gab es vorher schon. Rap wird ein bisschen erwachsener hier in Deutschland, bekommt sein eigenes Antlitz und wird hörbar. Man merkt, dass auch viele Rap Artists in den Top Ten landen und somit mehr deutschsprachige Musik gehört wird, weil es automatisch öfter im Radio läuft und die Leute peilen, dass wir nicht nur Schlager und Rockmusik machen können. Die Grenze muss allerdings schon gewahrt werden zwischen ganz ekelhaft angebiederten Sachen, bei denen man direkt weiß, es wurde ein Sample benutzt, damit es die Nummer Eins Single wird und einem guten Song, der etwas transportiert und Inhalt hat, aber trotzdem hörbar ist.

 

Flexis

 

Kannst du irgendwas empfehlen – national oder international – was momentan noch als Geheimtipp gehandelt wird, dem man aber Beachtung schenken sollte?

Was ich auf jeden Fall empfehlen kann aus den USA ist Yelawulf, ich glaube das kennen hier schon viele, ist aber für mich der krasseste Rapkünstler in den letzten zehn Jahren, was Stil und auch Refrains betrifft. Dann Hopsin; ist auch ein Newcomer aus den Staaten, der auch dadurch bekannt geworden ist, dass er Tyler the Creator gedisst hat, aber er macht sehr geile Musik – ein wenig MarshallMathersorientiert, aber gefällt mir sehr gut. Dann natürlich das Meiste aus dem Tech9Umfeld. Ein ganz neuer Typ, den ich seit Kurzem ‚rauf und runter höre ist Rittz. So’n Weißer mit einer riesigen Lockenmähne und einer Mütze drauf, rappt ultraschnell, sehr sauber, super geil – kann ich nur empfehlen. Aus Deutschland empfehle ich den Leuten eigentlich nur meine Freunde (lacht), also Mach One, K.I.Z, Flexis sind in Deutschland schon die RapActs, die es am Besten machen

 

Du bist schon sehr mit Berlin verbunden und hier auch am bekanntesten. Willst du die Sache eher lokal betreiben, oder sind beispielsweise auch mal deutschlandweit Featuregäste angedacht?

Was Featuregäste angeht, bin ich so drauf, dass ich eigentlich nur Leute mit auf Songs nehme, mit denen ich persönlich etwas zu tun habe und die ich musikalisch sehr geil finde. Ich bin nicht sonderlich daran interresiert, mit einem bekannten Act einen Track zu machen. Wenn sich da etwas ergibt, dann gerne. Du spielst wahrscheinlich darauf an, dass alle auf meinem Album aus Berlin kommen. Ich habe aber auch einfach niemanden mehr gefragt, weil alle, die da mit drauf sind, haben mich über Jahre begleitet, sind Freunde von mir, mit denen ich viel Musik zusammen gemacht habe und die ich geil finde, deshalb mussten die einfach mit drauf. Ansonsten habe ich da keine Prinzipien. Ich finde, das persönliche Band muss einfach stimmen und ich habe keinen Bock drauf, nur des Fames und des Namens wegen jemanden auf einem Track zu haben. Ich denke, das hört man dann auch.

 

Pläne für die nähere Zukunft?

Jetzt ist wie gesagt ersteinmal Tour, dann kommt das Album raus, das wird promotet, unter anderem mit neuen Videos. Dann werde ich mich ersteinmal auf mein Studium konzentrieren, dass muss ich fertig machen und Ende des Jahres werde ich wieder an einem neuen Projekt arbeiten und ein neues Album machen, was ich nächstes Jahr rausbringen will. Eventuell bringe ich zwischendurch noch eine EP raus, wenn ich ganz kribbellige Finger kriege.

Fred

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