Epilepsie durch Arcade Fire-Werk

Epilepsie durch Arcade Fire-Werk

TEILEN

SLEAZE.Acade.fireDas Filmgenre Dokumentation lässt mich unwillkürlich direkt an Weltuntergang-Szenarien oder die 40. Wiederholung der Kriegstagebücher auf ntv denken. Doch dass Musik hier näher liegt als man denkt, beweist „Arcade Fire: The Reflector Tapes“. Zugegebenermaßen ist die Stimmung oft nicht direkt von einer Drogendokumentation zu unterschieden. Aber hey, auf jeden Fall mal was anderes.

Im Falle Arcade Fire gehöre ich wohl zu den absoluten Spätzündern. Auf meine Playlist schaffte es die kanadische Band erst Beginn dieses Jahres. Seitdem sind sie da aber nicht mehr wegzudenken.

Die Dokumentation bietet einen Einblick in die Entstehungsgeschichte hinter das Nummer-Eins-Album Reflektor von Arcade Fire. Die unzähligen, kurzen Filmschnipsel verdeutlichen die verschiedenen Inspirationen der Band. All das verwirklichten Arcade Fire in Zusammenarbeit mit Kahlil Joseph, der bereits 2013 in Sundance einen der begehrten Awards für seine Kurzfilme abstaubte.

Nachdem ich es mir in meinem Kinosessel bequem gemacht hatte, wurde ich gleich zu Beginn des Films darauf hingewiesen, dass dieser Film epileptische Anfälle auslösen kann. Solltest du zu der Gruppe Menschen gehören, die leider an solchen Anfällen leiden, überleg dir doch lieber nochmal gut, ob du den Film wirklich sehen möchtest. Diese Warnung hört sich zuerst mehr wie eine dahingesagte Floskel an, doch bereits die ersten wenigen Minuten der Dokumentation verdeutlichen ihre Ernsthaftigkeit.

SLEAZe.Acade.fire.reflectorZum Einstieg befindet man sich direkt mit Arcade Fire auf der Bühne eines Konzertes und Sänger Win Butler steckt seinen Kopf durch eine zuvor zerschlagene Trommel. Lichteffekt von links, Blitze, Bildeinflug von rechts, Lichtblitze in unterschiedlichen Sphären. Alles dabei.

Ein Großteil des Films dreht sich um die Begebenheiten rund um den Auftritt am ersten Abend des Karnevals in Haiti. Warum ein spontaner Videodreh im Krankenwagen endet und warum Sängerin Régine Chassagne in wildfremde Autos steigt, klärt sich im Laufe des Filmes.

Als Zuschauer muss man sich definitiv erst einmal auf die Schnittführung einlassen, vor allem da die längste Sequenz des kompletten Films ohne Schnitt gefühlte fünf Sekunden lang ist. Wenn man da erst einmal drin ist, was bei mir kurz vor Ende des Films war, kann man sich entspannt auf das Interview einlassen, das – ACHTUNG – erst nach dem kompletten Abspann kommt und nochmal eine Zusammenfassung und Beleuchtung der zuvor gesehenen Filmschnipsel ist.

Als besonderes Schmankerl, das einen Kinobesuch rechtfertigt, ist das 20minütige extra Bildmaterial, das es exklusiv nur im Kino zu sehen gibt.

SLEAZE.WinButler..Arcade.Fires.The.Reflektor.TapesWer bei dieser Dokumentation sofort den roten Faden sucht, den muss ich leider enttäuschen. Während des Films ist es schier unmöglich und man ist mit der Verarbeitung der Millionen Eindrücke beschäftigt. Mit etwas Abstand kann ich jedoch sagen, dass sich so langsam ein winzig kleiner roter Faden für mich bildet.

Wenn du wissen willst, wie Songs wie Reflektor oder Afterlife entstanden sind, was Arcade Fire alles bewegt und ein wenig zwischen den Zeilen lesen willst, um so mehr über die Band zu erfahren, lohnt sich ein Kinobesuch auf alle Fälle. Wenn du jedoch nicht wirklich was mit der Band am Hut hast und auch nicht darauf stehst, was so im Kopf der Musiker abgeht, dann bleib lieber zuhause. Aber in die Musik von Arcade Fire solltest du unbedingt mal rein hören.

Lisa

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT