Evanescence – aus der verliebten Sicht eines Fans.

Evanescence – aus der verliebten Sicht eines Fans.

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Evanescence in alter Besetzung.

Achtung, hier schreibt ein absoluter Evanescence-Fan. Ja, ich gebe es zu: Es gibt keine kritische Sicht, sondern schlichte Begeisterung und Leidenschaft und Liebe! Ich wollte dich nur vorwarnen.

Die Lichter gehen aus. Nur an der kreischenden Menschenmenge erkennt man, dass gleich etwas passieren muss. Etwas Bedeutsames. Die Scheinwerfer richten sich auf das Publikum und die ersten Melodien ertönen. Dann sind die ersten Gitarrenriffs zu hören, die die Stille zerschneiden. Es folgt eine eindringliche, fast engelsgleiche Frauenstimme. Das Publikum wird in ihren Bann gezogen und wenn sich die Quelle dieser Stimme an den Flügel setzt, singen alle mit oder lassen sich einfach mitreißen.

So in etwa kann man sich ein Evanescence-Konzert vorstellen. Nur besser! Die Band braucht nicht viel Bühnenshow, um jeden umzuhauen. Ein paar Scheinwerfer und Instrumente: fertig! Eines der Dinge, die ich an ihnen liebe.

Sie begeistern Millionen von Menschen weltweit. Jeder kennt den Song „Bring Me To Life“, ihr Album „Fallen“ gehört zu den meist verkauften Alben zwischen 2000 und 2009. Evanescence ist eine der erfolgreichsten Rockbands und ihr unverwechselbarer Sound bleibt – trotz mehrfacher Kopierversuche vor allem von der aus den Ex-Bandmitgliedern gegründete Band „We Are The Fallen“ – bis heute unerreicht. Nach fast acht Jahren regelmäßigen Hörens sind sie immer noch meine Lieblingsband. Für all diejenigen, die sich fragen, wie man nach dieser Zeit immer noch nicht gelangweilt ist, möchte ich versuchen, genau das zu erklären. Aber zuerst ein bisschen etwas zur Bandgeschichte.

SLEAZEevanescence live Amy 4Die Sängerin Amy Lee wächst als Amy Lynn Lee in Kalifornien auf. Ihr Vater spielte in einer Band und so wird ihr schon früh die Musik nahegebracht. Sie nahm von klein an Klavierunterricht, aber nie Gesangsstunden. Doch Amy sang in ihrer Schule im Chor und leitete ihn später sogar. Sie schrieb den Song „Listen To The Rain“ in der High School und trug ihn mit dem Chor zum Abschluss vor.
Wir spulen vor und befinden uns im Jahr 1995. Das Geburtsjahr von Evanescence – und meins. In einem Jugendcamp in Little Rock, Arkansas, erregt Amy durch das Klavierspiel von Meat Loafs „I’d Give Anything For Love“ die Aufmerksamkeit von Ben Moody. Beide fangen bald darauf an, zusammen Stücke zu schreiben, bald schon unter Evanescence. Der Bandname wurde aufgrund des schönen Klangs gewählt. Es bedeutet übersetzt „das Dahinschwinden“ und drückt das Mysteriöse aus. Genau das, was sie mit ihrer Musik bewirken wollten. Durch die Zusammenarbeit der beiden entstand unter anderem auch eine der schönsten Balladen von Evanescence: „My Immortal“.

Anfangs traten sie noch in kleinen Clubs auf wie dem Vino’s in Little Rock. Dort verkauften sie 1998 erfolgreich ihre erste EP. Ein sehr seltenes Exemplar, wovon nur 100 Kopien gemacht wurden. Als der Erfolg größer wurde, konnten Ben und Amy, mittlerweile ein Liebespaar, nicht mehr nur zu zweit auftreten. Es kamen 2003 Gitarrist John LeCompt, Drummer Rocky Grey und Bassist Will Boyd dazu.
Es folgte das Album „Fallen“ mit einer Neuaufnahme von dem EP-Song „Imaginary“. Der Song „Bring Me To Life“ wurde für den Film „Daredevil“ verwendet. Das Duett mit Paul McCoy von der Band „12 Stones“ wurde zu einem Welthit und zum Durchbruch von Evanescence, dem zahlreiche Platin- und Goldauszeichnungen folgten.

Während einer Europa-Tournee verlässt Mitbegründer Ben Moody die Band. Die Tour wird dadurch nicht gefährdet und kommt der Band sogar zugute. Ben wollte eine andere musikalische Richtung einschlagen und hatte, laut Amys Aussage, oft eine negative Einstellung. Ohne Ben könnte die Band sich musikalisch freier entfalten. Ein weiterer Grund könnte allerdings auch ein Streit des Paares gewesen sein. Es gab so einige Gerüchte und nicht zuletzt sorgte Ben für Schlagzeilen. Zusammen mit Kelly Clarkson im Schlepptau, startete er einen kleinen Rachefeldzug gegen Amy und randalierte vor ihrem Haus. Genaueres ist aber nicht bekannt. Die Sängerin gilt als sehr bestimmend und steht im Mittelpunkt von Evanescence, doch im Internet steht vieles und oft Aussage gegen Aussage. Ben gründete die Band „We Are The Fallen“, wohl in Anlehnung an das erste Album. Aus therapeutischer Sicht vielleicht nicht der beste Name, aber nun gut.
Evanescence existiert weiter, ändert aber in den darauf folgenden Jahren mehrfach ihre Besetzung. 2006 folgt das Album „The Open Door“. Wenig später legen die Musiker eine fünfjährige musikalische Pause ein. 2011 dann die dritte LP mit dem schlichten Namen „Evanescence“: Das Album zeigt die musikalische und charakteristische Entwicklung der Band auf, behält aber dennoch den typischen Stil bei. SLEAZEev studio

