Escapism from Reality: Die September-Kinovorschau

Escapism from Reality: Die September-Kinovorschau

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Na, aus dem Urlaub zurück? Hängst du wieder auf der Arbeit rum und fragst dich, was das Ganze soll? Geh doch einfach ins Kino! Da entkommst du zwar nur für ca. zwei Stunden, aber die können es in sich haben. Hier unsere Kinovorschau für den kommenden September, wie immer auf Herz, Nieren, und (im Falle von Hardcore Henry) auch auf sämtliche elektronischen Körperteile geprüft.

1. September

Belladonna of Sadness

Ein psychedelischer Hippie-Zeichentrickfilm von 1973, aus Japan! Noch Fragen? Nein, das dachte ich mir auch. Dieser Film nimmt dich mit auf eine fantasievolle Reise durch fantastische Welten. Schöne Bilder im Comic-Stil, super Mukke wie einst in Woodstock und ein generelles Love, Peace and Happiness-Feeling sorgen für einen rundum gelungenen Filmgenuss. Unbedingt zu empfehlen für alle, die sich auch mal auf Klassiker einlassen können. Belladonna kommt neu restauriert in die Kinos, zur Rezension geht’s hier.

8. September

Nerve

Emma Roberts (Von der Kunst, sich durchzumogeln) und Dave Franco (Bad Neighbors) in einem topaktuellen Thriller: In New York wird ein illegales Online-Game gespielt, bei dem die Teilnehmer Challenges in der realen Welt machen und sich dabei filmen müssen. Die Zuschauer stimmen ab, wer in der Rangliste aufsteigt. Die Dares reichen dabei von einen Unbekannten küssen (hab ich auch schon gemacht!) bis zu richtig gefährlichen Sachen in großer Höhe oder bei hoher Geschwindigkeit.

Für Teenager Emma geht‘s in dem Film zunächst mal darum, ihren eigenen Mut zu entdecken. Sie ist nämlich introvertiert und ein wenig schüchtern. Als sie aber in der Rangliste des Spiels immer weiter aufsteigt, muss sie sich – mit der Hilfe einiger Hacker-Freunde – auch gegen das Spiel selber wehren.

Süße Typen knutschen = auch eine Challenge
Süße Typen knutschen = auch eine Challenge

Der Film ist wirklich „up to date“ und wer schon immer wissen wollte, was man mit sämtlichen gehackten Online-Profilen einer Person einschließlich des Bankkontos so alles anfangen kann, schaue sich Nerve an. Topp!

15. September

Tschick

Fatih Akin ist einer der wenigen Lichtblicke in der deutschen Kinolandschaft. Schon mit Gegen die Wand oder Soul Kitchen zeigte er, dass auch in Deutschland geht, was sonst unmöglich scheint: Glaubhafte und natürliche Charaktere in einer sinnmachenden und den Zuschauer emotional bewegenden Story. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist hierzulande doch leider immer noch Mangelware.

Und worum geht‘s in Tschick? Der vierzehnjährige Maik und sein Kumpel Tschick gehen auf einen Roadtrip mit einem geklauten Lada. Ziel: Der Weg! Denn es ist Sommer und „on the road“ passiert immer mehr als zuhause vorm Bildschirm. Wie angenehm unvorbereitet die beiden das Projekt angehen, ist echt lustig: Tiefkühlpizza mit dem Feuerzeug aufwärmen? Mit brennender Kippe in den See springen? Klar doch, denn wenn man Dinge zum ersten Mal macht, findet man auch raus, ob‘s klappt. Wunderbar unverkrampft und mit ganz feinen jungen Darstellern. Fatih, du hast es einfach drauf!

Knisternde Begegnungen „on the Road“
Knisternde Begegnungen „on the Road“

The Purge: Election Year

Über die Purge-Reihe muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden: In einer nicht allzufernen Zukunft wird in den ehemaligen USA ein ganz besonderer Bevölkerungskontrollmechanismus angewandt: Für die Dauer des Purge darf jeder jeden massakrieren (oder auch vergewaltigen oder wonach einem sonst noch so der Sinn steht). Das appelliert natürlich an die dunkle Seite des Menschen, die in dieser Nacht ausgelebt, danach aber wieder gedeckelt werden soll. Angenehmer Nebeneffekt: Es gibt weniger Arme und Kriminelle, da die sich gegenseitig abschlachten. Und jetzt zeig mir mal den Politiker, der nicht gerne weniger Arme und Kriminelle hätte – natürlich nicht auf diese Art! Du merkst schon, in welche Richtung das Ganze geht.

