Film-Synchronisierung: Ist das denn wirklich so schwer?

Film-Synchronisierung: Ist das denn wirklich so schwer?

Die Sprache hat es in sich. Wortwörtlich. Sie kann weltweit vernetzen, aber auch schon durch ein ganz leicht andere Betonung verletzen – oder gar aufhetzen. Und das nicht nur im richtigen Leben. Auch in der Unterhaltungsbranche, die letztendlich von Kommunikation lebt, ist das ein schwieriges Thema. Vor allem, wenn es um Synchronisation geht.

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SLEAZE + Synchronisation

Die Synchronisation hat sich in den letzten Jahrzehnten bei uns ordentlich weiterentwickelt. Trotzdem – oder gerade deshalb – verwundert es, dass immer noch Fehler gemacht werden, die einfach peinlich sind. Doch von vorn.

SLEAZE + Synchronisation
Auch hier lief so einiges schief. Aber dazu kommen wir später…

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts endete die legendäre Stummfilmzeit trotz Koryphäen wie Charlie Chaplin. Die fortschreitende Technik und mit ihm der Tonfilm ließ sich nicht aufhalten – und so entstand auch der Beruf des Synchronsprechers. Da ausländische Produktionen nicht verstanden wurden, musste diese Sprachbarriere gebrochen werden und eine Verbreitung von Weltsprachen war damals noch nicht ausgereift.

Noch heute ist die Lippensynchronität ein kniffliges Thema. Damals war die Technik gerade erst am Entstehen und somit litt das Niveau der Bild-Ton-Synchronität. Erschwerend kam eine politische Dimension dazu. Vor dem 2. Weltkrieg wurden englische sowie französische Produktionen inhaltlich in die ‚richtige Richtung‘ gedreht, damit die damalige deutsche Ideologie nicht beschädigt werde. Nun, zum Glück hat das letzten Endes nichts genutzt.

Doch auch nach dem Krieg ging es weiter. Noch in den 50er Jahren wurde massiv in den Inhalt eingegriffen, um Faschismus oder Hinweise auf die Nazizeit zu entfernen. Auch berühmte Werke wie “Notorious“ (Berüchtigt)‘ von Alfred Hitchcock oder der Klassiker “Casablanca“ aus dem Jahr 1942, die beide erst in den 50ern in Deutschland erschienen, wurden diesbezüglich inhaltlich verändert. In letzterem wurde dramaturgisch sogar aus einer Nazi-Story eine Agentengeschichte und verfälschte somit die eigentliche Kernaussage.

Doch auch als die Nachkriegszeit überwunden war, wurde ordentlich manipuliert. Gerade auch in der Synchronisation. Dabei ging es inzwischen – zumindest hierzulande – mehr um wirtschaftliche Faktoren als um politische. So entstanden u.a. flache Witze, die teilweise in deutscher Mundart oder sogar in unpassenden Umgebungen eingebracht wurden.

SLEAZE + Synchronisation
Die Zwei haben alles richtig gemacht – oder zumindest ihre deutschen Synchis.

Sehr markant für dieses Vorgehen war die britische Serie “Die 2“ (1970 und ’71). Durch die abweichenden Inhalte der Dialoge konnte der „deutsche Humor“ implantiert werden und die Serie wurde hierzulande Kult. Im Original floppte die Serie außerhalb Großbritanniens.

Im Heute

Die Globalisierung veränderte sowohl technisch als auch gesellschaftlich einiges. Technisch ist es inzwischen kein Problem mehr, mehrere Sprachen bei einem Film mitzuliefern. So wurde z.B. bei früheren polnischen Synchronisationen nur ein Sprecher eingesetzt. Wenn man die Sprache gar nicht spricht, weiß man oft nicht mal, wer gerade redet. 🙂

Das alles hat sich geändert und auch gesellschaftlich ist trotz einiger engstirniger Idioten an der Macht die Welt zusammengerückt – was als einer der kleinsten Nenner auch mehr Rücksicht und Respekt gegenüber Originalfassungen bedeutete. Trotzdem schafft es die Synchronisation häufig nicht, allein den Untertitel und die Synchronisation zu… naja, zu synchronisieren. Bist du also wortwörtlich taub und auf die Untertitel angewiesen, entgeht dir eine Menge. Was soll das?

Du? Sie? Euch? Er?

Ein anderes peinliches Thema ist das vermaledeite Duzen! Hoffentlich nicht für dich, aber definitiv für die deutsche Synchronisation. Der hört man nämlich allzu oft an, wie spießig sie doch ist. Nehmen wir zwei 25jährige Hauptdarsteller, die zusammen uuuuuunglaubliche Abenteuer durchstehen müssen. Wie würde das im richtigen Leben aussehen? Würdest du dein Gegenüber, nachdem er dir das zweite Mal das Leben rettete, immer noch siezen?

Die deutsche Synchronisation hat da eine eindeutige Antwort: Ja, na klar! Erst nach einer ersten Zärtlichkeit wird geduzt. Da fragen wir uns: Warum nicht erst nach der Hochzeitsnacht?

