Exploitation à la carte: 31

Exploitation à la carte: 31

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Um dir den neuen Splatter-Streifen von Zottelbär Rob Zombie näher zu bringen, erzähle ich einfach ein wenig von meinem Lieblingscharakter in 31. Bei dem handelt es sich um einen kleinwüchsigen, in Naziuniform gekleideten Psychopathen, der die meiste Zeit wilde Beschimpfungen auf Spanisch herumbrüllt. Ach ja, und er hat zwei Messer dabei und einen aufgemalten Hitlerbart. Und das ist nur eine kleine Geschmacksprobe aus diesem furiosen Blutfest.

Wer mit Rob Zombies Werken einigermaßen vertraut ist, weiß aber eigentlich eh, worauf er sich einlässt. Völlig bizarre Charaktere, extrem viel Blut, durchaus nackte Haut und ein fetter Soundtrack. Das sind im Grunde genau die Zutaten, die das Herz eines Trash-Liebhabers höherschlagen lassen. Und verdammt nochmal, wenn 31 eins ist, dann ist es Trash! Nach dem Ausflug in den Psychohorror im Rosemaries Baby Style, bei seinem letzten Film The Lords of Salem, den ich persönlich für einen der besten Horrorfilme der letzten Jahre halte, kehrt Rob nun wieder zu seinem alten Metier zurück und liefert typische Splatteraction mit schön viel Gore. Ganz im Stil seines Klassikers Haus der 1000 Leichen. Und auch wieder mit ähnlich liebenswerten Gestalten wie „Dr. Satan“ oder „Captain Spaulding“.

Nix zu lachen: Die Protagonisten in 31

Was geht da eigentlich ab?

Die Handlung ist Genre-typisch recht einfach gestrickt und man hat sie eigentlich auch schon vorher oft genug gesehen. Ein Trupp saucooler Schausteller tourt durch die Wüsten des mittleren Westens. Nach dem Besuch der – dem Klischee entsprechenden – schäbigen Tankstelle werden sie allerdings völlig unerwartet von verkleideten Verrückten überfallen und verschleppt. Als sie wieder  zu sich kommen, befinden sie sich gefesselt in einer schmuddeligen, grotesk geschmückten Lagerhalle und erwarten ihr Schicksal. Das lässt allerdings auf sich warten, denn sie sind nun Teil eines perversen Überlebensspiels, bei dem sie zwölf Stunden lang von gemeinen Meuchelmördern gejagt werden. Beobachtet wird der Running Man-Verschnitt von einem Grüppchen betagter Aristokraten mit gepuderten Perücken, die mit Lust und Laune auf die Performance der „Spieler“ wetten. Ganz miese Nummer.
Dann geht’s auch schon los, und es folgt eine Orgie des schlechten Geschmacks, mit allem was dazu gehört: Blutfontänen! Kannibalismus! Kernige Sprüche! Satanische Symbolik! Sexy Bräute! Kämpfe mit Kettensägen! Dröhnender Rock n‘ Roll! Und natürlich –> Killer-Clowns!

„Du hast da was rotes im Gesicht“

Fans des Exploitation-Kinos der goldenen 70er werden hier wirklich ihren Spaß haben. Dafür werden die von moderneren Horrofilmen wahrscheinlich eher wenig mit dem Film anfangen können. Wer es gewöhnt ist, alle fünf Minuten mit einem Jumpscare aus dem Sitz gerissen zu werden, wird hier enttäuscht sein. Hier gibt es noch richtig oldschool Horror. Die Schocks sind handgemacht und schocken mehr dadurch, weil sie einfach brutal sind, ganz im Stile von Cannibal Holocaust oder Evil Dead.

Dieses 70er Feeling wird  dadurch verstärkt, dass das Ganze auch noch an Halloween (31. Oktober, deswegen der Titel) des Jahres 1976 spielt, was natürlich mit lauter kleinen Details unterstrichen wird. Und grade bei solchen kleinen Details hat sich Herr Zombie – trotz des geradezu winzigen, durch Crowdfunding entstanden

en Budgets von 1,5 Millionen Dollar – wirklich Mühe gegeben. Neben Postproduction-Effekten, die den Film alt wirken lassen (flimmern, Bildfehler etc.), herrscht die ganze Zeit eine schmierige und irgendwie abstoßende Atmosphäre. Das Set ist wunderbar durchzogen mit rotem und blauem Nebel, düstere Beleuchtung, die nur die diabolischen Umrisse erkennen lässt – und echt ziemlich abgedrehte Kostüme. Alles wirkt wie der Besuch eines bösartigen Jahrmarkts in der Hölle. Auf LSD.

Auch der Cast passt gut zum Film. Die meisten Darsteller haben bereits in Lords of Salem oder The Devils Rejects mitgewirkt. In 31 haben sie aber erstaunlicherweise komplett gegensätzliche Rollen. Sheri Moon Zombie spielt zum Beispiel statt dem depressiven, verwirrten Mädchen hier eine toughe Sexbombe, die ordentlich austeilen kann. Oder Jeff Daniel Philips, der hier nicht den schüchternen, sympathischen Typen abgibt, sondern ein draufgängerisches Großmaul darstellt. Neu mit dabei ist Schauspiel-Urgestein Malcom McDowell, bekannt aus Clockwork Orange oder dem skandalösem Caligula, der hier einer der reichen Spielleiter ist.
Fairerweise muss man aber sagen, dass es sich die meiste Zeit nicht um supergutes Schauspiel handelt, was da im Film gezeigt wird. Aber die Schauspieler passen einfach in ihre Rollen. Toll aber war Richard Brake (Der White-Walker-König aus Game of Thrones!), der als „Doom-Head“ einen wirklich guten Job erledigt hat. Seine unglaublich widerliche Art und vor allem sein Monolog am Anfang des Films lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Eine Hommage an die alten Tage

Man muss, wie gesagt, wirklich Fan des Genres sein. Der extreme Einsatz von Gore und das provokative Spielen mitgesellschaftlichen Normen wirkt auf die einen einfach nur

Mo‘ zart: Malcom McDowell im Amadeus-Look

ekelhaft, während es für andere 102 Minuten voll guter Unterhaltung ist. Angemerkt sei, dass der Film viel besser ist als das vergurkte Halloween-Remake, das Rob vor einigen Jahren verbrochen hat. Und auch wenn der Film nun keine frische Story hat und kein Meilenstein des Horrorkinos ist, so sollte man ihn einfach als das nehmen, was er ist: Eine augenzwinkernde Hommage an das sleaz(e)y Exploitation-Kino längst vergangener Tage, als Männer noch richtige Männer waren und Frauen noch richtige Frauen. 😉

Veröffentlichung: 02.03.2017
Laufzeit: 102 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Englisch
Regie: Rob Zombie
Hauptdarsteller: Sheri Moon Zombie, Jeff Daniel Philips
Verleih: Tiberius

Simon

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