Elton-John-Biopic Rocketman: ein Raketen-Musical

Elton-John-Biopic Rocketman: ein Raketen-Musical

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SLEAZE + Rocketman

Elton John ist seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Musiker des Planeten. Stücke wie Your Song, Crocodile Rock, die zur Hymne der 1997 verunglückten Lady Di umformierte Ballade Candle in the Wind oder das Liebesduett Can You Feel the Love Tonight aus Disneys Zeichentrickklassiker Der König der Löwen.

SLEAZE + Rocketman
Bereit für den großen Auftritt: Taron Egerton als Elton John

Etliche Stücke des 72-jährigen Engländers dürften sich auch heute noch im kollektiven Bewusstsein wiederfinden. Mit Rocketman ist kürzlich ein Biopic über ihn erschienen.

Elton John ist Ikarus

In diesem erzählt Regisseur Dexter Fletcher (Eddie the Eagle) eine oberflächlich betrachtet typische Filmbiografie, die bekannte Stationen des Genres abgrast: Kindheit, Aufstieg, Fall, Selbstfindung, Katharsis, Ende. Rocketman geht trotzdem ganz eigene Wege.

Im Wesentlichen handelt es sich bei Rocketman vielmehr um ein Biopic-Musical. Auftritte Eltons, den der u.a. aus den Kingsman-Filmen bekannte Taron Egerton energetisch und gesangsstark verkörpert, gehen hier Hand in Hand mit musikalischen Spontanitäten: Da wird auf der Straße, in der Kneipe und im Elternhaus beherzt gesungen und getanzt.

Und so begleiten wir ihn durch Phasen seiner zum Teil erdrückenden Kindheit, die er nach seinem ersten Hit inklusive Plattenvertrag als junger Erwachsener hinter sich zu lassen scheint, um der Sonne des Erfolgs raketenhaft näher zu kommen.

Doch der Flug des Ikarus‘ endet bekanntlich mit dem Absturz. Auch diese Seiten zeigt Rocketman, der Elton als einen elektrisierten, gleichsam schüchternen, unsicheren und überaus empfindsamen Menschen zeigt, der sich nach Liebe sehnt. Ein Mensch, der zunehmend auf die isolierende Seite der Erfolgsspirale gerät und droht, nahe unseres Zentralgestirns zu verglühen.

SLEAZE + Rocketman
Ikarus aka Rocketman: Verloren im Rausch des Höhenflugs

Rocketman zeigt Schwung und Mut

Der Film bewahrt sich dabei zu jeder Phase seiner zweistündigen Laufzeit den nötigen Schwung, um nicht nur Elton, sondern mit ihm das Publikum voranzupeitschen. Regisseur Dexter findet immer wieder ausdrucksstarke Bilder.

Darunter längere Plansequenzen und surreale Ausflüge in das Innenleben seines zerrissenen Protagonisten, die die erzählerischen Handlungsetappen nicht nur brav miteinander verbinden, sondern dem Rocketman Schub in Form von Überraschung und einer gewissen Unerwartbarkeit verleihen. Schön ist auch, dass Hauptdarsteller Taron ausschließlich selbst singt und so ein Gefühl kraftvoller Direktheit auf der Leinwand entsteht.

Eine zusätzliche Erwähnung verdient zudem das verantwortliche Filmstudio Paramount Pictures, das mit Rocketman Haltung zeigt. Denn der Film ist tatsächlich der erste eines der großen Hollywoodstudios, der offen die Darstellung von Sex zwischen Homosexuellen zeigt, wie The Hollywood Reporter Mitte Mai anlässlich der Premiere des Streifens auf den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes berichtete.

Auch 2019 ist das Thema noch immer keine Selbstverständlichkeit. Aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Bohemian Rhapsody, der von der Band Queen und seinem Frontmann Freddie Mercury (Rami Malek) erzählt, wurden sogar einige Minuten für die Veröffentlichung in China herausgeschnitten, in denen Drogenkonsum und Homosexualität gezeigt wurden. Auch für die ägyptische Freigabe kam die Schere zum Einsatz. Ohnehin wurde dem Film von verschiedenen Seiten Mutlosigkeit vorgeworfen.

Diese Mutlosigkeit umkurvt Rocketman selbstbewusst und schwungvoll. Nach dem Abspann verließ ich den Kinosaal mit einem breiten Grinsen, denn mehr noch als ein genormtes Biopic im klassischen Sinne ist der Film eine musikalisch aufgeladene, energetische Suche nach Halt, Sinn und Liebe. Und das betrifft uns doch irgendwie alle.

Alex

Titel: Rocketman
Kinostart: 30.05.2019
Dauer: 121 Minuten
Genre: Drama, Musik, Musical, Biopic
Produktionsland: Großbritannien, USA
Filmverleih: Paramount Pictures

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