Existentielle Leichtigkeit: Dirty Cops

Existentielle Leichtigkeit: Dirty Cops

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Observieren mit der Bier-Pulle = mehr Spaß

Für das Heimkino ist Dirty Cops: War on Everyone erschienen, eine Buddy-Polizei-Komödie mit Michael Peña und Alexander Skarsgård in den Hauptrollen. Wie der Titel schon sagt, sind Michael (Observe & Report) und Alexander (The Diary of a Teenage Girl) faule Äpfel unter den Beamten – sicher nicht die ersten der Filmgeschichte (oder der Realität!) Die gelungene, ja echt lustige Kömodie ist so ein wenig Hipster-Retro-Style und erinnert auch bisweilen an Quentin Tarantino: DC kommt äußerst stylish daher, die Dialoge sind schlagfertig und gewitzt, der Soundtrack groovt. Es passt also alles.
Zur Story: Alexander und Michael bilden ein ungleiches Team als Partner bei der Polizei. Wie gehen sie bei ihrem Job vor? Zeichnen sie sich durch harte, beständige Arbeit aus, das Wälzen von Akten und langes Observieren? Das Gegenteil ist der Fall: Gleich rauf, zuerst zuschlagen, die Drogen konfiszieren und dann selber nehmen, eventuell lassen sie (nette) Verdächtige auch wieder laufen, wenn die Bestechungssumme stimmt. Das ist schön schräg, doch selbst in der überkrassen Welt von Dirty Cops sind die beiden deswegen schon oft suspendiert worden.

Feeling Blue

Und neben diesem genialen Set-Up besticht Dirty Cops auch mit einer blitzsauberen Geschichte: Neben den Cops gibt es auch einen lokalen Gangsterboss (Der Film spielt in der Breaking Bad-Stadt Albuquerque). Dieser plant einen Raubüberfall und hat auch sonst seine Finger in einigen schmutzigen Sachen stecken. Für die Zuschauer ist das ein Segen, denn die Geschichte ist ganz klar: Die beiden Cops gegen den Gangsterboss und seine Handlanger. Schnörkellos und gut. Und nicht nur das, auch von seiner Machart her ist DC nie langweilig, alle Szenen sind eher kurz gehalten, die Story drängt stets voran und entwickelt sich schnell. Ganz wunderbar.

Starke Typen

So richtig furchteinflößend sind auch weder Gangsterboss noch Cops in DC, dazu ist der Film zu ironisch. Aber was für verrückte Typen haben sich die Macher einfallen lassen: Alexander ist so der Typ Lone Wolf, säuft und schlägt sich gerne, ist schweigsam und eher der Muskel mit ganz viel Gefühl (vor allem Wut). Michael dagegen ist eloquent und gebildet, macht die Pläne und hat Familie. Gemeinsamkeiten: Sie würden füreinander sterben und halten beide nicht all zu viel vom Gesetz. Wie auch der Gangsterboss (Schönling Theo James aus Divergent): Er ist ein englischer Lord, trägt stets feinsten Zwirn und besitzt Rennpferde – alles sehr posh. Orgien oder Crack rauchen mag der kultivierte Lord jedoch auch ganz gerne, und manchmal hält er sich, nach dem letzten Schuss Heroin, für das einzig reale Bewusstsein – lustig. 🙂

Die Dirty Cops prügeln sich jetzt auf ihre korrupte Art bis zu diesem Boss durch und sind am Anfang noch hinter der Beute des Raubüberfalls her. Irgendwo entdeckt besonders Alexander auf dem Weg dorthin aber das Mitgefühl und nimmt ein paar Zeugen bei sich zuhause auf. Und plötzlich wird die ganze Sache persönlich. Das ist – moralisch! – nicht unwichtig, denn wahre Nihilisten sind die Cops eben auch nicht. Wenn mal ein Verdächtiger bei der Verfolgung umkommt – das passiert eben. Wenn dann der Handlanger des Bösen (wunderbar: Caleb Landry Jones) aber die eigene Ehefrau und Mutter seiner Kinder bedroht, sieht Michael beispielsweise rot. Sehr sympathisch! Die Cops haben das Herz am richtigen Fleck und wissen sich als geübte Regelbrecher dann auch zu helfen gegen die Bösen.

Hipster-Tarantino-Retro-Styler
Jetzt wird’s (fast) ernst.

Als Rezensent kommt man gar nicht hinterher, alle Stile zu nennen, die in DC zusammenkommen. Quentin hatte ich schon erwähnt, gleichzeitig erinnern beispielsweise Alexanders Muscle Car oder der Soundtrack oft stark an 70er-Jahre-Polizei-Serien wie Starsky & Hutch – allerdings in zeitgemäßem, süßen Retro. Oder aber alles erinnert wieder an noch ältere Detektiv-Filme bzw. -Bücher wie Philip Marlowe. Das trifft besonders auf die nachdenkliche Grundstimmung zu in allen Szenen, in denen mal nicht geprügelt wird. Und damit wären wir schon bei der nächsten Stil-Kategorie: Auch der Film Noir hat irgendwo seine Finger im Spiel, jedoch, DC spielt ja in Albuquerque, in der Variante „California Noir“ (ganz präzise: New Mexico Noir). Also nicht alles dunkel, verregnet und mit langen Schatten, sondern Dirty Cops ist ein sonnendurchfluteter Noir. Die Welt der Geschichte ist dabei jedoch noch genau so hart und gnadenlos wie im echten Noir.
Also ein zu empfehlender Film? Ja.

Robert

Titel: Dirty Cops: War on Everyone
Regie: John Michael McDonagh
Laufzeit: 98 Min.
: 23.3.2017 (DVD, Blu-ray & VoD)
Verleih: Constantin Film

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