Far Cry 5: Auf nach Montana, auf in den Glaubenskrieg

Far Cry 5: Auf nach Montana, auf in den Glaubenskrieg

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Willkommen in Hope County, dem Ort der Hoffnung und des Neubeginns! „Wenn die Welt in Flammen stürzt, werden wir wieder emporsteigen“, heißt es in einem eigens für Far Cry 5 kreierten Lied. Der kanadische Ableger der französischen Spieleschmiede Ubisoft nimmt sich mit seinem neuen Teil der Shooter-Reihe dem fiktiven Weltuntergangskult Eden’s Gate an.

Wir konnten drei Stunden probeshooten und schlugen uns vor dem virtuell betörenden Abbild Montanas nicht nur mit waffenschwingenden Gläubigen herum, sondern ebenso mit brennenden Elchen und tollwutartigen Waschbären.

SLEAZE + Far Cry 5
Die Abendmahlerei, interpretiert mit patridiotischem Segen
Spürbar glaubhaft

Bevor wir uns allerdings in die offene Welt stürzen konnten, erwartete uns nach einer rudimentären Charaktererstellung, in der erstmals auch eine weibliche Figur zur Verfügung steht, eine anfängliche Einführungsmission, in der wir als Deputy an der Seite des Sheriffs den Anführer des Kultes Joseph Seed (im engl. Original gesprochen von Greg Bryk) festnehmen sollten.

Das Entwicklerteam um Dan Hay, der seit Far Cry 3 an der Spieleserie beteiligt ist, schafft hier eindringliche Impressionen, die uns das Ausmaß des Kults glaubhaft wie spürbar nachempfinden lassen. Unter den choralen Tönen von „Amazing Grace“ bewegen wir uns durch die von Mondlicht durchflutete Gemeinde hin zu einer kleinen Kirche, in der sich Joseph aufhält.

Während des Streifzugs fühlt es sich denn auch tatsächlich so an, als wandelten wir durch eine Welt des Glaubens, an dessen Spitze ein entschlossener wie charismatischer Anführer steht. Die Nervösität der Kultisten ob unserer Anwesenheit, das aufgepeitschte Kläffen der Hunde und die Lichtstimmung tauchen den Ort in eine geradezu heilige, hoch aufgeladene Stimmung, die die Wucht von Eden’s Gate auf jedes einzelne Mitglied spüren oder im Mindesten erahnen lässt.

Wir betreten hier nicht einen Ort eines dahergelaufenen, „verschwörungstheoretischen“ Spinners, sondern einen tief ideologischen Kosmos, der fasziniert, anzieht wie abschreckt und ob seiner fühlbaren, intensiven Schönheit zu einigen Gänsehautmomenten führt.

SLEAZE + Far Cry 5
Wir glauben, du brauchst Glauben.
Mit Braunbären gegen den Kult

So gelingt es Ubisoft, von Beginn an ein atmosphärisches Fundament zu gießen, das trotz einer einsetzenden spielerischen Routine zu verführen weiß. Denn nachdem die Verhaftung Josephs scheitert, folgt der zweite Teil des Spiels, in denen uns der abgehärtete Hope County-Bewohners Richard „Dutch“ Roosevelt (John Tench) die grundlegenden Spielmechaniken im Kampf gegen den Kult näherbringt. Wir müssen Geiseln befreien, Orte der Glaubensgemeinschaft, z.B. in Form von Silos, zerstören oder Bereiche von den Anhängern Eden’s Gate‘ „säubern“. Wie für die Reihe üblich, steht ein Waffenarsenal von Baseballschlägern, Paddeln, diversen Pistolen bis hin zur Armbrust, etlichen Maschinengewehren sowie Panzerfäusten zur Verfügung.

Hierbei schließen sich nach Erfüllung bestimmter Aufgaben im Rahmen des „Guns For Hire“-Systems andere Bewohner Montanas mit ganz eigenen Fertigkeiten dem Glaubenskrieg an, darunter die eher schleichende, mit einer Armbrust ausgestatteten Jess (Julie Nathanson), mit der ich mir eine Zeit lang den Weg durch Wälder und Flüsse bahnte und die u.a. die Fähigkeit besitzt, nicht von wilden Tieren angegriffen zu werden. Willkommen im Zodiac-Land. 🙂
Apropos: Auch diese kannst du im Rahmen von „Fangs For Hire“ zu deinem Vorteil zähmen. Um den kräftig austeilenden Braunbär zu zähmen, gab es z.B. während des Anspielens– nicht gerade artgerecht – Cheeseburger zum Befreunden.

Sowohl du selbst als auch deine Mitstreiter erlernen durch ein Skill-System mit fortschreitender Aufgabenerfüllung weitere Fähigkeiten oder du schaltest dir neue Gegenstände frei. Zusätzlich kannst du Anwohner rekrutieren, die beispielsweise vom Kult drangsaliert wurden und dich auf Wunsch begleiten –  sofern sie dir ausreichend vertrauen.

