Fikkefuchs: Das Leben, ein einziger Fick

Fikkefuchs: Das Leben, ein einziger Fick

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SLEAZE + Fikkefuchs

Na, wie oft hast du heute schon an Sex gedacht? Wie viele Beziehungen hat dich das Fremdgehen schon gekostet? Und überhaupt: Willst du nicht auch mit jeder Begegnung sofort in die Kiste steigen, die du attraktiv findest?

SLEAZE + Fikkefuchs
Frauen. Bei einigen auch bekannt als: Beute.

Diese und noch manche Frage mehr wirft Fikkefuchs von und mit Jan Henrik Stahlberg auf, doch erhoff dir keine Antworten. Im Wesentlichen packt Jan Henrik das Publikum an den Eiern, erzählt in seiner durch Crowdfunding finanzierten Produktion vielmehr vom Lebensgefühl geradezu animalischer (männlicher) Triebbumser und zeigt sich damit aufatmend wie befreit vom Mainstream-Mief der hiesigen Filmlandschaft.

Gestatten, Rocky, der Stecher vom Wuppertal

Jan Henrik selbst verkörpert in Fikkefuchs den in die Jahre gekommenen Frauenheld Richard „Rocky“ Oeckers, der einst als „Stecher vom Wuppertal“ (man beachte das „vom“ anstatt des „von“) bekannt war. Nun wohnt er samt Hund allein in seiner Berliner Wohnung und feilt auf der Arbeit viel lieber an seinem erotischen Erinnerungswerk „Memoiren eines Frauenverstehers“, anstatt sich vom Arbeitskollegen mit dem Vorschlag berieseln zu lassen, bei sich und seiner Bilderbuchfamilie in Prenzlauer Berg auf eine Runde Die Siedler von Catan vorbeizukommen.

Als eines Tages ein junger Mann vor seiner Tür aufkreuzt, der behauptet, Torben (Franz Rogowski) zu heißen und sein Sohn zu sein, erfährt sein tristes Leben einen Richtungswechsel. Denn Torben, der zuvor aus der Klapse ausgebrochen ist und versuchte, eine Frau im Supermarkt gegen ihren Willen flachzulegen, ist im Grunde nicht weniger auf Sex aus als sein mutmaßlicher Vater, der ihn immerzu Torsten nennt.

Willkommen bei der Sex-Jagd

Im Folgenden entbrennt Jan Henrik ein Spektakel der Absurdität, das so facettenreich wie konsequent vom Leben erzählt. Nein, ihm geht es nicht darum, seine animalischen Hauptfiguren zu entwerten oder in irgendeiner Art und Weise zu bewerten bzw. zu verurteilen. Freilich betrachten sie (weibliche) Menschen geradezu ausnahmslos als Wild, das es zu jagen gilt. Wer nicht ins Beuteschema passt, ist uninteressant, abstoßend.

Es sind suchende, zum Teil irgendwie resigniert geartete Leben des Alleinseins, nicht zwangsläufig aber der Einsamkeit. Die Beziehungen, die uns der Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller offenbart, sind die längst vergangenen, mit Verachtung erfüllten Echos einer lange vergangenen Zeit.

SLEAZE + Fikkefuchs
Wie kommt man da nur rein?

Fikkefuchs lässt uns am Dasein zweier personifizierter Triebfedern teilhaben. Was wir damit machen, überlasst er erfreulicherweise einzig und allein uns, während im Hintergrund leise eine scheinbar entfremdete, nie aber eindeutig geklärte Vater-Sohn-Beziehung flüstert und Jan Henrik ganz leger vom „zweiten Frühling“ und Lebensende erzählt.

Von der Desillusion vollgekackter Männer

Nicht selten wird er den Zuschauern mit seinem dahintreibenden Film die (Fremd-)Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn er uns etwa daran teilhaben lässt, wie der Frauenheld seine Jagd aufs junge „Frischfleisch“ vehement fortsetzt, ihn dafür allerdings oft nur peinliche, angewiderte Reaktionen der begehrten Zielobjekte erwarten.

So ist Fikkefuchs denn auch ein Film der Desillusion samt der Torheit des Menschen, diese nicht zu erkennen oder zu ignorieren. Ach ja, sich im Suff vollgekackte Männer gibt‘s auch, über denen sich, angeekelt vom Anblick des Zusammenbruchs, erbrochen wird. Furios, dass Jan Henrik der Respekt für seine Geschichte und ihren Figuren hierbei nie abhandenkommt.

Zwischen Ekel, Traurigkeit, Einfühlsamkeit und dem lauten Auflachen ob des absurden wie schmerzhaften Geschehens ist ihm somit ein heiterer, bitterer Schlag in die Magengrube gelungen. Fikkefuchs ist pures Kino der Konfrontation. Famos!

Alex

Titel: Fikkefuchs
DVD-/Blu-Ray-Start: 20.04.2018
Dauer: 101 Minuten
Genre: Drama, Komödie
Produktionsland: Deutschland
Filmverleih: Alamode Film

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