Im mittlerweile dritten Teil der Reihe geht‘s wieder um die Purge-Nacht. Dieses Mal kommen sogar einige Politiker unter die Räder, die sonst unfairerweise vom Purge ausgenommen sind. Aber wie immer gilt: Vertrau niemanden und halt dir den Rücken frei!

Mach bloß nicht, was auf der Maske steht!
Mach bloß nicht, was auf der Maske steht!

22. September

Snowden

Wer kennt nicht die Story von Edward Snowden, dem mutigen Whistleblower, der einfach mal gemacht hat, was tausende andere nicht wagten: Es nicht okay zu finden, dass ein eigener Geheimdienst, nämlich die amerikanische NSA, fast die gesamte einheimische Bevölkerung sowie den ganzen Rest des Planeten abhört – und das dann auch noch publik zu machen. Eigentlich müsste seinem Mut salutiert werden, aber in Amerika gilt er als Landesverräter.

Die Konsequenzen von Edwards Handlungen sind immer noch unübersehbar und er muss sich in Russland verstecken, ist aber zum Star der „Weltverbesserer“-Online-Community geworden. Ein echter Weltbürger!

Dieses ergiebigen und politisch brisanten Themas nahm sich jetzt der ebenfalls geniale Oliver Stone an, der einst schon mit JFK oder Wall Street politisch brisanten Stoff verfilmte. Die Hauptrolle spielt Joseph Gordon-Levitt (500 Days of Summer).

Bad Moms

Mütter, die über die Stränge schlagen? Ja! Die in Amerika sehr erfolgreiche Komödie startet nun auch bei uns. Mit dabei: Mila Kunis (Jupiter Ascending), Kristen Bell (Forgetting Sarah Marshall) und Kathryn Hahn (Afternoon Delight).

In Bad Moms gehen die drei Mütter zunächst mal auf eine richtige Sauftour, bei dem sie sich näher kommen und Spaß haben wie einst vor den Kiddies und der ganzen Verantwortung: Hangover-Style. Danach gilt‘s dann, im leicht festgefahrenen Leben ein wenig auszumisten und einen neuen, angenehmeren Zustand zu erreichen: Less stress, more fun! Prenzlberger Muttis: Bitte unbedingt anschauen! 😉

Die glorreichen Sieben

Remake des Western-Klassikers von 1960: Ein armes mexikanisches Dorf heuert eine Bande Banditen an, um sich gegen Angriffe zu schützen. Das läuft auf eine Schießerei hinaus. Kam damals schon gut, und im Remake führte jetzt Antoine Fuqua Regie, der schon mit Training Day bewies, dass er spannend wirklich gut kann. Außerdem mit dabei: U.a. Denzel Washington und Ethan Hawke, also die orignale Training Day-Besetzung. Als würde das noch nicht reichen, um uns ins Kino zu locken, hat an der Story noch True Detective-Schöpfer Nic Pizzolatto mitgewirkt. Anschauen also, könnte der beste Actionfilm des Monats werden!

29.9.

Raving Iran

Mal was anderes: Schon in Deutschland müssen „illegale“ Open-Air-Partys bisweilen mit einer vorzeitigen Schließung rechnen. Bleibt doch in den Clubs, wo euch niemand sieht!

Und jetzt stell dir mal vor: Du lebst im Iran und willst raven gehn! Das könnte lebensgefährlich werden, denn Männer und Frauen, die unverschleiert und zu Teufelsmusik ihre sündigen Hüften kreisen lassen – das geht im Gottesstaat gar nicht. Aber manche Unbelehrbare können einfach nicht widerstehen, so auch Anoosh und Arash, die den Sound einfach zu sehr lieben, um sich von ihrer Party abbringen zu lassen. Wie sie dann doch die im Iran hochgefährlichen Events an den Start bringen, zeigt diese aus Sicherheitsgründen vor allem mit Handy-Kameras gedrehte Doku. Eher ein (besseres) Studentenprojekt, doch lohnenswert.

Robert

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