Mit einfachen Befehlen steht dir frei, diese sowie die via „Guns/Fangs For Hire“ an dich gebundenen Gefährten an bestimmten Orten zu platzieren, dir zu folgen oder auf die Feinde loszulassen. Wer dagegen auf die Zusammenarbeit mit Freunden oder zumindest echten Menschen setzt, kann die Geschichte zusammen mit einem weiteren Mitspieler in dem „Friends For Hire“ betitelten Koop-Modus erleben.

Überraschende Routine
SLEAZE + Far Cry 5
Romantische Idylle findet man in Montana (sicher auch irgendwo)

Das eigentliche Gameplay erwies sich hierbei bereits in den drei Stunden der Anspielsitzung als abnutzend. Innerhalb der vom Spiel vorgelegten, freien Missionsstruktur rannte, fuhr oder flog ich von einem Punkt zum anderen, um meist recht ähnliche Aufgaben zu erledigen. Zudem stellte sich das offensive Einmarschieren in einen feindlichen Bereich nicht selten als effektivste Methode heraus, zumal weder die Klon-artigen, zu sehr in programmierte Routinen agierenden KI-Feinde noch die Schleichmechaniken in ihrem Zusammenspiel besonders überzeugten.

Denn während Spielereihen, wie etwa Dishonored oder Metal Gear Solid, den Spieler auf Wunsch unerkannt und elegant durch ihre Spielwelten reisen lassen, fühlt sich Far Cry 5 in diesem Punkt ein wenig zu statisch an, sodass die Sturmmethode oftmals den tieferen, um nicht zu sagen: aufklärererischen, Eindruck hinterließ. Denn das Spiel inszeniert die darauffolgenden Shootouts als knallende Action-Sequenzen mit dir als Protagonisten, der lässig mit Pumpgun & Co. durch die Reihen der Kultisten gleitet.

Auf Grund dieser Routine erleidet die anfangs aufgebaute Stimmung zwar Risse, aber nachhaltig verliert sie kaum an Anziehungskraft. Dies liegt auch an der abwechlungsreichen Vielfalt, die das Far Cry 5-Montana auffährt. Nicht nur ist Hope County mit seinen imposanten Bergwelten, den glasklaren Flüssen, den windigen Feldern und den entschleunigten Dörfern ein geradezu romantisch in Szene gesetzter Ort. Es spielen dazu eigens komponierte Lieder sowie ruhige Country-Klänge von Dan Romer (Beasts of the Southern Wild, Beasts of No Nation).

Neben unzähligen Tätigkeiten, darunter etwa Jagen, Quadrennen und Angeln, lassen sich zudem immer wieder zufällig entstehende Ereignisse beobachten, die das Überraschungs- und dadurch angetriebene Entdeckungsmomentum atmen lassen. So stieß ich während einer Streiftour in einem Pick-up auf zwei Kultisten, die vor einem Stinktier panisch davonliefen. Ein Waschbär war es dagegen, der mich unverhofft zum ersten Mal niederrang, als ich selbigen guten Willens aus einem Käfig befreite und er mich, statt herannahender Gegenspieler, tobsuchtartig angriff. Und ein Schusswechsel auf offener Straße führte letztlich dazu, dass ein Eden’s Gate-Anhänger einen ihn angreifenden Elch mit einem Flammenwerfer anzündete, dieser an mir vorbeistampfte und schließlich in einer großen Explosion, in die noch einige Fahrzeuge involviert wurden, sein traurig-absurdes Ende fand. Sogar eine offenbar primäre, als Fiebertraum inszenierte Hauptmission geschah aus heiterem Himmel.

SLEAZE + Far Cry 5
Jagen im Namen des Vaters!

So schaffen es selbst die nach kurzer Zeit zu häufigen Schusswechsel nicht, das Interesse an einer weiteren Reise nach Hope County zu torpedieren. Denn mit steigender Aktivität gegen den Kult steigt dessen Aversion gegen den Spieler. Dies führt dazu, dass dich die Glaubenskrieger schon nach kurzer Zeit fast unmittelbar angreifen und du dich kaum zwei Minuten ohne ein gewalttätiges Aufeinandertreffen zumindest auf den asphaltierten Hauptstraßen aufhalten kannst.

Dennoch: Far Cry 5 fasziniert mit seiner erzählerischen Prämisse wie mit seiner zum Teil wunderschönen, zwischen Kampf und Landromantik wandelnden Inszenierung. Für mich Grund genug, bei Zeiten nach Hope County zurückzukehren.

Alex

Titel: Far Cry 5
Verleger: Ubisoft
VÖ: 27.03.2018
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows

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