Expressionismus auf Platte gepresst

Expressionismus auf Platte gepresst

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Er beschreibt sich selbst als „british black musical Mark Rothko“. Nur braucht Roots Manuva keinen Pinsel, um abstrakte Kunst zu machen. Mit seinem sechsten Studioalbum beweist die britische Hip-Hop-Größe, dass er immer noch mit seiner Stimme umgehen kann, vielleicht sogar besser als je zuvor.

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Nachdem Rodney Smith, bekannt als Roots Manuva, vier Jahre kein neues Album veröffentlicht hat, wurde es Zeit für „Bleeds“. Mit nur zehn Titeln ist es eines seiner kürzeren Platten, jedoch besticht es durch neue Einflüsse. Darunter ist auch eine Zusammenarbeit mit Four Tet und Machinedrum, die einige Songs durch elektronische Elemente bereicherten.

Der düstere Einstieg ist mit „Hard Bastards“ vor allem ein Wechsel zwischen emotionalem Gesang und Rap mit hartem Text. Die Besonderheit ist hier, dass man dieses Hin und Her auch in der Musik hören kann. Sie ist sehr präzise an die jeweilige Stimmung angepasst. Mit den nächsten drei Nummern stellt der Brite seine Vielseitigkeit unter Beweis. Elektrische Elemente bringen einen tollen Klang in „Crying“, während in anderen Liedern Funk, Soul und Reggae ihren Platz finden.

Am meisten mitsummen lässt mich „Cargo“, denn der Anfang ist durch den Klavier-Elektro-Mix wirklich gut gelungen. Besonders erbarmungslose Worte findet Roots Manuva in „Skipping Hard“, in dem außerdem noch eine tolle Wirkung erzielt wird durch die gleichzeitige Verwendung eines sehr hohen Gesangs und der tiefen Lage von Rodney. Mit Stimmenverzerrungen und einem starken Abschluss durch das Ausblenden der Musik zeigt Roots Manuva in „Me Up!“ noch mehr Stilmittel seiner musikalischen Bandbreite. Den Abschluss bildet „Fighting For?“. Ein kraftvoller Song, der mit einer elektroniSLEAZE.RootsManuva2schen Orgel ausklingt und so irgendwie ein Gefühl von Bedrücktheit hinterlässt.

Das Album „Bleeds“ ist ein sehr abwechslungsreiches Kunstwerk. Das vorher angesprochene Abstrakte findet sich in den vielen verschiedenen stilistischen Mitteln wieder. Keines wurde mehrmals verwendet und doch bleibt die Platte im gleichen Stil. Sie ist in sich stimmig, trotz oder gerade wegen der verschiedensten Einflüsse von Techno bis Klassik und auch dem jungen Produzenten Fred.

Laut Roots Manuva handelt es sich bei dem Albumtitel um einen „egoistischen Scherz“, doch die Platte als solche ist definitiv keiner. Es gibt starke Texte über Entscheidungen und Leid zu hören, gepaart mit so vielfältiger Musik, dass sie für sich selbst sprechen könnte.

Surrealismus zeichnet sich durch klare Motive aus, die aber trotzdem nicht zusammen passen wollen und so etwas Ganzes ergeben. „Bleeds“ teilt genau diese Eigenschaften mit der von Roots Manuva so geschätzten Kunstform.

Maurin

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