Ey Mann, wo is‘ mein Ladekabel?

Ey Mann, wo is‘ mein Ladekabel?

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Fast jedem Vierten in Deutschland ist schon einmal sein digitaler Begleiter flöten gegangen, wusste der Digitalverband Bitkom just im Jahre 2015 zu berichten. Das wären damals um die vier Millionen Handys in einem Jahr gewesen.

SLEAZE + Gigaset GS280
Das neue Test(wurf)gerät

Die Nettosumme der verlustigen Endgeräte oder derer, die Dank Spider-App oder explodierender Batterien kaum noch zum Briefbeschwerer taugen, dürfte heutzutage um einiges höher sein.

Genau hier bietet sich viel Raum für ständige Neuanschaffungen und so erfreute es auch mich, als ich endlich mal wieder ein neues Telefon zum Verbummeln und Zerstören in die Hand bekam.

Die Spannung stieg ins Unermessliche, was es denn Großartiges sein könnte. Ein neues iPhone XRiΩ∆$$ oder ein Samsung S10 extraordinary? Ich war für alles offen, doch was dann auf meinem Tisch lag, überraschte mich etwas.

Stand da etwa Gigaset auf der Packung? Das waren doch diese  Schnurlostelefone, wie man sie aus Muttis Flur oder aus anderen Innenräumen wie Büros kennt.

Orange is the new black.

Aber gut, ich bin ja nicht vorurteilsbehaftet und außerdem schreit mir das „Made in Germany“ aggressiv entgegen und auch die Packung selbst will mir mit deutscher Biederhaftigkeit, Langeweile und einer der unbeliebtesten Farben einen grundsoliden Packungsinhalt vermitteln.

Die ersten Specs auf der Rückseite lesen sich von recht unspektakulär bis doch sehr interessant. Neben Face ID und einer Kamera bis zum Fingerabdrucksensor schien an alles gedacht zu sein in dem Gigaset.

Selbst ein Akku wurde fest verbaut und mit einem Deckel verklebt, der in mir das gute alte Gefühl der Akkuwechselmöglichkeit auffrischt, aber auch schnell mit der nächsten Böe davon wehen lässt.

Das eigentliche Highlight der Karton-Rückseite ist aber definitiv die Angabe der Akku-Kapazität. Diese ist mit 5000 mAh um einiges höher, als man das von anderen Telefonen gewohnt ist und weckt die größten Begierden.

SLEAZE + Gigaset GS280
Foto bei Tageslicht ganz ordentlich.

Innerlich sehe ich mich und mein Gigaset schon wochenlang durch die kasachische Steppe wanken. Ohne Wasser, aber immer mit einer handbreit Akkuladung. Leider kenne ich die Nummer des kasachischen Steppen-Bier-Bernds nicht.

Zieh dich aus, kleine Maus.

Das Auspacken des mobilen Kraftwerks gelang auch sehr einfach und ohne Zuhilfenahme scharfkantiger Werkzeuge oder einer zweiten Person, das Tutorial als Klebefolie fand ich irgendwie niedlich. Nervig finde ich dabei nur, dass die Hersteller einen immer zwingen wollen, die mitgelieferte Folie möglichst schnell zu entsorgen und das Telefon der rauen Natur zu übergeben.

Das Gigaset macht dabei aber eine recht ansehnliche Figur. Mein sechswöchiger Dauertest mit ab und an mal gezielt fallen lassen lies es ziemlich unbeeindruckt gegenüber Schäden zurück. Die Verarbeitung gefällt also sehr gut und auch der Putzwahndrang im Gegensatz zu seinen komplett verglasten Kumpels entfällt glücklicherweise.

SLEAZE + Gigaset GS280
…bei zu viel Bewegung gerät es ins Schlingern und Schlieren.

Haben wir hier nun das Rundum-Sorglospaket aus der globalen Nachbarschaft gebucht? Und wie viel Telefon kann mensch eigentlich verlangen für einen Preis von gerade einmal um die 250€?

Zunächst einmal: Die fehlende NFC-Funktion ist heutzutage definitiv ein No-Go für mich. Gerade, wo endlich mal ein paar sinnvolle Bezahlfunktionen marktfähig werden.

Ansonsten macht das Display schon einen vernünftigen Eindruck, auch wenn die Packungsangabe des Herstellers „frameless vison display“ doch etwas höhnisch ist. Aber vielleicht ist das einfach ein ähnlicher deutscher Schätzwert wie bei alkoholfreiem Bier oder den Abgaswerten von VW & Co.

Das Display schert sich nämlich keineswegs um die neuesten Designtrends mit Notch und Bullauge oder wie die ganzen Kameraaussparungen auch heißen mögen. Da bleibt einfach ein vernünftiger Rand, wo man sich beim Gucken auch mal vernünftig festhalten kann.

Wer länger kann, ist schneller da.

Und gucken kann man auch recht lange. Der Akku schafft auch schon mal seine drei Tage, bei mäßiger Benutzung und auch ansonsten bekommt man kein Herzflattern, wenn man mal mit 33% Akkuleistung das Haus verlässt. So kann es zuweilen wirklich mal vorkommen, dass man sein USB-Ladegerät sucht, was bei mir natürlich auch an meinem Oldschool-Ladeverhalten liegen könnte, da bin ich noch nicht wirklich im USB-C-Zeitalter angekommen, was zu einer Verknappung an Lademöglichkeiten führt.

Wo viel Strom, da auch Schatten.

Doch wo so viel Strom, da gibt es wohl auch Schatten. Diese Beschreibung trifft wohl leider zu wörtlich auch die Kamera zu. Hier wir maximal gekleckert, wo der Rest bisher noch zu glotzen vermochte.

Bei schönstem Berliner Sommersonnenwetter bekommt man wohl noch ein erkennbares Bildchen auf den Sensor, sobald es aber dunkel wird, bleibt nur noch Schatten. Der LED-Blitz tauch hinzu noch alles in ein feines Gelb.

SLEAZE + Gigaset GS280
Fotos bei Nacht… nun ja.

Somit ist das Gigaset 280 für Partynächte wohl nicht direkt empfehlenswert, aber das Verbleiben in der Tasche sollte der Haltbarkeit und dem Besitz nicht zum Nachteil gereichen. Die meisten Telefonwechsel außerhalb eines Telefongeschäfts finden wohl zu späterer Stunde statt. Auch die Spinnen installieren wohl eher im Schatten der Nacht ihre Apps.

Mutti tät sich freuen.

Alles in allem ein feines Mittelklassetelefon für Leutchen, die auf keinen Fall Videos drehen wollen und mal gelegentlich einen Schnappschuss machen.

Ich hätte da so die Muttis und Vatis vor Augen, die ihr Telefon sieben Tage im Stand-by-Modus umhertragen und auf Nachricht von den Kindern warten. Auch wäre auf dem Heimweg vermutlich immer noch genug Strom zum Öffnen des Nuki-Tür-Schlosses verfügbar.

Matthias

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