Natürlich ist das eh schon spießige „Wann Du, wann Sie“-Spiel auch im richtigen Leben nervig. So ist das leider in unserer Sprache. Und bei älteren Menschen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, als der Sohn den Vater noch siezen musste, kann man das vielleicht auch noch irgendwie nachvollziehen. Aber welch merkwürdige Erziehung muss ein Jugendlicher heutzutage genossen haben, wenn er Gleichaltrige anfängt zu siezen? Also liebe deutsche Synchronisation: Kommt mal klar!

The Big Sync Conflict

Da wir gerade dabei sind: Wenn man von fehlerhafter Synchronisation spricht, ist die Erfolgs-Sitcom “The Big Bang Theory“ nicht weit entfernt. Das abenteuerliche Leben der Wissenschaftler und Nerds verweist gerne mal in andere Bereiche der Popkultur. Nur, ist dies oft eine Fallgrube für Fehlübersetzungen.

SLEAZE + Synchronisation
Immer gut für Bewusstseinserweiterung: Big Bang Theory

Besonders schwach ist die Übersetzung, wenn es um wissenschaftliche Thesen oder markante Phrasen geht, denn diese lassen sich nicht immer Eins-zu-Eins ins Deutsche übersetzen und verfehlen dabei die mittransportierte Komik. Andersrum sind die englischen Fachbegriffe und Thesen nicht sofort verständlich, da man sie in diesem sprachlichen Gebrauch kaum kennt. Hmm, was nun? Eine fehlerhafte deutsche Synchro oder ein Insider-Original, wo jeder dann so tut, als würde er alles verstehen, während sich die Fragezeichen über dem Kopf vermehren?

Interessant wird es, wenn die Dramaturgie Akzente oder andere Sprachen von vorne rein mit einbaut, die Synchronisation das aber einfach ignoriert. Deutlich wird es z.B. in der Serie “American Horror Story: Hotel“, wenn die Figur James P. March im Original mit Akzent spricht und dem Charakter das besondere Etwas verleiht. In der deutschen Synchronisation interessierte das keinen.

Oder in der Vorgänger-Staffel “Freak Show“ spricht die amerikanische Schauspielerin Jessica Lange deutsche Wörter und Sätze, da ihre Figur Elsa Mars in dieser Geschichte so angelegt ist. Es gibt der Serie diesen besonderen Flair, Sprachen dramaturgisch zu verwenden, nur wird es in der deutschen Synchronfassung nicht beachtet und verliert dadurch ihren Charme.

Oder Will Smith, dessen deutsche Synchronisierung bei „Erschütternde Wahrheit“ seinen nigerianischen Akzent einfach ignoriert. Oder, oder, oder. Da gibt es viele Beispiele und man muss sich schon fragen, ob es da um Geld geht oder einfach um Desinteresse, solche wichtigen Details im Film auszublenden.

Es gibt aber auch Fälle, bei denen man sich für die deutsche Synchronfassung ins Zeug legt und wie im Original von “Der Letzte König von Schottland“ mit ugandischem Akzent spricht. Zumindest für Forest Whitaker gilt das. Der Dialekt des Schotten (immerhin geht es um ihn selbst im Titel) James McAvoy wird ignoriert…

Der Muttersprachenakzent

Und zum Abschluss noch die größte Fehlleistung der Synchronisation: der Akzent in der eigenen Sprache. Wir nennen es Muttersprachenakzent, und der geht so. Man nehme einen „Ausländer“, also z.B. einen Mexikaner in Kalifornien. In der deutschen Synchronisation achtet man darauf, dass er nicht US-amerikanisches Englisch spricht und baut einen Akzent ein. Bisher alles richtig.
Nun wird es aber witzig: Der Mexikaner kennt sich überraschenderweise in Mexiko aus, wird also im Film wieder über die Grenze geschickt. Zum einen spricht er dort weiterhin in derselben Sprache, also eigentlich Englisch aka Deutsch. Schon etwas merkwürdig, wenn man mit seiner Familie im eigenen Land anfängt, die Sprache des neuen Landes zu sprechen, aber nun gut.

Noch besser ist aber, dass er da auch einen Akzent hat. Der Mexikaner spricht zuhause in seiner Muttersprache also entweder mit Akzent oder er spricht zuhause in der Sprache seiner neuen Heimat. Beides komplett banane – und dabei wäre das Problem sehr leicht zu beheben: In den USA spricht er mit Akzent, zuhause ohne. Das ist dramaturgisch immer noch nicht einwandfrei, aber es hat wenigstens eine innere Logik. Aber so ist es einfach nur peinlich für die Synchro.

Wie du merkst, gibt es noch viele Sprachbarrieren, und das nicht erst, seit Donald „Dumb“ Trump im (Weißen) Haus ist. Aber auf der anderen Seite macht es Spaß, sich die Filme in verschiedenen Sprachen anzuhören und die unterschiedlichen Merkmale zu erkennen. Und lernen tut man dabei auch noch etwas.

Darum zum Abschluss noch ein letztes Schmankerl (also für einige von euch): In der deutschen Synchronisation von Sex and the City sprich Samantha Jones irgendwann französisch. In der Originalfassung spricht sie aber in einer anderen Sprache. Viel Spaß bei der Suche.

Kevin (ergänzt durch danilo :))

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