Evanescence wurde früher oft dem Gothic Rock oder Alternative Metal zugeordnet. Auch als christlich wurde die Band beschrieben. Doch sie selbst bezeichnen sich weder als christlich noch lassen sie sich gern – wie so viele Künstler – in eine bestimmte Kategorie einordnen. Sie sehen sich als musikalisches Individuum, was ich als großer Fan nur kopfnickend bestätigen kann.
Es fließen viele verschiedene Elemente in die Musik ein und sorgen für ein ganz eigenes Genre. Vor allem bei älteren Evanescence-Songs wie „Understanding“, „Field Of Innocence“ oder „Catherine“ hört man einen Klassik-Einfluss im Hintergrund stark heraus. Das ist auch nicht verwunderlich, denn alle Bandmitglieder hatten bis jetzt auch eine Schwäche für klassische Musik.
Viele von den Stücken sind leider sehr unbekannt und selten im Internet zu finden. Obwohl gerade auch diese Stücke die Einzigartigkeit und brillanten Kompositionen zeigen. Es sind sowohl Operngesang als auch Orgeln enthalten, neuere Evanescence-Songs bevorzugen Geigen und Harfen.

Dass die Musik der Amerikaner sich sogar als Filmmusik eignet, ist gar nicht so weit hergeholt. Der Song „Lacrymosa“ von „The Open Door“ und die Single „Together Again“ sollten ursprünglich für den Fantasyfilm „Narnia“ verwendet werden. 2008 schrieb Amy Lee das Lied „Sally’s Song“ für ihren Lieblingsfilm „The Nightmare Before Christmas“.

Kommen wir zum Songwriting: Es gibt sehr wenige Musiker, die nur annähernd an das herankommen, was vor allem Amy aufs Papier bringt. Vorher war noch Ben daran beteiligt gewesen, später Gitarrist Terry Balsamo oder Amy allein. Wer sich einmal die Zeit nimmt, sich mit den Lyrics von verschiedenen Songs zu befassen, wird schnell wissen, was ich meine. Die Songtexte sind meiner Meinung nach – neben Amys Stimme und den mitreißenden Melodien – der Hauptgrund, weshalb Menschen aller Altersklassen diese Band anhimmeln. Es wird viel mit Metaphern gearbeitet und es werden Themen angesprochen, die jeden betreffen.

Die Songs erzählen von Furcht, Liebe,Unverstandenheit, Hoffnung, Glück, Trauer und vom Ausweg aus einer scheinbar aussichtslosen Situation. Das erreicht nicht nur mich, sondern auch tausend andere. Diese Texte gesungen mitAmys ausdrucksstarker Stimme, den fantastischenGitarrenriffs, dem Bass und dem Klavierspiel hauen einen einfach um! Musikalisch ist die Band ein echtes Meisterwerk!

Gitarrist Terry Balsamo
Gitarrist Terry Balsamo

Ein weiter Grund, warum ich diese Gruppe so sehr mag, ist Amy selbst, ihre Persönlichkeit. Sie ist in vielerlei Hinsicht sehr inspirierend für mich. In ihren Songs verarbeitet sie Erlebtes und schreibt sich alles vom Herzen. Man könnte sagen, die Songs erzählen ihre Geschichte.

Als sie jünger war, wurde sie in ihrer Schule schikaniert. Sie hat einen Bruder, der von Epilepsie betroffen ist, weswegen sie die Stiftung Out Of The Shadows gründete. Ihre kleine Schwester Bonnie starb mit nur drei Jahren. Für sie schrieb sie die Stücke „Hello“ und „Like you“. Sie opferte sich jahrelang für ihren drogensüchtigen Freund Shaun Morgen auf, dem sie später den Song „Call Me When You’re Sober“ widmete. Das und mehr machten sie zu der Person, die sie ist. Und genau aus diesem Grund kann sie ihre Songs so gefühlvoll herüberbringen und konnte mir persönlich oft helfen, mich inspirieren und motivieren.

Seit 2012 machen Evanescence zum Bedauern der Fans mal wieder eine musikalische Pause. So heißt es zumindest. Doch Amy konzentrierte sich seitdem (zu meiner Freude) auf das Komponieren von Filmmusik und arbeitete mit dem Cellist David Hodges zusammen. Sie produzierte mit ihm ihr erstes Soloalbum „Aftermath“, das am 25. August vergangenen Jahres erschien. Hier beweist sie noch einmal mehr, was für Talent in ihr steckt und wie wandelbar ihre Musik ist. Denn selbst ich war überrascht vom Musikstil. Etwas völlig anderes. „Lockdown“. Ist einer der wenigen Songs, wo Amys Stimme zu hören ist. Und: Er hat es mir mehr als angetan! Schon vom ersten Moment an bringt er Amys Experimentierfreude zum Ausdruck. Der Refrain schlägt ein wie eine Bombe und der Hörer wird von der glasklaren Stimme gefesselt. Das Stück ist schlicht, aber dennoch ein hochwertiges kleines Meisterwerk. Die Musik wurde als Soundtrack für den Film „War Story“ geschrieben, welcher 2014 beim Sundance Festival Weltpremiere feierte und ist daher zum größten Teil instrumental gehalten. Wir sind gespannt auf weitere Projekte.

Und…seit dem 24. Juli 2014 ist sie auch noch stolze Mama eines Jungen. Damit müsstest du auf dem neuesten Stand sein. Falls ich dich neugierig auf diese Band gemacht habe, leg mal alles beiseite, dreh die Boxen auf und gib dir eine volle Ladung Evanescence! Und schreib mir gerne deine Meinung. Ich bin gespannt!

Saskia

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