Exorzismus mit Beat

Exorzismus mit Beat

TEILEN

Ihr Debütalbum testeSLEAZE.TheSweetSerenades.Foto1ten The Sweet Serenades mit mehr als 100 Auftritten in Gefängnissen. Von einer Band mit solchen Ideen erwartet man auch musikalisch Mut. Um diesen auf ihrem dritten Studioalbum „Animals“ zu finden, muss man jedoch etwas suchen.

Das schwedische Duo gibt es seit 2002. Sie begannen mit Acoustic-Folk, doch auf dem neuen Album findet man Drumbeats, traditionelle Standtrommeln und sonst alles zwischen Gitarre und Disco. Das Album wird eröffnet mit dem dynamischen Stück „Come out and play“. Der Bass ist deutlich zu hören und die E-Gitarre trägt die Melodie, doch trotzdem schafft sie es nicht, die Energie des Songs wirklich voran zu bringen. In „Fireworks“ wird der Background-Gesang vielfältig eingesetzt, sowohl von Frauenstimmen als auch von den Sweet Serenades selbst. Der Beat des Liedes lässt Dschungel-Feeling aufkommen. Überirdisch und doch gruselig klingt „In the dark“. Hier war der eigentliche Plan, Geräusche eines echten Exorzismus einzugliedern. Das Lied war sogar schon fertig, wurde dann jedoch verworfen. Schade, dass es Martin Nordvall und Mathias Näslund hier an Mut fehlte. Es wäre sehr interessant zu hören, wie viel düsterer dieses Lied noch hätte werden können.

Das wavige Stück „When the man calls“ geht auch musikalisch sehr gut mit der Ironie des Textes um. Neben dem eingängigen Gitarrenriff wurde außerdem mit Hilfe des Synthesizers eine Art Quietschen erzeugt, dass immer erklingt, wenn „the man calls“. Lange Parts ohne Gesang gibt es in „Echoes“, das leider auch wenige Melodieveränderungen beinhaltet. Den melancholischen Abschluss bildet „Stand by me“.SLEAZE.TheSweetSerenades.Album

Die Suche nach dem Mut auf dieser Platte lief also nur bedingt erfolgreich. Doch haben sich The Sweet Serenades mit ihrem neuen Album irgendwie eine eigene Soundwelt erschaffen. Diese Mischung aus klarer E-Gitarre, Trommeln und Elektro hört man nicht oft. Trotzdem sind sie wenig experimentell. Ihre Musik ist nicht besonders tiefgehend und wirkt eher vorsichtig. Auch die Texte sind bis auf wenige Ausnahmen oberflächlich. Doch genau deshalb ist es die perfekte Musik, um sich zu entspannen. Wer einfach nur Musik im Hintergrund haben will, um durch den Raum zu schweben und fröhlich die Arme zu schwingen, ohne genau hinhören zu müssen – für den ist „Animals“ das perfekte Album. Es ist zurückhaltend, nicht aufdringlich und trotzdem abwechslungsreich.

Maurin

Interpret: The Sweet Serenades
Album: Animals
VÖ: 23.10.2015
Label: popup-records

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT